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Tour de France : Froome steigt vom Rad, Nibali überrascht

  • Aktualisiert am

Aus und vorbei: Christopher Froome Bild: AP

Die Tour de France zeigt dem Vorjahressieger die kalte Schulter: Mit dem Aus von Christopher Froome verliert die Rundfahrt früh ihren größten Favoriten. Nun steht Vincenzo Nibali am höchsten im Kurs.

          2 Min.

          Es war ein grauer Tag im Norden Frankreichs, ein regnerischer Tag, und es wurde ein schwarzer Mittwoch für Christopher Froome. Noch ehe er die vermeintlich gefährlichsten Stellen der fünften Etappe der Tour de France erreicht hatte, die Passagen mit dem berüchtigten Kopfsteinpflaster, gab Froome sein Rad ab, stieg mit Leidensmiene in einen Begleitwagen des Teams Sky und verließ die 101. Tour. Die Rundfahrt hatte dem Briten, der im Vorjahr die Tour gewonnen hatte, diesmal die kalte Schulter gezeigt.

          Zwei Stürze auf nasser Straße

          Froome erlebte am Mittwoch vermutlich einen der bittersten Momente seiner Karriere. Er war – wie am Dienstag – wieder gestürzt, diesmal sogar zweimal auf nasser Straße. Das erste Malheur hatte er noch verkraftet, mit der Unterstützung seiner Kollegen hatte Kapitän Froome wieder Anschluss an das Peloton gefunden.

          Hölle des Nordens: Die Tour auf Kopfsteinpflaster

          Doch der zweite Crash, 66,8 Kilometer vor dem Ziel, war folgenschwer. Froome krümmte sich vor Schmerz, nachdem er wieder aufgestanden war, er humpelte, offensichtlich war er auch am rechten Arm verletzt – und er war nicht mehr imstande, wieder auf sein Rad zu steigen. Am Mittwoch, um 15.45 Uhr, war für ihn die Tour zu Ende – ein britisches Sport-Drama.

          Die Tour verlor damit früh einen ihrer großen Favoriten. Eine unerwartete Zuspitzung der Ereignisse, lange bevor die ersten Gipfel überquert werden müssen. Froome hatte neben dem Spanier Alberto Contador als der aussichtsreichste Fahrer gegolten. Inzwischen steht Vincenzo Nibali am höchsten im Kurs, zumal der Italiener am Mittwoch Contador eine herbe Niederlage zufügte.

          Kittel kann Rennen fortsetzen

          Nibali, der bereits das Gelbe Trikot trägt, wurde Dritter hinter dem Niederländer Lars Boom und dem Dänen Jakob Fuglsang; eine bemerkenswerte Vorstellung des Sizilianers, dessen Terrain eigentlich das Hochgebirge ist. Nibali distanzierte Contador dabei um mehr als zwei Minuten. Überhaupt gab das Team Astana, bei dem Nibali und Fuglsang unter Vertrag stehen, ein glänzendes Bild ab bei einer Drecksarbeit ohnegleichen. Nibali führt in der Gesamtwertung vor Fuglsang, der Madrilene Contador liegt auf Platz 19, mit einem Rückstand von 2:37 Minuten auf Nibali.

          Am Dienstag bereits hatte Froome Prellungen an der linken Hand erlitten, er hatte sich obendrein Hautabschürfungen an Gesäß und Hüfte zugezogen. Der Fall verdeutlichte, dass selbst flaches Terrain bei der Tour seine Tücken hat, dass – schon durch kleine Unaufmerksamkeiten – schwer wiegende Karambolagen entstehen können. Das hatte am ersten Tag der Tour bereits Froomes Landsmann Mark Cavendish getroffen; auch er musste zwangsläufig Abschied nehmen von der Tour. Am Mittwoch waren auf glitschigem Boden viele Fahrer zu Boden gegangen, teilweise spektakulär mit Überschlag, unter ihnen der deutsche Sprintstar Marcel Kittel.

          Matsch und Schlamm

          Im Gegensatz zu Froome aber konnte der Thüringer das Rennen fortsetzen. Die Organisatoren hatten die Strecke zwischen Ypern in Belgien und Wallers-Arenberg in Frankreich wegen des unwirtlichen Wetters sogar kurzfristig um drei Kilometer auf 152,5 Kilometer verkürzt. Dabei waren zwei kurze Strecken mit insgesamt 2,4 Kilometer Kopfsteinpflaster gestrichen worden; sie waren den Rennfahrern nicht mehr zumutbar gewesen.

          Der Favorit ist draußen: Chris Froome muss aufgeben

          Aber auch so war es ein Tag der Extreme für die Radprofis, die Matsch und Schlamm durchqueren mussten, eine Tortur wie bei dem gefürchteten Klassiker Paris-Roubaix, fast noch schlimmer sogar. Der Parcours war schon vor dem Rennen heftig kritisiert worden, etwa vom Deutschen Tony Martin: „Das ist ein Spiel mit der Gesundheit.“ Der Zeitfahr-Weltmeister beendete die Schinderei als Siebzehnter.

          Atemprobleme und Sturz als Vorboten

          Froome, der große Unglücksrabe am Mittwoch, hatte in dieser Saison schon einige Rückschläge verkraften müssen: unter anderem Atemprobleme und einen Sturz bei der Dauphiné-Rundfahrt. Ein verflixtes Jahr. Erst recht seit dem Mittwoch, an dem jäh eine große Hoffnung von Froome zerstört wurde.

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