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Rainer Seele (rse.)

Tour-Kommentar : Rule Britannia!

  • -Aktualisiert am

Christopher Froome dominiert die Tour de France. Bild: AFP

Die Tour de France, das größte Spektakel des Radsports, erlebt eine bemerkenswerte Show der britischen Fahrer. Der Aufschwung hat Gründe – aber auch Schattenseiten.

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          Sie halten sich schadlos, sie räumen in großem Stil ab, sie drücken der Tour de France ihren Stempel auf. Rule Britannia! Die Tour, das größte Spektakel des Radsports, erlebt eine bemerkenswerte Show der britischen Radrennfahrer. Noch dazu, nicht minder beeindruckend, auf unterschiedlichstem Terrain. Sechs Etappensiege bis zum Sonntag sprechen eine klare Sprache, sie verdeutlichen die Macht der Briten, die anderen etablierten Radsportnationen um Längen voraus zu sein scheinen.

          Natürlich war zu erwarten, dass Christopher Froome, in Kenia geboren und in Südafrika aufgewachsen, wieder eine entscheidende Rolle spielen würde. Und wie selbstverständlich trägt er längst das Gelbe Trikot. Ein Hemd, das inzwischen wie eine Standardkleidung für Froome anmutet. Dass sich in diesem Sommer aber auch noch Mark Cavendish, der zuletzt nicht mehr so sehr auf das Tempo hatte drücken können, und der Newcomer Adam Yates blendend darstellen, gilt eher als Überraschung.

          Der Wechsel zu dem südafrikanischen Rennstall Dimension Data hat dem Altmeister Cavendish offenbar viele frische Impulse gegeben; ihn umweht nun in jedem Fall wieder ein Zauber wie in früheren glorreichen Zeiten, Cavendish sprintet im reifen Alter wie einst im Mai. Womöglich hat ihm auch die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, das Krafttraining für den Start auf der Bahn, einen gewissen Schub gegeben. Überhaupt scheint der britische Radsport stark von Olympia zu profitieren.

          Die Briten hatten generell eine Menge in ihre Heimspiele 2012 investiert, hatten die Talentförderung massiv intensiviert, mit der Folge, dass auch die heimischen Pedaleure an Format gewonnen haben. Yates ist ein herausragender Vertreter der neuen Generation, er ist eine Kletterhoffnung. Der Emporkömmling hatte sich in den vergangenen Tagen zäh in Reichweite der Branchengrößen gezeigt; er fährt in Weiß, was den besten Jungprofi der Tour kennzeichnet.

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          Und Yates wird wissen, auch als Jüngling, dass nicht jedermann solche Darbietungen mit reinem Entzücken quittiert, dass immer auch ein Schuss Skepsis mitschwingt. Der Recke Froome kennt das genau, er sah sich vor allem im vergangenen Jahr mit heftigen Doping-Verdächtigungen während der Tour konfrontiert. Er und sein Team bemühten sich um Transparenz, ohne die Zweifel wirklich ausräumen zu können.

          Und just vor wenigen Wochen war bekanntgeworden, dass ein Londoner Gynäkologe 150 britische Spitzensportler mit Doping-Substanzen versorgt haben soll; unter seinen Klienten befanden sich dem Vernehmen nach auch Radrennfahrer, sogar Tour-Teilnehmer. Es würde sicherlich nicht verwundern, wenn sich das bewahrheiten sollte. Andererseits haben Froome und Co. Respekt verdient für ihre enormen Anstrengungen. Unbestritten, dass sie ihr Metier exzellent beherrschen, auf breitem Feld. Und der große Preis ihnen so gut wie sicher ist bei dieser Tour.

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