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Tour de France : Froome ist auf dem Weg zur Legende

Auch der Sohnemann strahlt in Gelb: Chris Froome mit Kellan. Bild: AFP

Christopher Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France. Nun ist der Brite nur noch einen Schritt von vier Radsport-Ikonen entfernt. Und sein Team bastelt schon am Team für 2018.

          4 Min.

          Es ist allenfalls ein kleiner Makel, nichts, was Christopher Froome wirklich zusetzen würde. Er kann es verschmerzen, kein einziges Mal der Mann des Tages bei dieser Tour de France gewesen zu sein, keine einzige Ehrung als Etappensieger erlebt zu haben. Er war dafür wieder einmal der Drei-Wochen-Mann, der Stabilste des Pelotons, zum dritten Mal nacheinander, zum vierten Mal insgesamt schon. Als das endgültig feststand, nach dem Zeitfahren am Samstag in Marseille, zeigte Froome sich tief bewegt.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Erlöst von einer Aufgabe, die ihn stark gefordert hatte, die mehr Energie gekostet hatte als jede Tour zuvor. Froome hat dabei in Marseille auch auf sein Alter hingewiesen. Er ist inzwischen 32, der Körper spürt die Strapazen mehr und mehr. „Es wird nicht leichter“, sagte Froome. Aber er behauptete auch, dass er immer noch lerne, dass seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen sei. Er sagte, dass noch etwas zu tun sei, um ein kompletter Radrennfahrer zu werden, jedes Jahr, so wie er sich jetzt bei den Abfahrten verbessert habe.

          Man konnte das als deutliches Signal an die Konkurrenz verstehen. Froome hat noch nicht genug, das nächste Rendezvous mit der Tour ist fest geplant, mit einem Rennen, das seine Karriere nachhaltig geprägt hat. Und ihn Männern wie Jacques Anquetil, Bernard Hinault, Miguel Indurain und Eddy Merckx nun sehr nahe gebracht hat. Sie stehen ganz oben in der Geschichte der Tour, mit jeweils fünf Triumphen bei der Frankreich-Rundfahrt. Er könne jetzt genau ermessen, was eine solche Leistung bedeute, sagte Froome, und es schien ihn aufzuwühlen, nur noch einen Schritt von den vier Radsport-Ikonen entfernt zu sein – und vielleicht daraus bald eine Fünfer-Bande machen zu können. „Ich bin in einer privilegierten Position“, sagte Froome. Er hätte niemals davon geträumt, es so weit zu schaffen.

          Froome gab sich höflich und umgänglich, und er ließ Demut erkennen in der Stunde, in der er sein Werk vollbracht hatte. Die allerletzten 103 Kilometer am Sonntag von Montgeron nach Paris waren, wie stets bei der Tour, nur noch eine Ehrenrunde für den Mann in Gelb. Und für all die anderen, die ebenfalls reichlich Beute gemacht haben in diesem Sommer. Für den Franzosen Warren Barguil vom deutschen Team Sunweb, der das Bergtrikot ergattert hat. Für Barguils australischen Teamkollegen Michael Matthews, der sich – als Profiteur des Ausscheidens von Marcel Kittel – in Paris in Grün präsentierte. Oder für den Briten Simon Yates, der sich als bester Jungprofi im Peloton entpuppte.

          Froome war so erleichtert, so gerührt nach einer spannungsgeladenen Rundfahrt, dass ihm nicht einmal gewisse Antipathien bei dieser Tour etwas anhaben konnten. Am Samstag etwa hatte das französische Publikum im Fußballstadion von Marseille, wo der Kampf gegen die Uhr seinen Anfang und sein Ende hatte, Missfallen gegenüber dem Briten geäußert. „Ich nehme das nicht persönlich“, sagte Froome, er könne das verzeihen.  Der Brite, in Nairobi geboren, führte die Abneigung mancher Franzosen gegen ihn darauf zurück, dass Romain Bardet, der französische Liebling, vor dem Samstag dicht hinter ihm gelegen hatte – und immer noch eine vage Hoffnung der Nation aufrechterhalten hatte, den großen Coup landen zu können. Aber Bardet, ohnehin kein Speed-Spezialist, war ausgelaugt, er bewältigte die Prüfung von Marseille mehr mit dem Kopf als mit den Beinen, und er verlor sogar noch Platz zwei hinter Froome an den Kolumbianer Rigoberto Uran, der mit einem Rückstand von 54 Sekunden auf den Briten in Paris ankam. Bardet rettete sich gerade noch auf das Podium, mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Spanier Mikel Landa, der letztlich der wichtigste Adjutant von Froome war.

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