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Deutsche bei Tour de France : Auch Gorillas werden alt

Tour-Vierter Emanuel Buchmann während des Zeitfahrens bei der 13. Etappe der Tour de France Bild: Reuters

Die nächste Generation deutscher Radprofis steht zur Ablösung bereit. Allen voran Emanuel Buchmann, der als Tour-Vierter in die Weltspitze der Rundfahrer vorstieß. Die Zeit der Muskelmänner neigt sich hingegen dem Ende.

          Band of Brothers nennen sie sich beim Radteam Bora-hansgrohe, und wenn Fahrer und Betreuer mit einem solchen Slogan auf dem Shirt herumlaufen, ist natürlich viel Marketing-Klimbim dabei. Aber das deutsche World-Tour-Team aus Oberbayern, das drei erfolgreiche Wochen bei der Tour de France hinter sich hat, mit dem vierten Gesamtplatz von Emanuel Buchmann und einem Etappensieg und dem Grünen Trikot von Peter Sagan, seinem siebten, ist schon etwas Besonderes. So etwas wie der SC Freiburg des Radsports, in zehn Jahren aufgestiegen aus untersten Klassen in die erste Liga. Ja, sogar mehr als das: in die Champions League. Das ist im Fußball nicht möglich, im Radsport schon. Dort kann man mit beharrlicher Arbeit, mit geduldiger Jugendförderung und langfristigen Konzepten bis in die Weltspitze kommen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Wobei die Analogie gewisse Schwächen hat, denn Ralph Denk, Gründer und Teamchef, hat seinen Rennstall mit einem Coup entscheidend vorangebracht, der im Fußball nicht möglich wäre. 2017 verpflichtete er als Garanten für den Aufstieg in die World-Tour Sagan, einen Topstar. Das ist, als würde der SC Freiburg Ronaldo kaufen. Im Radsport geht so etwas, wenn man Sponsoren findet, die fünf, sechs Millionen im Jahr zahlen. Den dreimaligen Weltmeister Sagan unter Vertrag zu haben sorgt für Siege und Aufmerksamkeit – und für die Möglichkeit, junge, talentierte Sportler ins Team zu holen, die sich in seinem Schatten entwickeln können.

          „Mehr war nicht drin“

          Ein solcher Fahrer ist Buchmann, dem Denk vor fünf Jahren den ersten Profivertrag gab. Buchmann war damals 21 Jahre alt. „Ein Talent“, sagt Denk, „aber kein Supertalent. Einer, der bereit ist, Talent mit sehr harter Arbeit zu ergänzen. Ein guter, geerdeter Charakter, der lieber mal ein Wort weglässt, als eines zu viel zu sagen.“ Kein Selbstdarsteller, keiner, der am großen Rad dreht, selbst dann nicht, wenn er wie jetzt Vierter bei der Tour wird. Dem selbst ein solch überragendes Ergebnis nicht den Blick für die Realität trübt. „Mehr war nicht drin“, sagte Buchmann jenen, die meinten, die 25 Sekunden, die ihm auf Platz drei und das Podium fehlten, seien auch noch drin gewesen. „Auf jeden Fall hat es Appetit auf mehr gemacht. Ich habe gesehen, dass ich bei den Allerbesten mitfahren kann. Ich denke, dass ich mit meiner Entwicklung noch nicht am Ende bin. Ich muss noch ein kleines Stück stärker werden, dann ist einiges möglich“, sagte er. Heißt: Es ruft die Arbeit.

          Bis dato hatte Sagan im Team für die Schlagzeilen gesorgt. Ein Millionen-Einkauf, mit dem man nicht viel falsch machen konnte. Mit Buchmann liegen die Dinge anders. Ihn hat Denk entdeckt und über Jahre aufgebaut, er ist ein Eigengewächs, das macht seine Erfolge für Bora-hansgrohe umso wertvoller. Bei der Tour fuhr er in die Weltspitze der Rundfahrer, war sogar dem Gelben Trikot nahe. „Da vorne mitzuspielen ist für uns als Team eine große Sache“, sagt Denk. „Denn der Radsport hat in Deutschland einen schweren Stand. Wir haben während der Tour drei, vier Wochen Aufmerksamkeit, sonst ist da nicht viel. Das Einzige, was man in Deutschland vom Radsport versteht, ist der Kampf ums Gelbe Trikot.“ Dass sich das in Zukunft ändert, dass die Farbe Gelb auch auf andere Rennen abstrahlt, dafür soll nicht nur Buchmann sorgen. Aber schauen wir erst einmal eine Generation zurück.

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