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Tour de France : Auf Thomas wartet die Triumphfahrt durch Paris

  • Aktualisiert am

Geraint Thomas dürfte der Tour-Sieg nicht mehr zu nehmen sein. Bild: EPA

Nur noch ein schwerer Sturz kann ihm die große Feier vermiesen. Der Waliser Geraint Thomas führt vor der letzten Etappe der Tour de France. Den Härtetest des Zeitfahrens übersteht er souverän.

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          Geraint Thomas hüllte sich in die Flagge seines Landes und umarmte als erstes seine Frau. Dann flossen sogar Tränen bei dem sonst so coolen Sky-Kapitän. Der erste Sieg seiner Karriere bei der Tour de France ist dem phänomenalen Waliser nach Platz drei im Zeitfahren am Samstag nicht mehr zu nehmen. Zur Krönung auf den Pariser Champs-Élysées fehlen ihm am Sonntag nur noch 116 Kilometer, auf denen traditionell ein Nicht-Angriffs-Pakt zwischen der Elite im Gesamtklassement herrscht. Nur noch ein böser Sturz könnte die große Feier verhindern. Thomas, der als Referenz für die Gastgeber auf einem blau-weiß-rot lackierten Fahrrad saß, geht mit 1:51 Minuten Vorsprung vor dem zweitplatzierten Niederländer Tom Dumoulin in die Final-Etappe. Der Sunweb-Kapitän und Zeitfahr-Weltmeister hatte am Samstag den 31 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr in Espelette mit einer Sekunde Vorsprung vor dem entthronten Seriensieger Chris Froome gewonnen.

          Der Mann im Gelben Trikot war überwältigt: „Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich habe nie daran gedacht, mal die Tour zu gewinnen. In dem Moment, in dem ich heute über Funk hörte, dass ich die Tour gewonnen habe, war es völlig verrückt. Das letzte Mal geweint habe ich bei meiner Hochzeit.“ Auch Dumoulin freute sich. „Das ist ein großartiger Tag für mich, in Paris auf dem Podium zu stehen“, sagte Dumoulin, der beim Kampf gegen die Uhr auf der 20. Etappe 14 Sekunden schneller als Thomas war. Der viermalige Toursieger Froome nahm dem forschen Herausforderer Primoz Roglic 1:11 Minuten ab und tauschte wieder den Platz mit dem früheren Skispringer. Als Dritter im Gesamtklassement hinter Thomas und Dumoulin ist der spindeldürre Brite zufrieden.

          Der 33-Jährige hat sich mit den Realitäten abgefunden. „Das ist ein Traum, neben Geraint in Paris auf dem Podium zu stehen. Gestern war es auf der letzten Pyrenäen-Etappe sehr schwer für mich, deshalb habe ich fast nicht mehr daran geglaubt“, sagte Froome. Der Kampf um Platz drei war beim knüppelharten Einzelzeitfahren mit einer 900 Meter langen, mehr als zehnprozentigen Steigung besonders packend. Froome, in den Pyrenäen abgestürzt, erteilte Roglic dabei eine kleine Lektion und zeigte dem 28 Jahre alten Slowenen die Grenzen auf.

          Thomas machte - vorbehaltlich des Ausgangs der letzten Etappe - den dritten britischen Toursieg seit 2012 perfekt. Mit einer Ausnahme 2014 (Vincenzo Nibali) stellte das mit geschätzten 30 Millionen Euro pro Saison ausgestattene Team Sky in den vergangenen sieben Jahren sechsmal den Gesamtsieger. Im Ziel fiel Thomas seinem Teamchef Dave Brailsford, dem Regisseur der imposanten britischen Radsport-Erfolge seit 2012, um den Hals und wischte sich Tränen aus den Augen.

          Bester Deutscher auf dem schweren Parcours zwischen Saint-Pée-sur-Nivelle und Espelette an der französisch-spanischen Grenze war Simon Geschke (42:43) eine Sekunde vor Nils Politt. Dessen Teamkollegen aus dem gebeutelten Katusha-Alpecin-Team waren nicht mehr im Rennen. Der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin schied nach einem Sturz aus. Topsprinter Marcel Kittel war in der zweiten Tourwoche wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen worden. Drei der vier Topfahrer der Tour waren zuvor nur einmal bei einem Zeitfahren aufeinandergetroffen. Bei der vergangenen WM in Bergen/Norwegen siegte Dumoulin vor Roglic und Froome. Der Brite durfte starten, obwohl sein erhöht gemessener Wert des Asthmamittels Salbutamol schon Wochen zurücklag.

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