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Tour de France : Rollender Jackpot für die amerikanische Post

  • -Aktualisiert am

Imagepflege groß geschrieben: Lance Armstrong Bild: AP

Lance Armstrong war noch nicht vom Krebs geheilt, da bot ihm US Postal 1997 einen Vertrag an. Heute ist die Zusammenarbeit für den Hauptsponsor fast unbezahlbar wertvoll geworden.

          Radsport in den USA hat etwa den Stellenwert wie Cricket oder Lacrosse in Europa. In einigen wenigen Regionen, Kalifornien, Michigan und Massachussetts gibt es eine wahrnehmbare Dichte an Vereinen und Rennen, ansonsten ist der nordamerikanische Halbkontinent unter Radsport-Gesichtspunkten weitestgehend jungfräulich.

          Umso verrückter war die Idee des Kaliforniers Thommy Weisel, Leiter des Montgomery-Subaru Radrennstalles, vor elf Jahren, die erste amerikanische Mannschaft zusammenzustellen, die die Tour de France gewinnt. Noch verrückter ist indes, das er es elf Jahre später nicht nur einmal, sondern gleich drei Mal hintereinander geschafft hat.

          Kontakte und Know-how

          Fünf Jahre lang kam Weisel bei seinem Vorhaben nur schneckenhaft voran. Doch dann kreuzten sich seine Wege mit dem Olympiasieger im Bahnradfahren von 1984, Mark Gorski, damals Angestellter des amerikanischen Radsportverbandes USCF. Mit Gorski holte sich Weisel vor allem zwei Dinge an Bord: Kontakte zur internationalen Radsportszene und Know-how.

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          Ab diesem Zeitpunkt schritt die Entwicklung rasant voran. Internationale Spitzenfahrer wie der Franzose Jean Cyril Robin, der Russe Vjatcheslav Ekimov und der Italiener Adriano Baffi wurden verpflichtet. Und mit einem solchermaßen konkurrenzfähigen Team konnte Weisel nach einer lange Zeit ergebnislosen Suche einen großen Hauptsponsor gewinnen: die amerikanische Post.

          Vertrag noch auf der Krebsstation

          1997 nahm das neue US Postal-Team erstmals an der Tour teil, mit geringen Aussichten und mässigem Erfolg. Was fehlte, war der Siegfahrer und auch in dieser Frage stellte sich Gorski als der Mann mit dem richtigen Riecher heraus. Noch auf der Krebsstation bot Gorski Lance Armstrong, den seine bisherige Mannschaft Cofidis angesichts seines Gesundheitszustands von der Lohnliste gestrichen hatte, einen Vertrag an.

          Schon aus Armstrongs Zeiten in der nationalen Jugendmannschaft kannte Gorski den Texaner und war überzeugt davon, dass der er der richtige sei, um die Formation zu einer Siegertruppe zusammenzuschweißen. Sofern er den Krebs überlebt. Armstrong überlebte und machte US-Postal zu einer der größten, reichsten und erfolgreichsten Mannschaften im internationalen Radsport.

          25 Millionen Dollar pro Jahr für das Team

          Schon vor dem dritten Toursieg in Folge verpflichtete sich der Hauptsponsor US-Postal, das Team mit 25 Millionen Dollar bis 2004 zu fördern, 21 Fahrer stehen bei Postal auf der Lohnliste. Team Telekom, das zweitgrößte Team im Profizirkus hat zum Vergleich 25 Fahrer und einen geschätzten Gesamtetat von 20 Millionen Mark jährlich.

          Warum die amerikanische Post derartige Summen in eine Randsportart investiert, ist auf den ersten Blick schwer zu verstehen. Doch die Tour-Siege von Armstrong in Zusammenhang mit seiner aufsehenerregenden persönlichen Geschichte hat den Radsport so sehr in das Bewußtsein der amerikanischen Öffentlichkeit gerückt, dass sich das Engagement mehr als lohnt.

          „Jede Zielankunft wie ein Jackpot“

          "Mit dieser Mannschaft in Verbindung gebracht zu werden", so Gail Sonnenberg, Vize-Präsidentin des Unternehmens, "heisst mit den uramerikanischen Werten harte Arbeit, Perfektionismus und Mannschaftsgeist in Verbindung gebracht zu werden." "Jedes Mal wenn Armstrong mit unserem Logo über die Ziellinie fährt", so Garry Kreienkamp von der PR-Abteilung von Postal, "ist das für uns der Jackpot."

          Wichtig für die Marketingstrategie des Unternehmens, erklärt der Managmentdirektor des Teams, Dan Osipow, ist die Verbindung mit den USA als Nation: "Wir tragen Rot, Weiß und Blau und haben die Buchstaben US auf den Trikots. Und wir sind im Kern eine amerikanische Mannschaft. Deshalb werden wir in Amerika als Repräsentanten der Nation, also als eine Art Nationalmannschaft gesehen." Aus demselben Grund fördert US Postal seit diesem Jahr auch die nationalen Nachwuchsmannschaften: "Wir hoffen dass aus diesen Reihen ein neuer Lance Armstrong kommt", so Sonnenberg.

          Es geht auch ohne Armstrong weiter

          Nachwuchs ist auch von Nöten, denn Lance Armstrongs Karriere wird nicht mehr ewig dauern. Bereits während der diesjährigen Tour de France betonte er, dass sich mit der Geburt seines zweiten und dritten Kindes langsam seine Prioritäten verschöben. Für die Mannschaft, so Dan Osipow, sei das nun keine Katastrophe mehr: "Noch vor zwei Jahren wäre US Postal ohne Armstrong undenkbar gewesen. Jetzt bin ich sicher, dass es auch ohne ihn weiter geht."

          Der neue Kapitän wäre dann möglicherweise nicht einmal mehr ein Amerikaner. Der Spanier Roberto Heras gillt bei Postal als Kronprinz. Dem Status des Teams als Träger des Sternenbanners auf Europas Landstrassen täte dies zu Hause keinen Abbruch mehr.

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