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Hochspannung beim Radsport : Frankreich dreht bei der Tour am Rad

  • -Aktualisiert am

Gratulation vom Präsidenten: Emmanuel Macron (links) mit Julian Alaphilippe. Bild: WITTERS

Was ist nur los bei dieser Tour de France? Alles, was sicher schien, ist ins Wanken geraten. Frankreich hat einen Mann im Gelben Trikot – und einen, der das wichtigste Radsport-Rennen der Welt gewinnen kann.

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          Ein französischer Tour-Sieg? Der erste seit 34 Jahren? Das würde eine hübsche „fête“ werden in Paris. Der Champagner jedenfalls steht schon kalt und der Präsident Gewehr bei Fuß. „Ich werde da sein“, kündigte Staatschef Emmanuel Macron am Samstag für den Fall der Fälle an. „Das wäre ein historischer Tag.“ Die Hoffnungen ruhen auf dem Mann in Gelb, Julian Alaphilippe, und seit der 15. Etappe vom Sonntag mehr noch auf dem stärksten Bergfahrer der bisherigen Tour, Thibaut Pinot. „Ich wünsche mir“, sagte Macron, „dass einer von beiden das Gelbe Trikot auf die Champs-Élysées bringt und der andere Zweiter wird.“ Klingt wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.

          Was ist los bei der 106. Tour de France? Am Samstag ging es drunter und drüber bei der ersten Hochgebirgsetappe in den Pyrenäen hinauf zum Tourmalet. Alles, was sicher schien, geriet ins Wanken. Der Vorhang auf – und alle Fragen offen. Am Sonntag schon die Fortsetzung mit einer Bergankunft in Foix Prat d’Albis, die der Brite Simon Yates im Alleingang gewann. Auch dort wurde klar: Das Team Ineos, vormals Sky, steckt in Schwierigkeiten, Vorjahressieger Geraint Thomas ist nicht mehr der alles dominierende Mann. Als Etappensiebter verteidigte er zwar mit Mühe den zweiten Platz in der Gesamtwertung, doch einen deutlich stärkeren Eindruck hinterließ Pinot, der auf Platz zwei stürmte und der Spitze immer näher kommt.

          Dort thront weiterhin Alaphilippe, der am Samstag auf dem Tourmalet noch als Zweiter hinter Pinot brilliert hatte, am Sonntag im letzten Anstieg aber Zeit verlor. Sein Vorsprung vor Thomas in der Gesamtwertung beträgt zwar noch 1:35 Minuten, doch nach den Eindrücken vom Sonntag, als Alaphilippe das Tempo im Schlussanstieg nicht mehr mitgehen konnte, dürfte nicht er, sondern Pinot der Mann sein, der Frankreich den Traum vom Tour-Sieg erfüllen könnte. Der Profi vom Team Groupana-FDJ läge schon jetzt nur noch zehn Sekunden hinter dem Mann in Gelb, hätte er auf der 10. Etappe nicht durch eine Unachtsamkeit in einer Windkantensituation 1:40 Minuten verloren, die er sich nun mühsam wieder erarbeiten muss.

          Auch ein Deutscher mischt im Kreis der Favoriten munter mit: Emanuel Buchmann vom Team Bora-hansgrohe, fabelhafter Vierter auf dem Tourmalet und auch in Foix. Er liegt in der Gesamtwertung als Sechster 2:14 Minuten hinter Alaphilippe und 24 Sekunden hinter Pinot. Alaphilippe, 27 Jahre alt und beim Team Deceuninck-Quick Step unter Vertrag, hatte am Tourmalet alle überrascht. Im Gelben Trikot hielt er sich permanent in der Spitzengruppe, wurde Zweiter, eine Leistung, die Fragen aufwarf. Im Hochgebirge nämlich war der Franzose noch nie mit einer ähnlich starken Leistung aufgefallen.

          Auch hier viele Fragen: Geht das mit rechten Dingen zu? Wie wird man über Nacht zu einem Bergfahrer der Superklasse? Alles Lug und Trug? Es ist nicht so, dass Alaphilippe im Vergleich mit den handelsüblichen Tourfavoriten ein Nobody ist. Er ist die Nummer eins der Weltrangliste und mit zwölf Siegen der erfolgreichste Fahrer der Saison. Dass er am Tourmalet derart auftrumpfte, erschien dennoch wie ein allzu plötzlicher Sprung. Von heute auf morgen ein Fahrer, der auf jenen gefürchteten Anstiegen, die auf mehr als 2000 Meter Höhe führen, ein Sieganwärter ist?

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