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Tour de France : Greipel nach Gerangel zurückgestuft

  • -Aktualisiert am

Etappensieger Dylan Groenewegen (Mitte) bejubelt seinen Sieg vor dem knapp unterlegenen André Greipel (links). Bild: AFP

Ein weiteres Mal ist der Niederländer Gronewegen erfolgreich. Doch der deutsche Sprinter fühlt sich um den Sieg betrogen. Während Kittel abermals enttäuscht, verletzt sich ein anderer Deutscher schwer und muss aufgeben.

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          André Greipel drückte mächtig aufs Tempo, er raste in führender Position der Ziellinie entgegen, doch letztlich war er wieder ein Geschlagener. Auf den letzten Metern der achten Etappe der Tour de France schoss der Niederländer Dylan Groenewegen an ihm vorbei. Groenewegen war schon am Vortag erfolgreich gewesen. Allerdings wurden Greipel und der Kolumbianer Fernando Gaviria, eigentlich Zweite und Dritte, kurz nach dem Rennen von der Jury wegen eines nicht korrekten Sprints zurückgestuft – an das Ende des Pulkes, der geschlossen Amiens erreicht hatte.

          Bild: F.A.Z.
          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Dadurch wurde der Slowake Peter Sagan, der Mann in Grün, Zweiter, John Degenkolb – ursprünglich Fünfter – rückte auf Platz drei vor. Der Belgier Greg Van Avermaet behielt das Gelbe Trikot. Greipel klagte anschließend: „Ich bin durch Gaviria klar um den Sieg gebracht worden. Er ist mir zweimal in die Linie gefahren und hat mit dem Kopf gestoßen“. Doch freilich hatte auch er in dem Gerangel seinen Körper eingesetzt.

          Wirbelbruch bei Martin

          Triste Tage also für die deutschen Sprinter, die vorerst keine Gelegenheit mehr haben, einen Coup bei der Tour zu landen. Während Greipel sich am Samstag immerhin größte Mühe gegeben hatte, endlich den ersten deutschen Tageserfolg bei der Tour 2018 zu erringen, war Marcel Kittel wieder einmal nur ein Schatten seiner selbst. Der Thüringer, im Vorjahr fünffacher Etappensieger, beteiligte sich in Amiens gar nicht am finalen Spurt. Allerdings waren zwei seiner Partner, Tony Martin und Rick Zabel, 17 Kilometer vor dem Ziel in eine Karambolage verwickelt worden und fielen als Helfer aus. Martin, der am Samstag wegen seines Malheurs den Schluss des Pelotons bildete, wurde bei dem Sturz so schwer verletzt, dass für ihn die Tour zu Ende ist. Wie der Sprecher des Katusha-Alpecin-Teams, Falk Nier, mitteilte, hatte der Fahrer einen Wirbelbruch erlitten. Er kann die Rundfahrt am Sonntag nicht fortsetzen und muss nun für vier Wochen eine „absolute Radpause“ einlegen.

          Anders als zuvor bei der belgischen Equipe Quickstep-Floors funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Kittel und seinen Mitstreitern beim Team Katjuscha-Alpecin offensichtlich grundsätzlich nicht. So scheint inzwischen auch ein frostiges Klima in dem Rennstall zu herrschen. Sportdirektor Dimitri Konyschew kritisierte Kittel jetzt sogar öffentlich. Gegenüber der Zeitung „L‘Equipe“ nannte der Russe den deutschen Radstar einen Egoisten. „Wir bezahlen ihm eine Menge, aber er ist nur an sich selbst interessiert“, behauptete Konyschew. Er stützte seine These mit dem Hinweis, dass Kittel in der Teambesprechung vor dem Mannschaftszeitfahren in Cholet mit dem Handy herumgespielt habe. „Die Stimmung ist nicht die beste“, hatte Martin bereits am Freitag gesagt.

          Und auch nach der Zieleinfahrt gab es weiter Kritik. Ko-Teamchef Torsten Schmidt sagte: „Radrennen ist jetzt nicht so kompliziert – da muss man halt reinhalten. Er hat es in der Vergangenheit gezeigt, dass er es kann – aber hier hat es noch nicht richtig funktioniert. Es ist nicht das, was jeder erwartet hat. Er ist primär die Person, um die es geht. Ich hoffe, er fährt weiter bis Paris“.

          Kittels Manager Jörg Werner will auf die Attacke von Konyschew reagieren und sich an diesem Montag, dem ersten Tour-Ruhetag, um ein klärendes Gespräch bemühen. Allerdings war von ihm schon zu hören, dass er die Teamführung der „alten Schule“ zuordnet. Außerdem sprach Werner von fehlendem Teamspirit und von einer Teilung zwischen der vier Fahrer starken deutschen Fraktion und dem Rest des Teams.

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