https://www.faz.net/-gtl-9cdrb

Tour de France : Die Schufterei geht weiter

  • -Aktualisiert am

Romain Bardet (rechts) bei der 8. Etappe der Tour de France. Bild: dpa

Nach der Rüttelpassage zeigt sich bei der Tour de France jetzt das alpine Frankreich – zum Glück für den gebeutelten Romain Bardet. Dabei ergeben sich Perspektiven auf ein großes Ziel.

          2 Min.

          Die Berge, endlich, dünne Luft zwar, aber keine Steine mehr im Weg, sondern reiner Asphalt. Und deutlich weniger Sorge, dass die Rennmaschine Schaden nimmt, wie am Sonntag bei der Schinderei auf dem Kopfsteinpflaster. Romain Bardet war ziemlich erleichtert, Tag neun bei der Tour de France überstanden zu haben, nach all den Hindernissen, die er dabei zu überwinden hatte.

          Bild: F.A.Z.
          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Nicht noch einmal so etwas, lieber die Alpen, auch wenn es an diesem Dienstag nach dem ersten Tour-Ruhetag gleich auf Gipfel wie den Col de la Colombière geht, immerhin mehr als 1600 Meter hoch. Da aber hofft der Kletterspezialist Bardet, Liebling von Radsport-Frankreich, seine ganzen Qualitäten ausspielen, sich vielleicht sogar sozusagen leichtfüßig präsentieren zu können. So wie die Fußball-Helden der Nation das gerade, teilweise wenigstens, geschafft haben.

          Das „andere Frankreich“ war am Sonntag zu sehen – ein Arbeitstag voller Mühen vor allem für den schmächtigen Bardet, der auf der teilweise holprigen Strecke zwischen Arras und Roubaix gleich dreimal gebremst worden war, jeweils durch einen Defekt an seinem Rad. „Immer, wenn er uns gesagt hat, dass er angreifen will, hatte er eine Panne“, sagte Oliver Naesen, belgischer Gefährte beim Team AG2R La Mondiale. Aber nie, betonte Naesen, sei Bardet in Panik geraten. „Er ist sehr stark.“

          „Ohne sie wäre die Tour für mich beendet gewesen“

          So wie die Equipe, die ihren Kapitän nicht hatte hängenlassen, die nach den Rückschlägen sofort eine Eskorte für Bardet bildete und den Franzosen wieder Anschluss an das Peloton finden ließ, einigermaßen wenigstens. Der Pechvogel Bardet hatte letztlich nur 34 Sekunden Rückstand auf den Sieger John Degenkolb, und er war lediglich sieben Sekunden langsamer als andere Tour-Favoriten, zum Beispiel Christopher Froome oder Nairo Quintana. „Es ist ein Wunder“, sagte Bardet später erleichtert, „dass ich nicht mehr Zeit verloren habe und noch im Rennen bin.“ Anders als etwa der Australier Richie Porte, der am Sonntag gestürzt war, allerdings auf ebenem Terrain, und wegen eines Schlüsselbeinbruchs die Tour verlassen musste.

          Mit drastischen Worten äußerte Bardet seine Anerkennung über seine loyalen Mitstreiter: Sie seien bereit gewesen, für ihn am Sonntag zu sterben. Eine phänomenale Mannschaft, behauptete der Franzose, „ohne sie wäre die Tour für mich beendet gewesen“.

          So aber besteht weiterhin die Aussicht, nach vorne zu kommen, womöglich sogar Froome zu attackieren. Allerdings muss Bardet, Siebzehnter in der Gesamtwertung, noch einiges an Boden gegenüber dem britischen Widersacher gutmachen; er liegt 50 Sekunden hinter dem Anführer des Teams Sky. Aber Orte wie Arras und Roubaix sind Geschichte, die nächsten Tour-Stationen heißen Annecy oder Romme. Frische Perspektiven für Bardet – und die Radsportzunft Frankreichs.

          Gezeichnet von einer physisch wie psychisch anstrengenden Etappe: Romain Bardet.
          Gezeichnet von einer physisch wie psychisch anstrengenden Etappe: Romain Bardet. : Bild: AFP

          Weitere Themen

          Nur ein Punkt für Bochum

          2:2 gegen Köln : Nur ein Punkt für Bochum

          Anthony Modeste glänzt mit einem frechen Lupfer und bringt Köln in Führung. In der zweiten Hälfte gleicht Takuma Asano das Spiel für Bochum aus. Beide Mannschaften verweilen im Mittelfeld der Tabelle.

          Topmeldungen

          Sinnbild für einen narzisstischen Chef: Michael Douglas als Gordon Gekkoim Film „Wall Street“

          Narzissmus im Job : Wenn der Chef nur sich selbst liebt

          Der Vorgesetzte ist dominant, leicht kränkbar oder cholerisch? Schnell liegt der Verdacht einer Persönlichkeitsstörung in der Luft. Doch schwierige Chefs sind nicht immer gleich Narzissten.
          Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB)

          Anleihekäufe : Die EZB bleibt im Krisenmodus

          Die jüngsten Beschlüsse zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank sind rechtlich bedenklich und strategisch äußerst ungeschickt, schreiben die Gastautoren Laus Adam und Hans Peter Grüner.