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Golfer Martin Kaymer : Das verflixte zehnte Loch

  • -Aktualisiert am

Martin Kaymer muss einen Rückschlag hinnehmen Bild: AP

Martin Kaymer muss am Freitag in Troon einen Rückschlag verkraften. Doch der Golfprofi sagt: Bei einer British Open kann alles passieren.

          3 Min.

          Links Golf, das Spiel auf britischen Küstenplätzen, erfordert Wetterfestigkeit, die Fähigkeit, auch bei Wind und Regen sein Spiel zusammenzuhalten. Nachdem am ersten Tag der 145. British Open im Royal Troon Golf Club die 156 Spieler noch mit strahlendem Sonnenschein und wenig Wind verwöhnt worden waren, setzte am Freitagmorgen der vorhergesagte Regen ein. Da aber auch am zweiten Tag nur ein laues Lüftchen wehte, herrschten für schottische Verhältnisse immer noch passable Bedingungen. Martin Kaymer, der einzige Deutsche im Feld, nutzte sie – allerdings nur bis zum zehnten Loch. Nachdem er am achten Loch, dem „Postage Stamp“ genannten, mit 123 Yards (112 Meter) kürzesten des Platzes, ein Ass nur um Zentimeter verfehlt hatte und am neunten Loch von außerhalb des Grüns aus 15 Metern zum nächsten Birdie eingelocht hatte, lag er mit 7 unter Par vorübergehend auf dem zweiten Platz.

          Doch dann ging an diesem zehnten Loch, einem 457 Yards (418 Meter) langen Par 4, alles schief. Nach einem perfekten Abschlag verfehlte er mit dem zweiten Schlag das Grün, der Chip (flacher Annäherungsschlag), geriet zu kurz und rollte vom erhöhten Grün zurück vor seine Füße. Beim zweiten Versuch gab er mehr Gas, der Ball schoss übers Grün ins tiefe Rough auf der anderen Seite des Grüns. Von dort konnte er den Ball nur heraushacken. Zwei Putts, den ersten von außerhalb des Grüns, schraubten sein Ergebnis an diesem Loch auf sieben Schläge. Dieses Triple-Bogey warf den 31 Jahre alten Rheinländer zurück. Ein weiteres Bogey am elften Loch – und der Deutsche war aus der Spitzengruppe herausgefallen, zumal er sich von diesen Rückschlägen nicht mehr erholte. Nach einer Runde von 73 und insgesamt 139 Schlägen lag er bei Ende seiner Runde sieben Schläge hinter dem zu diesem Zeitpunkt noch immer führenden Phil Mickelson zurück. 

          Der 46 Jahre alte Amerikaner, der seit seinem Sieg bei der British Open 2013 in Muirfield kein Turnier mehr gewonnen hat, suchte bei strömenden Regen kein einziges Mal unter einem Schirm Schutz, spielte als einziger mit Regenhandschuhen – und kam trotzdem mit 69 Schlägen aus. Zusammen mit der Platzrekordrunde von 63 Schlägen des ersten Tages lag der Linkshänder aus Kalifornien bei insgesamt 132 Schlägen (10 unter Par). Dass bei Regen, die Schotten nennen es „flüssigen Sonnenschein“, auch niedrige Runden möglich waren, demonstrierte der Schwede Henrik Stenson. Er schob sich mit einer Runde von 65 und insgesamt 133 Schlägen zunächst auf Platz zwei.

          Nicht sein Tag: Kaymer fällt zurück
          Nicht sein Tag: Kaymer fällt zurück : Bild: dpa

          Kaymer nahm den Rückschlag des zweiten Tages auf die leichte Schulter: „Ich habe gut gespielt, viele Putts sind knapp am Loch vorbei gegangen. Wenn man vom zehnten Loch absieht, wäre es auch so eine Runde unter Par geworden. Bei einer British Open kann alles passieren. Da kann man sieben Schläge Rückstand an zwei Tagen aufholen.“

          Kaymer strahlt also weiter Optimismus aus. Schon am Donnerstag hatte er von der wieder gewonnenen Freude am Golf und seiner Liebe zu Links Golf gesprochen: „Egal ob die Sonne scheint oder es regnet. Mir macht es einfach Spaß, diesen Platz zu spielen.“ Am Donnerstagnachmittag war Kaymer eine Runde von 66 Schlägen (5 unter Par) gelungen, die bisher beste bei seinen bisher neun Teilnahmen am ältesten Turnier der Welt. Damit hatte er sich mit dem Amerikaner Patrick Reed nach dem ersten Tag den zweiten Platz geteilt, drei Schläge hinter Phil Mickelson. Kaymer war Donnerstag anzumerken, wie sehr ihn diese Runde aufgemuntert hatte, zumal er auf der Runde von der deutschen Tennisspielerin Sabine Lisicki begleitet wurde, wie gemunkelt wird, seine neue Freundin. „Ich spiele schon seit ich wieder in Europa bin, seit der Irish Open, sehr gut. Nur habe ich nie gute Ergebnisse zustande gebracht“, wertete Kaymer seine letzten Auftritte. Da tat eine fehlerfreie Runde ohne ein einziges Bogey gut.

          Die British Open und die nächsten Wochen – schon in der übernächsten Woche findet wegen des Olympia-Turniers die PGA Championship in New Jersey statt – sind für Kaymer wichtig, um seinem Saisonziel, der abermaligen Teilnahme am Ryder Cup Ende September im Hazeltine Golf Club in Chaska im Bundesstaat Minnesota, näher zu kommen. In beiden Ryder-Cup-Rankings, dem der European Tour und dem der Weltrangliste, ist er von der Qualifikation derzeit weit entfernt. Aber auch darum sorgt sich Kaymer nicht: „Die ganze Rechnerei bringt nichts. Wenn ich gut genug spiele, qualifiziere ich mich. Ansonsten spielt ein Besserer.“

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