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Tour de France : Telekom-Reihe im Regen abgehängt

  • Aktualisiert am

Reihenbildung: Team Telekom Bild: dpa

Mannschaftszeitfahren wird nicht mehr die Lieblingsdisziplin des Team Telekom: Bei der fünften Etappe verlor Jan Ullrich wichtige Zeit und liegt nun 27 Sekunden hinter Lance Armstrong.

          Mit der Demonstration der Stärke war es diesmal nichts für das Team Telekom. Die siebtbeste Zeit, der Rückstand von 1:50 auf den Sieger: Das konnte eigentlich nicht zufriedenstellen.

          Davon wollte Jan Ullrich aber nichts wissen: „Wir sind zu langsam angefahren. Dennoch bin ich zufrieden. Wir wussten doch, dass wir Once nicht schlagen können.“ Doch statt dem Team Once setzte sich eine ganz andere Mannschaft an die Spitze: Das französische Team Credit Agricole. Mit 31 Sekunden Vorsprung vor Once siegte das Ensemble in 1:21:32 Stunden.

          Stuart O'Gready weiter in Gelb

          Triumphator war damit auch der Australier Stuart O'Gready. Denn mit dem Mannschaftssieg behält er das „maillot jaune“. Und in aller Munde ist Jens Voigt - der unkomplizierte Berliner ist im Gesamtklassement nun Zweiter.

          Zudem hat er den Sinn für Humor nicht verloren. Auf die Frage, ob er denn ein Anwärter auf den Gesamtsieg sei, antwortete er: „Natürlich, das ist mein Ziel.“ Erst nach einigem Zögern schob er hinterher: „Natürlich nicht: Am Berg nimmt mir Jan Ullrich auf einem Kilometer drei Minuten ab.“

          Tour ist mehr als ein Zweikampf

          Von Gelb trennen Ullrich derzeit erst einmal 2:20 Minuten hinter dem Spitzenreiter O'Gready. Gegenüber Armstrong wuchs der Rückstand auf 27 Sekunden an. Hauptsächlicher Grund dafür, dass im Team Telekom noch Zuversicht vorgespielt wurde.

          Einen beeindruckenderen Auftritt hatte Team Once, obwohl die Spanier nicht gewannen. Der deutsche Jungprofi Jörg Jaksche durfte nach der Etappe erstmals das Podium besteigen. „Das ist ein einmaliges Gefühl“, erklärte der Ansbacher, nachdem er das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers übergestreift hatte. Mit 1:12 Rückstand liegt er momentan auf Platz sieben.

          Once-Topfahrer Joseba Beloki unterstrich die These, dass sich die Tour de France nicht nur auf einen Zweikampf zwischen Armstrong und Ullrich konzentrieren muss. Auch mit Christophe Moreau ist zu rechnen. Der erste Träger des Gelben Trikots zählte mit der Festina-Mannschaft zu den Gewinnern.

          Telekom „verlor“ drei Fahrer

          Zu den Verlierern war das Team Telekom zu rechnen, zehn Kilometer vor dem Ziel gingen drei Fahrer „verloren“: Zehn Kilometer vor dem Ziel verlor Telekom den Amerikaner Kevin Livingston, der im Vorjahr noch für Armstrong gefahren war, kurz danach den zweifachen Etappengewinner Erik Zabel (Unna) im Grünen Trikot nach einem Reifendefekt.

          Jens Heppner (Gera) wartete auf den Weltcupgewinner. Einziger Trost: Das deutsche Top-Team büßte in der Endabrechnung 16 Sekunden weniger auf US Postal ein als im Vorjahr beim Mannschafts-Zeitfahren in Saint Nazaire.

          Telekom-Team radelte hinterher

          Die Befürchtung von Erik Zabel (“Vor dem Zeitfahren hat jeder die Hosen voll.“) schien sich zu bewahrheiten. Das Telekom-Team, das in den vergangenen Tagen einen sehr geschlossenen Eindruck hinterlassen hatte, blieb hinter den hohen Erwartungen zurück.

          Schon bei der ersten Zwischenzeit nach 19,5 km radelten die Bonner der Konkurrenz auf Rang elf hinterher. Zu diesem Zeitpunkt hatte das 20 Minuten später gestartete US Postal-Team schon 22 Sekunden Vorsprung, nach 45 km fast eine Minute. „Aus Respekt vor der Strecke haben wir zu verhalten begonnen“, analysierte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage nach dem Rennen. „Wir haben uns zum Schluss noch gesteigert und sind zu Sechst ins Ziel gekommen“, sagte Ullrich.

          Sturz bei US Postal

          Ein dummes Missgeschick unterlief US Postal: Ein Sturz sorgte unterwegs nicht nur für Zeitverlust sondern auch für Irritationen. Die Armstrong-Equipe kam nach 50 Kilometern völlig aus dem Rhythmus, als auf regenassem Asphalt Christian Vandevelde (USA) und der ohnehin schon am Knie verletzte Bergspezialist Roberto Heras (Spanien) ausrutschten und stürzten.

          Danach fuhr US Postal mit gedrosselter Kraft, um auf die beiden Unglücksraben zu warten, und verlor viel Zeit. Doch Kapitän Armstrong höchstpersönlich gab den Befehl auf die Gestürzten zu warten - und der Amerikaner selbst macht in der entscheidenden Phase Tempo.

          Widrige Bedingungen

          Strömender Regen und empfindliche Kühle störte die Athleten auf der Strecke. Die Zuschauer auf dem 67 Kilometer langen Teilstück zwischen Verdun und Bar-le-Duc hat das weniger gestört - sie freuten sich an schönen Bildern, der wie an der Perlenschnur aneinanergereihten Fahrer. Den Kampf gegen sich selbst und für die aerodynamisch günstigste Sitzposition. Die Trittfrequenz möglichst wie ein Uhrwerk, die Windkante wie mit dem Lineal gezogen.

          Kritik am Mannschaftszeitfahren

          Pevenage, sportlicher Leiter beim Team Telekom, findet dennoch, dass das Zeitfahren im Kollektiv kaum mehr angebracht. „Da kann zu viel passieren.“ Gefordert ist, in Reih und Glied oder - mit der anderen Taktik im ständig rochierenden Kreisel - mit der Mannschaft kraftsparend zu fahren. Auf speziellen Zeitfahrmaschinen, die wie im Team Telekom nur knapp sieben Kilo wiegen. Mit stromlinienförmigen Helmen, damit der Wind über die Einheit, die Mensch und Maschine bilden sollen, möglichst widerstandslos hinwegzieht.

          Entscheidend für die Zeit einer Mannschaft war jeweils der fünfte Fahrer, der das Ziel erreicht. Alle Teammitglieder, die das Finish später erreichen, erhielten ihren jeweiligen Rückstand auf die Gesamtzeit aufgeschlagen, maximal aber sieben Minuten.

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