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Im Gespräch: Erik Zabel : „Ein Luxusurlaub - drei Wochen lang“

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Einst Radstar, heute Sportchef und Tour-Fan: Erik Zabel fiebert der 100. Auflage entgegen Bild: dpa

Zwölf Etappensiege, sechs Grüne Trikots: Kein Deutscher hat bei der Tour de France öfter gewonnen als Erik Zabel. Im Interview spricht er vor der 100. Frankreich-Rundfahrt über 13 Ankünfte in Paris, einen Ausstieg und den Genuss der Qual.

          Die Tour hat Sie - durch die zwölf Etappensiege und die sechs Grünen Trikots - vermutlich zu einem wohlhabenden Mann gemacht.

          Ja, natürlich war das immer sehr beruhigend, welche Zahl letztlich immer im Vertrag stand. Aber ich hätte das Radfahren wahrscheinlich auch gemacht, wenn ich dafür Geld hätte bezahlen müssen.

          Sie haben die Tour erstmals 1994 bestritten. Darf man sich erst als kompletter Rennfahrer fühlen, wenn man zumindest einmal an der Tour teilgenommen hat?

          Wahrscheinlich schon, ja. Zu einer runden Profikarriere sollte schon die Tour gehören, vor allem eine, die man auch durchfährt.

          Ihr neunzehnjähriger Sohn Rick ist auch Rennfahrer. Würden Sie ihn unterstützen, sollte er den Wunsch äußern, an der Tour teilzunehmen?

          Auf jeden Fall. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, dass alle zur Tour wollen, und wenn sie dort sind, wollen sie nur noch weg. Der Radsport ist aber so eine gute Lebensschule. Sich ein Ziel zu setzen, daran zu arbeiten oder daran zu scheitern und dadurch wiederum zu wachsen: Das sind Sachen, die könnte ich ihm als Vater gar nicht beibringen.

          Die Tour also als Ausbildungsbetrieb?

          Ja, die Tour ist das extremste Beispiel. Ich kenne so viele Rennfahrer, die sagen: Mein Traum ist es, eine Tour-Etappe zu gewinnen. Wenn das dann passiert, haben die so einen Ausstoß von Glückshormonen, das ist das Hundertfache eines Geburtstages. Mich hat die Tour so geprägt, dass ich mit Geburtstag, Weihnachten oder Silvester gar nicht mehr so viel anfangen kann. Ich hatte durch die Tour einen solchen Glücksschock bekommen, dass es schwer ist, die anderen Sachen noch vernünftig einzuordnen. Ich würde heute noch gerne die Tour fahren, wenn ich fit genug wäre.

          So kannte man Zabel: Jubel über einen Etappensieg

          Hatten Sie sich 1994 - Sie waren damals 24 Jahre alt - schnell an die Tour gewöhnt?

          Eigentlich nicht. Ich war weder körperlich noch mental weit genug. Und ich war auch sicherlich zu viel Fan statt ein hundertprozentig professioneller Radrennfahrer. Ich bin vor und nach den Etappen zu viel rumgelaufen, habe geguckt, einfach die Atmosphäre genossen. Ende der zweiten Woche ging ein Magen-Darm-Virus durch das Feld und hat alle, die nicht mehr stark genug waren, nach Hause geschickt. Dazu habe leider auch ich gehört. Das war für mich eine sehr große Niederlage. Aber es war auch eine sehr heilsame Erfahrung: dass man eben bei der Tour dann, wenn man nicht auf dem Rad sitzt, jeden Moment zur Erholung nutzen sollte. Das habe ich auf dem harten Weg lernen müssen. Ich bin erst beim zweiten Mal meine erste richtige Tour gefahren.

          Wo lauerten die größten Gefahren für Sie - im Sprintfinale mit Ellbogeneinsatz oder im Kampf mit den Bergen?

          Der permanente Stress mit den Sprints oder später mit dem Grünen Trikot hat einen müder gemacht. In den Jahren, in denen ich mit einem gewissen Selbstvertrauen in die Bergetappen gehen konnte, habe ich sie sogar mehr genossen als die Flachetappen. Weil man dann relativ befreit fahren konnte und es nicht um eine bestimmte Plazierung ging. Das waren eigentlich die schönsten Tage für mich.

          Ist ein Sprint eigentlich mehr Beinarbeit - oder doch mehr Kopfarbeit?

          Schwer zu sagen. Natürlich müssen die Gene, die Beine funktionieren. Aber letztlich ist doch der Kopf der entscheidende Faktor. Der Kopf ist gewissermaßen das dritte Bein.

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