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Frankreich-Rundfahrt : Hauptsache, die Tour hat sich herausgeputzt

  • -Aktualisiert am

Leuchtender Stern am Radsporthimmel: Chris Froome steht das Gelbe Trikot ausgezeichnet Bild: AFP

Ein Kontrollfreak in Gelb, eine Macht in Orange und ein blasser Schimmer aus deutschen Landen. Die Tour de France ist sehr auf ihr Image bedacht. Doch bei der diesjährigen Rundfahrt werden längst nicht alle Träume erfüllt.

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          Schöne Welt, saubere Welt. Sie wird jeden Tag auf Hochglanz poliert, von fleißigen Helfern, mit allerlei Putzutensilien. Ein festes Ritual, schließlich sollen prächtige Bilder geliefert vom größten Spektakel des Radsports, frei von allem Dreck. Die Tour de France legt großen Wert auf Reinlichkeit. Und mit ihr alle Rennställe, die bei dem Sommer-Schauspiel voller Zauber und Schrecken mitmischen. Gilt natürlich auch, oder vor allem, für die britische Armada, für das Team Sky. Ein Parkplatz in Megeve oder in Montpellier oder in Montauban, immer das Gleiche mit der schwarzen Flotte des Rennstalles: Das Begleitpersonal kümmert sich intensiv um Busse und Wagen, ein ständiges Schrubben und Wienern.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Und selbstverständlich werden die Rennräder nicht außer Acht gelassen. Die Protagonisten im Sattel, allen voran Christopher Froome, sollen eine blendende Erscheinung abgeben. Ein exzellentes Servicepaket für den Mann im Gelben Trikot, beste Bedingungen, um seinen Job bei dieser Tour nach Plan zu erledigen. Und Froome kann sich, trotz seines Missgeschicks vom Freitag, trotz der Verletzungen, die er sich dabei zuzog, schon auf die Ehrenfahrt an diesem Sonntag nach Paris vorbereiten, er wird dabei gleich mal an einem Gläschen Schampus nippen können. Einer, der das Peloton (meistens) fest im Griff hat. Ein Meister der Konstanz und Kontrolle. Und jemand, der selbst Radsport-Ikonen wie Eddy Merckx schwer beeindruckt. „Ein kompletter Fahrer“, sagt der Belgier schwärmerisch, niemand in Sicht, der ihn in den kommenden Jahren bei der Tour schlagen könnte. Froome zum Dritten somit jetzt, dann vielleicht zum Vierten, Fünften oder Sechsten. Der hagere Brite könnte eine Ära begründen.

          Nichts da, mit Attacke auf Froome!

          Noch nicht einmal die Niederländer sind imstande, ihm wirklich gefährlich zu werden. Allerdings: Gibt da einen, dem das womöglich zuzutrauen wäre, er heißt Wouter Poels. Aber da ist das Team Sky, ganz clever, erst mal auf Nummer sicher gegangen: Poels steht bei den Briten unter Vertrag, er ist einer der wichtigsten Adjutanten von Froome. Erstaunlich, wie gut die Niederländer klettern können, obwohl es mit dem Alpinismus in ihrem Land nicht weit her ist. Poels, aber auch Bauke Mollema oder Tom Dumoulin: Die Niederländer waren hellauf begeistert von ihren Rad-Recken. Mollema lange Zweiter, am Freitag auf Platz zehn zurückgefallen, Oranje dennoch eine kleine Macht! Aber nichts da mit Attacke auf Froome. Mollema, der mal Kicker war und angeblich erst mit 18 seinen ersten Wettkampf auf dem Rad bestritt, hatte selbst vor dem Freitag, an dem er an Grenzen stieß, nicht nach den Sternen gegriffen. Und Dumoulin suchte sich seine Nischen, wie in Andorra, als er als Erster auf dem Gipfel ankam.

          Beim Bergzeitfahren in Megeve war er ebenfalls ziemlich flott, aber Froome war einfach schneller. Durch den wackeren Dumoulin, der am Freitag angeschlagen vom Rad stieg, fiel immerhin auch ein bisschen Licht auf Deutschland, der Niederländer fährt für das Team Giant-Alpecin. Und animierte nach seinem Coup in Andorra-Arcalis den geschäftsführenden Gesellschafter von Alpecin, Eduard R. Dörrenberg, zu einer speziellen Hommage: „Am liebsten hätte ich ihm als Energie-Kick persönlich eine Flasche Coffein-Shampoo überreicht, denn es kommt ja nicht oft vor, dass man sich auf dem Siegerpodest bei strömenden Regen eher mit Alpecin den Kopf waschen kann als mit Champagner.“ Eine reife Leistung einer Marketingabteilung.

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