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Tour de France : Jens Voigt gewinnt Etappe nach Montelimar

  • Aktualisiert am

Tagessieg für Jens Voigt Bild: dpa

Der für das CSC-Team fahrende Deutsche Jens Voigt hat die 13. Etappe der Tour de France von Béziers nach Montélimar gewonnen. Nach einer langen Fahrt in einer fünfköpfigen Spitzengruppe setzte sich Voigt auf der Zielgeraden gegen Oscar Pereiro vom Team Caisse D'Epargne- Illes Balears durch.

          Die völlig verrückt verlaufene 13. Etappe wird in die Geschichte der Tour de France eingehen. Eine zweiköpfige Spitzengruppe, aus der Jens Voigt in Montélimar zum zweiten Tour- Etappensieg seiner Karriere spurtete, hatte im Ziel des längsten diesjährigen Tagesabschnitts 29:57 Minuten Vorsprung auf ein von der Hitze wie gelähmtes Hauptfeld.

          Der Amerikaner Floyd Landis, der mit seinem merkwürdig inaktiven Team bei 44 Grad Celsius über die Ziellinie schlich, verlor am Samstag sein Gelbes Trikot an Oscar Pereiro, der jetzt 1:29 Minuten Vorsprung vor ihm hat. Der Spanier hatte gegen Voigt den Spurt um den Tagessieg im Glutofen von Montélimar verloren.

          Zweiter Tageserfolg für Voigt

          Vor fünf Jahren hatte der unermüdliche Kämpfer Voigt, der am Samstag den 54. Tageserfolg eines deutschen Profis bei der Tour perfekt machte, in Seraing seine erste Etappe gewonnen. Der ungewöhnliche Ausgang der 230 Kilometer langen Etappe hatte zum einen sicher mit der kaum zu ertragenden Hitze und den kommenden Alpen- Etappen zu tun, für die die Favoriten auf den Gesamtsieg Kräfte sparen wollten.

          Den entscheidenden Schlußspurt fuhr Voigt von vorn. Pereiro kam nicht vorbei

          „Das war sehr merkwürdig. Die schwache Phonak- Mannschaft von Landis ist ihrer Pflicht nicht nachgekommen, den Abstand zu den Führenden zu verkleinern und die Hauptarbeit zu machen. Aber ich glaube nicht, daß die Tour gegen Landis damit gelaufen ist. Die Alpen werden noch weitere Überraschungen bringen“, meinte Hans-Michael Holczer, der Team-Manager von Gerolsteiner.

          Phonak-Team kann Gelbes Trikot nicht verteidigen

          Das Feld mit Landis' Team Phonak an der Spitze machte erst 30 Kilometer vor dem Ziel ein bißchen mehr Tempo als die Stunden davor - viel zu spät, um die kleine Katastrophe abzuwenden. Im Gegensatz zu Pereiro war Voigt für Landis mit 1:01:28 Stunden Rückstand am Start in Béziers keine Gefahr. Die Abstände der im Gesamtklassement besten deutschen Profis Andreas Klöden (T-Mobile/7.) und Markus Fothen (Gerolsteiner/12.) zu Landis haben sich nicht verändert.

          Voigt kam die Konstellation der Kräfte im Peleton am Samstag entgegen. Nachdem sein Kapitän Ivan Basso wie Jan Ullrich vor der Tour wegen Dopingverdachts suspendiert worden war, hatte der in Berlin lebende Radprofi aus Mecklenburg-Vorpommern von seinem Teamchef Bjarne Riis „Grünes Licht“ für Attacken erhalten.

          Fünfter Ausreißversuch erfolgreich

          Voigt war im Ziel völlig aufgedreht: „Das ist der vielleicht glücklichste Tag in meinem Leben. Ich bin gar nicht müde. Ich könnte gleich nochmal aufs Rad steigen. Das war heute für unser Team nach den Vorfällen zu Beginn und den Stürzen die Wende“, sagte Voigt, der sich freute, „daß mein fünfter Ausreiß-Versuch bei dieser Tour endlich zum Erfolg“ geführt hat.

          Nach vergeblichen Versuchen an den Vortagen schlug am Samstag endlich Voigts großer Tag. Voigt, der im ersten Tour-Zeitfahren in Rennes nach 52 Kilometern Letzter geworden war und dabei wohl Kräfte konserviert hatte, setzte sich mit vier Fahrern bereits 21 Kilometer nach dem Start ab. Im Ziel hatten Voigt und Pereiro ein Hitze-Solo von 209 Kilometern hinter sich. Den Ukrainer Andrej Griwko aus Erik Zabels Milram-Team hatten 25 Kilometer vor dem Ziel die Kräfte verlassen - er fiel aus der Spitzengruppe zurück. Die übrigen beiden mußten 2,5 Kilometer vor dem Ziel passen.

          Durchgesetzt im Schlußspurt

          „Alle sind müde - und diese Hitze. Das war eine gute Möglichkeit für Jens. Er ist darauf spezialisiert“, sagte Voigts CSC-Sportchef Allain Gallopin, nachdem sich der Vorsprung der Ausreißer immer mehr stabilisiert hatte. Im Vorjahr hatte „Flucht-Spezialist“ Voigt zum zweiten Mal nach 2001 das Gelbe Trikot für einen Tag getragen.

