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Tour de France : Jogger Froome behält Gelbes Trikot

  • -Aktualisiert am

Glück im Unglück: Froome übersteht den schweren Crash unbeschadet. Bild: AFP

Chaos am Mont Ventoux: Weil kurz vor dem Ziel der 12. Tour-Etappe ein Motorrad in der Menschenmenge stecken bleibt, wird der Träger des Gelben Trikots in einen Sturz verwickelt. Er büßt sein Fahrrad ein – und wird kurzerhand zum Läufer.

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          Mit einem Mal war Christopher Froome kein Radrennfahrer mehr, sondern ein Läufer. Ein hilfloser, ein verzweifelter Sportler. Seiner Rennmaschine beraubt, seiner großen Hoffnungen am Donnerstag, so schien es. Und des gelben Trikots. Allerdings nur für kurze Zeit. Er durfte es nach einer Entscheidung der Jury der Tour de France doch behalten. „Das ist korrekt“, sagte Froome erleichtert, „danke an die Organisatoren.“

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Es war eine skurrile, eine surreale Situation, einzigartig bei der Tour. Im dichten, chaotischen Gedränge am Mont Ventoux hatte ein Begleitmotorrad, das durch einen Zuschauerpulk gestoppt worden war, einen Crash ausgelöst. Der Australier Richie Porte war ein Opfer, auch der Brite Froome, dessen Rad beschädigt wurde. Froome lief zu Fuß Richtung Ziel, bis er nach seinem Joggen ein gelbes Ersatzrad erhielt.

          Er kam damit nicht zurecht, es war zu klein für ihn, Froome gab ein Bild des Jammers darauf ab. Er konnte es dann wenigstens kurz vor dem Ende des Rennens gegen ein Rad seines Teams Sky wechseln. Aber nichts mehr zu machen. Froome büßte deutlich an Boden ein. In einem provisorischen Klassement war das gelbe Hemd Froomes Landsmann Adam Yates zugeteilt worden. Und der Kolumbianer Nairo Quintana, den Froome am Donnerstag distanziert zu haben schien, rangierte plötzlich vor dem Briten.

          Tour im Ausnahmezustand

          Froome war in den ersten Resultaten des Tages auf Platz sechs abgerutscht; Quintana war Dritter hinter Yates und dem Niederländer Bauke Mollema. Nach dem offiziellen Ergebnis stellt sich die Lage so dar: Erster weiterhin Froome, Zweiter Yates, Dritter Quintana, mit 54 Sekunden Rückstand auf Froome. Der hatte bereits unmittelbar nach dem turbulenten Geschehen getwittert: „Immer noch in Gelb.“

          Nach dem Sturz: Chris Froome fußläufig auf dem Weg zum Gipfel. Bilderstrecke
          Nach dem Sturz: Chris Froome fußläufig auf dem Weg zum Gipfel. :

          Die Rennleitung wertete nachträglich die Abstände zum Zeitpunkt des Zwischenfalls, mit Rücksicht auf Betroffene wie Froome, der unschuldig in das Malheur geraten war. Dass der Belgier Thomas de Gendt die zwölfte Etappe der Tour für sich entschied, geriet letztlich zur Nebensache angesichts des großen Durcheinanders am Mont Ventoux.

          Die Tour in einem Ausnahmezustand. Just an einem besonderen Tag, an dem ein mythisch verklärter Berg zu erklimmen war, der diesmal jedoch ein bisschen geschrumpft war, um sechs Kilometer. Zumindest für das Peloton, für die Männer, die ihre Räder am Donnerstag hinaufwuchten mussten am Mont Ventoux. Nicht bis zum Gipfel aber wie geplant, sondern lediglich bis zu einem Punkt namens Chalet Reynard. Höhe: 1435 Meter. Sonst wären es 1912 Meter gewesen. Immer noch eine Strapaze natürlich.

          Ein Teamgefährte landet den großen Coup

          Im Jahr 2013 hatte dort Froome gewonnen, auf einer nicht verkürzten Strecke allerdings, er legte damit den Grundstein für seinen ersten Tour-Sieg. Und vielleicht ist er nun auf dem Weg zu seinem dritten Erfolg – nach der Wendung, die dieser nervenaufreibende Donnerstag noch für ihn brachte.

          Von Montpellier zum Mont Ventoux: 184 Kilometer, so war es vorgesehen. Schließlich blieben 178 Kilometer übrig. Manche Fahrer, für die das Klettern eine Teufelei ist, mochten dies als ein kleines Geschenk der Natur betrachten. Sie hatte die Tour-Organisatoren am Mittwoch veranlasst, den Parcours zu ändern, ihn ein klein wenig zu entschärfen.

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