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Tour-de-France-Kommentar : Nicht von gestern

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Verstecken muss er sich nicht: Alberto Contador wird in Spanien mit unsichtbaren Händen geschützt Bild: AFP

Alberto Contador wird die Tour de France gewinnen. Und die Spanier entzücken sich an Gelb, andere sehen schwarz. Doch Contador verkörpert nicht ein veraltetes System des Radsports, er steht für die Gegenwart, vielleicht sogar für die Zukunft.

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          Ein Gesicht der Vergangenheit? Keineswegs. Alberto Contador verkörpert nicht ein veraltetes, überholtes System des Radsports, er steht für die Gegenwart, vielleicht sogar für die Zukunft der Branche. So leichtfüßig meisterte er die schwierigsten Prüfungen der Tour de France, dass wohl auch künftig mit ihm zu rechnen sein wird - und zwar in vorderster Front. Manchmal schien der Spanier mit seinen Rivalen zu spielen - es war ein eigenartiges Schauspiel, eines, das Erinnerungen an außergewöhnliche Auftritte von Radprofis in den vergangenen Jahren weckte; mancher von ihnen war danach abrupt zu Fall gekommen.

          A.C. - das Kürzel ist hinlänglich bekannt, es ist das Zeichen des Verdachts, der Contador entgegenschlug. Der Mann aus Pinto bei Madrid soll sich frisches Blut bei dem mutmaßlichen Doping-Experten Eufemiano Fuentes besorgt haben, aber auch Contador hat längst keine Nachforschungen mehr zu befürchten. Sportstars wie er werden in Spanien von unsichtbaren Händen beschützt, sie sollen schließlich den Ruhm ihres Landes weiter mehren, und Contador ist ein exzellenter Vertreter der spanischen Schule.

          Die Spanier entzücken sich an Gelb, andere sehen schwarz: Das ist ein seltsamer Kontrast kurz vor dem Finale der Tour 2009, die - so hat es den Anschein - ohne einen einzigen positiven Doping-Test beendet werden wird. Aber damit sind Misstrauen und Zweifel nicht einfach wegzuwischen, im Gegenteil. Mag ja sein, dass vielleicht doch ein bisschen Besserung eingetreten ist im Radsport, weil die Risiken für Profis, die sich auf die krumme Tour einen Vorteil verschaffen wollen, offensichtlich gestiegen sind.

          Andererseits: Auch die wissenschaftliche Absicherung verbotener Praktiken dürfte weiterentwickelt worden sein. Und ebenso könnte in gewissen Teilen des Pelotons die Neigung gewachsen sein, neue, schwer nachzuweisende Substanzen einzusetzen. Die Tour jedenfalls hat einen neuen Champion, der nicht von gestern ist - und bisweilen sogar, als Radrennfahrer zumindest, unwirklich anmutet.

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