          Im Schlußspurt in Montélimar ließ der erfahrene Kämpfer nichts anbrennen und verwies Pereiro auf Platz zwei. Die übrigen beiden Ausreißer Sylvain Chavanel (Frankreich) und Manuel Quinzato (Italien) hatte Voigt 2,5 Kilometer vor dem Ziel durch einen beherzten Antritt abgehängt.

          13. Etappe, Béziers - Montélimar (230 km):

          1. Jens Voigt (Berlin) - Team CSC 5:24:36 Std.;

          2. Oscar Pereiro (Spanien) - Caisse d'Epargne-Illes Balears gleiche Zeit;

          3. Sylvain Chavanel (Frankreich) - Cofidis + 0:40 Min.;

          4. Manuel Quinziato (Italien) - Liquigas-Bianchi gleiche Zeit;

          5. Andrej Griwko (Ukraine) - Team Milram + 6:24;

          6. Robbie McEwen (Australien) - Davitamon-Lotto + 29:57;

          7. Bernhard Eisel (Österreich) - FdJeux;

          8. Tom Boonen (Belgien) - Quick Step;

          9. Carlos da Cruz (Frankreich) - FdJeux;

          10. Arnaud Coyot (Frankreich) - Cofidis;

          ...15. Erik Zabel (Unna) - Team Milram;

          ...18. David Kopp (Köln) - Gerolsteiner;

          ...19. Björn Schröder (Berlin) - Team Milram;

          ...22. Sebastian Lang (Erfurt) - Gerolsteiner;

          ...34. Bert Grabsch (Bottighofen/Schweiz) - Phonak;

          ...37. Fabian Wegmann (Freiburg) - Gerolsteiner;

          ...40. Christian Knees (Bornheim) - Team Milram;

          ...41. Andreas Klöden (Kreuzlingen/Schweiz) - T-Mobile Team alle gleiche
          Zeit

          Gesamtwertung, nach der 13. Etappe:

          1. Oscar Pereiro (Spanien) - Caisse d'Epargne-Illes Balears 59:50:34
          Std.;

          2. Floyd Landis (USA) - Phonak + 1:29 Min.;

          3. Cyril Dessel (Frankreich) - AG2R Prévoyance + 1:37;

          4. Denis Mentschow (Russland) - Rabobank + 2:30;

          5. Cadel Evans (Australien) - Davitamon-Lotto + 2:46;

          6. Carlos Sastre (Spanien) - Team CSC + 3:21;

          7. Andreas Klöden (Kreuzlingen/Schweiz) - T-Mobile Team + 3:58;

          8. Michael Rogers (Australien) - T-Mobile Team + 4:51;

          9. Juan Miguel Mercado (Spanien) - Agritubel + 5:02;

          10. Christophe Moreau (Frankreich) - AG2R Prevoyance + 5:13;

          ...12. Markus Fothen (Kaarst-Vorst ) - Gerolsteiner + 5:46;

          ...14. Patrik Sinkewitz (Künzell) - T-Mobile Team + 7:07;

          ...48. Fabian Wegmann (Freiburg) - Gerolsteiner + 30:21;

          49. Matthias Kessler (Kreuzlingen/Schweiz) - T-Mobile Team + 30:57;

          51. Jens Voigt (Berlin) - Team CSC + 32:38;

          71. Erik Zabel (Unna) - Team Milram + 41:14;

          Mannschaftswertung, nach der 13. Etappe:

          1. Team CSC (Dänemark) 179:23:50 Std.;

          2. Caisse d'Epargne-Illes Balears (Spanien) + 15:53 Min.;

          3. T-Mobile Team (Deutschland) + 22:05;

          4. Gerolsteiner (Deutschland) + 22:51;

          5. AG2R Prevoyance (Frankreich) + 27:05;

          6. Rabobank (Niederlande) + 27:26

          Sprintwertung, nach der 13. Etappe:

          1. Robbie McEwen (Australien) - Davitamon-Lotto 252 Pkt.;

          2. Tom Boonen (Belgien) - Quick Step 222;

          3. Oscar Freire (Spanien) - Rabobank 207;

          4. Daniele Bennati (Italien) - Lampre-Fondital 192;

          5. Erik Zabel (Unna) - Team Milram 172;

          6. Thor Hushovd (Norwegen) - Crédit Agricole 159;

          ...10. David Kopp (Köln) - Gerolsteiner 111;

          ...15. Jens Voigt (Berlin) - Team CSC 57;

          30. Andreas Klöden (Kreuzlingen/Schweiz) - T-Mobile Team 34;

          Bergwertung, nach der 13. Etappe:

          1. David de la Fuente (Spanien) - Saunier Duval-Prodir 80 Pkt.;

          2. Cyril Dessel (Frankreich) - AG2R Prévoyance 62;

          3. Fabian Wegmann (Freiburg) - Gerolsteiner 61;

          4. Mickael Rasmussen (Dänemark) - Rabobank 61;

          5. Juan Miguel Mercado (Spanien) - Agritubel 45;

          6. Michael Boogerd (Niederlande) - Rabobank 41;

          ...20. Jens Voigt (Berlin) - Team CSC 16;

          ...27. Andreas Klöden (Kreuzlingen/Schweiz) - T-Mobile Team 12;

          ...35. Björn Schröder (Berlin) - Team Milram 9;

          ...40. Matthias Kessler (Kreuzlingen/Schweiz) - T-Mobile Team 6

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