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102. Tour de France : „Der Radsport hat diese Chance verdient“

Der Internationale Radsportverband hat inzwischen einiges gegen Doping unternommen, es gibt eine größere Dynamik als in anderen Sportarten, nachdem lange nichts getan worden war. Und die deutschen Fahrer versichern sehr glaubhaft, im Kampf gegen Doping vorne dabei zu sein. Und ein paar von ihnen sind immer für Etappensiege gut. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass wir bei einem Doping-Fall bei der Tour sofort wieder aussteigen würden. Das wäre eine unangemessene Panikreaktion. Wir würden die Tour dann nur noch kritischer begleiten. Wir werden sicherlich auch wieder über die Kultur Frankreichs berichten, über das Land. Ich denke, dass die Leute das sehen wollen. Aber auch dieser Aspekt wird kürzer gefahren. Ich bin in jedem Fall leicht hoffnungsvoll vor dieser Tour, ich bin aber auch kein Phantast.“ (Michael Antwerpes, ARD-Moderator bei der Tour)

„Mir ist keine einzige Frage zum Thema Doping gestellt worden“: Christian Prudhomme
„Mir ist keine einzige Frage zum Thema Doping gestellt worden“: Christian Prudhomme : Bild: dpa

Mehr als nur ein zartes Pflänzchen

„Ich möchte den Deutschen sagen: Schlafen Sie gut, und träumen Sie süß. Es ist sehr wichtig, wieder zwei deutsche Teams zu haben. Dadurch kann der Radsport in Deutschland wieder an Bedeutung gewinnen. Es bewegt sich sehr viel in Deutschland. Die deutschen Fahrer sind enorm erfolgreich. Mehrere Städte zeigen Interesse daran, Etappenort der Tour zu werden. Dazu kommt das Engagement im Kampf gegen Doping. Ich sehe, dass auch die Rennfahrer den Justizminister bei seinem Gesetzesprojekt gegen Doping unterstützen. Für mich ist das mehr als nur ein zartes Pflänzchen.

Was zum Beispiel Ralph Denk beim Team Bora auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend. Er hat das Team Schritt für Schritt aufgebaut. Und er hat in Deutschland in schwierigen Zeiten die Fahne des Radsports hochgehalten. Das können nicht viele von sich sagen. Man muss jetzt das richtige Maß finden zwischen der fast verrückten Begeisterung von früher und der extremen Verdammung danach. Bei einem Besuch in Münster habe ich eine sehr große Leidenschaft für den Radsport erlebt, und mir ist keine einzige Frage zum Thema Doping gestellt worden.“ (Christian Prudhomme, Direktor der Tour de France)

„Wie soll man Vertrauen zu solchen Leuten haben“: Fritz Sörgel
„Wie soll man Vertrauen zu solchen Leuten haben“: Fritz Sörgel : Bild: dpa

Ein massiver Doping-Skandal der anderen Art

„Ich habe kein wirkliches Tour-Fieber. Das ganze Drumherum etwa beim Team Giant-Alpecin ist doch kaum noch an Peinlichkeit zu übertreffen. Wenn man bedenkt, welche Bedeutung der Sport für die Gesellschaft hat - und dann kommt so was. Dass die Firma, die ja auch den Versuch unternommen hat, Jan Ullrich zu resozialisieren, nun während der Tour den Slogan „Doping für die Haare. Nur für die Haare“ stoppt, finde ich nicht peinlich, aber die Art und Weise, wie sie es machen. Sie schreiben, dass sie „Doping-Werbung“ aussetzen. Wie soll man Vertrauen zu solchen Leuten haben? Sorry, das geht nicht. Diese Tour hat einen massiven Doping-Skandal „der anderen Art“, noch bevor sie losgeht.

Und die deutschen Rad-Asse und der deutsche Radsport hätten keinen schlechteren Start in die von ihm propagierte „Nach-Doping-Ära“ machen können. Ich fordere BDR-Präsident Rudolf Scharping auf, sich sofort im Interesse seiner als neue, unbescholtene und unverdächtig bezeichnete Generation von Radfahrprofis von dieser Werbung eindeutig und zweifelsfrei zu distanzieren. Skepsis schwingt beim Radsport bei mir immer noch mit, ich bin sehr vorsichtig, weil die alten Seilschaften noch existieren. Aber man muss Deutschland und das Ausland schon ein bisschen unterscheiden. Ich habe mehr Vertrauen zu den deutschen Sportlern.“ (Fritz Sörgel, Pharmakologe und Doping-Experte)

Zusammengestellt von Rainer Seele.

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