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Tour de France : Endlich ein Etappensieg: Jens Voigt am Ziel seiner Träume

  • Aktualisiert am

Etappensieg! Die wichtigsten Momente in der Karriere des Jens Voigt Bild: dpa

Jens Voigt hat die 16. Etappe der 88. Tour de France gewonnen und damit seinen ersten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt gefeiert.

          Jens Voigt wollte einfach nicht, dass dieser Moment aufhört. Die Ehrung für seinen Etappensieg war schon vorbei, die Ehrenjungfrauen zogen von dannen, da sprang er noch einmal kurz auf das Podest und hob die Arme.

          "Das Schönste", erzählte er der Presse später über das Gefühl des Siegens, "sind die letzten 30 Sekunden vor dem Zielstrich. Da fällt die ganze Anstrengung der Etappe von dir ab und dir schiesst durch den Kopf, dass dies der Augenblick ist für den du 20 Jahre lang trainiert hast."

          Wohl kaum ein Fahrer hat sich einen Etappensieg so gewünscht wie Jens Voigt. Seit seiner ersten Tour de France, 1998, denke er daran, so Voigt, oben auf dem Podium zu stehen. Und kaum einer hat wohl so viel dafür getan. Besonders im vergangenen Jahr lenkte die Aufmerksamkeit auf sich, in dem er auch in der aussichtslosesten Ausreissergruppe noch mit fuhr. Zum tragischen Held wurde er auf der Etappe nach Vitré, als er fast 200 Kilometer lang vor dem Feld hergefahren war, zuletzt nur noch mit einem Fluchtgefährten, und 200 Meter vor dem Ziel vom Feld gestellt wurde.

          „Das war harte Arbeit“

          Der Etappensieg, berichtete Voigt, war alles andere als ein leichter: "Das war reine harte Arbeit." Schon bei der ersten Fluchtgruppe nach 61 von 227 Kilometern war Voigt dabei: "Was mache ich eigentlich hier, es ist heiss es ist noch weit, das wird ein verdammt harter Tag", sei ihm dadurch den Kopf geschossen. Dann habe er die Gegner taxiert, seine Chancen abgewogen und sich auf das Abenteuer eingelassen. Zwanzig Kilometer vor dem Ziel wagte Voigt dann den entscheidenden Angriff, dem nur noch der Australier Bradley McGee, Dritter im Zweier-Mannschaftsfahren bei den Olympischen Spielen von Sydney folgen konnte.

          "Bradley ist ein guter Kumpel von mir", berichtete Voigt, "wir trainieren viel zusammen und ich kenne ihn." Deshalb, so Voigt, habe er auch schon zwei Kilometer vor dem Ziel geahnt, dass er gewinnen kann: "Er sah nicht mehr gut aus." Auf einen Sprint wollte Voigt es dennoch nicht ankommen lassen und trat 400 Meter vor dem Ziel an. Auf der leicht ansteigenden Geraden zum Ziel konnte der Australier nicht mehr folgen.

          Marktwert gesteigert

          Voigt, dessen Vertrag bei Credit Agricole zum Saisonende ausläuft, dürfte mit der diesjährigen Tour de France seinen Marktwert für kommende Verhandlungen deutlich gesteigert haben: In der ersten Woche hatte der heutige Etappensieger bereits einen Tag lang das Gelbe Trikot getragen. "Ich habe einige gute Angebote", gab der Grevesmühlener zu, lies aber durchblicken, dass er am liebsten bei seiner jetzigen Mannschaft bleiben würde.

          "Wir haben einen derartig gutes Klima im Team, ein richtige Freundschaft, das macht sehr viel Spass." Der Sportliche Leiter der Mannschaft Roger Legeay, so Voigt, sei ebenfalls daran interessiert, ihn zu halten.

          Die Mannschaft fährt in diesem Jahr eine überaus erfolgreiche Tour. Credit Agricole gewann bereits das Mannschaftszeitfahren, sowohl Stuart O'Grady als auch Jens Voigt trugen bereits das Gelbe Trikot.

          Kampf um das Grüne Trikot

          Der Australier O'Grady liegt im Augenblick in der Wertung um das Grüne Trikot mit 12 Punkten Vorsprung vor Erika Zabel in Führung. "Unser oberstes Ziel ist es, für Stuart das Grüne zu holen. Mein Etappensieg war da nur ein Extrabonus."

          Erikk Zabel, gegen den O'Grady mit Voigts Hilfe das Grüne Trikot verteidigen möchte, ist pikanterweise ein Schulkamerad von Voigt. Gemeinsam besuchten sie die damalige Kinder- und Jugendschule der DDR in Berlin.

          Zabel gewann zawr den Sprint des Hauptfeld 25 Minuten hinter dem Tagessieger, erreichte Rang acht vor Stuart O'Grady, der damit aber das Grüne Trikot verteidigte. Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters im Gesamtklassement für Lance Armstrong mit 5:05 Minuten Vorsprung auf Jan Ullrich geriet natürlich nicht in Gefahr. Als „Berg-König“ steht der Franzose Laurent Jalabert fest - vorausgesetzt, er erreicht Paris.

          Aus für Heppner

          Weniger erfreulich verlief so der Tag für das Team Telekom, mehrere Fahrer der Mannschaft wurden in einen Massensturz 13 Kilometer vor dem Ziel verwickelt. Am schlimmsten erwischte es Jens Heppner, der sich das Schlüsselbein brach. Heppner ist nach der Aufgabe von Steffen Wesemann damit der zweite Ausfall bei Telekom.

          Am Donnerstag muss sich die Tour-Karawane ein letztes Mal bei dieser Tour über eine bergige Strecke „quälen“. Bevor am Freitag das Einzelzeitfahren und am Wochenende die beiden letzten Etappen nach Paris wieder sehr flaches Profil bieten, geht die Fahrt von Brive-la-Gaillarde über 194 km durch das Zentralmassiv nach Montlucon noch einmal in Höhen von über 700 Meter hinauf.

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