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Tour de France : Armstrong fast noch mal Etappensieger

  • Aktualisiert am

Rückblick auf einen harten Tag: „Am Ende habe ich für die Anstrengungen bezahlt” Bild: AFP

Lance Armstrong wird im Alter nicht mehr zu einem Sprinter: Im Wettbewerb mit einer Ausreißergruppe musste er sich mit dem sechsten Platz begnügen. Den Sieg holte sich der Franzose Pierrick Fedrigo.

          3 Min.

          Ein tieftrauriger Lance Armstrong, ein reumütiger Alberto Contador und ein großherziger Andy Schleck: Einen Tag nach der „unfairen“ Machtübernahme von Contador und hitzigen Diskussionen war die heile Welt bei der 97. Tour de France wieder hergestellt, nur Armstrong war das Lachen vergangen. 30 Meter vor dem Ziel der 16. Etappe in Pau hatte sich für den siebenmaligen Toursieger der ersehnte Traum vom Etappensieg zerschlagen. Dem 38-Jährigen bleibt damit wohl ein Happy End auf seiner Abschiedstournee durch Frankreich endgültig verwehrt.

          „Es war ein harter Tag, es waren so viele Kilometer in der Flucht. Am Ende habe ich für die Anstrengungen bezahlt“, sagte Armstrong. Sein vom Staub verdrecktes Gesicht stand sinnbildlich für die kraftraubende 195-km-Flucht. „Ich war am Ende im Sprint einfach nicht schnell genug. Aber ich habe es wenigstens versucht.“ Stattdessen holte sich der Franzose Pierrick Fedrigo den Etappensieg.

          Für die Szene der 16. Etappe sorgten aber die beiden Streithähne des Vortages. Contador und Schleck umarmten sich brüderlich und zelebrierten vor laufender Kamera die große Versöhnung. „Wir haben während der Etappe über die Dinge von Montag gesprochen. Es ist wieder in Ordnung. Ich bin nicht weiter nachtragend“, sagte Schleck und versprach einen guten Kampf bis Paris.

          Zelebrierten die große Versöhnung: Andy Schleck und Alberto Contador
          Zelebrierten die große Versöhnung: Andy Schleck und Alberto Contador : Bild: dpa

          Aus Armstrong wird kein Sprinter mehr

          Als Contador zum zweiten Mal während dieser Tour in das Gelbe Trikot schlüpfte, erklangen dennoch Pfiffe. Schleck rief die Fans dazu auf, das zu unterlassen. „Ich möchte mich wirklich entschuldigen“, sagte Contador. „Mich und Andy verbindet eine enge und starke Freundschaft.

          In der Gesamtwertung liegt Contador weiter acht Sekunden vor Schleck, nachdem der Spanier am Montag einen technischen Defekt seines Kontrahenten eiskalt zum Machtwechsel ausgenutzt hatte. Am Montag gönnten sich die Kontrahenten auf dem 199,5 km langen Weg von Bagneres-de-Luchon nach Pau eine Verschnaufpause.

          Stattdessen waren die Ausreißer um Armstrong am Zug. Als sich die achtköpfige Spitzengruppe zum Sprint formierte, die Armstrong nach vier Renn-Kilometern selbst initiiert hatte, fuhr der 38-Jährige bereits in einer ungünstigen Position am Ende. Letztlich war der Sprint für den Texaner deutlich zu lang. Armstrong musste einsehen, dass aus ihm im hohen Alter erst recht kein Sprinter wird.

          „Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht“

          Fedrigo schoss mit hoher Endgeschwindikeit durch eine Lücke an der Bande und feierte wie schon im vergangenen Jahr einen Etappensieg. Platz zwei ging an seinen Landsmann Sandy Casar, der den Spanier Ruben Plaza auf den dritten Rang verwies. Für Armstrong, der seine letzte Tour und sein letztes Radrennen in Europa fährt, wäre es der insgesamt 23. Tour-Etappensieg seiner Karriere gewesen.

          Der Tag hatte zunächst begonnen, wie er am Montag endete - mit hitzigen Diskussionen. Die „unfaire“ Machtübernahme von Contador war immer noch in aller Munde. Als der reumütige Contador umringt von 20 Kamera-Teams am Dienstag zum Start der 16. Etappe der Tour de France rollte, hatte sich die feindselige Stimmung ein wenig gelegt. Zuvor hatte der amtierende Tour-Sieger schon mit einer späten Entschuldigung bei Andy Schleck zur Deeskalation beigetragen.

          „Als ich attackierte, hatte Andy ein mechanisches Problem. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Es tut mir leid“, sagte der Spanier per Videobotschaft. „In der Phase des Rennens denkt man nur daran, schnell zu fahren. Ich bin nicht glücklich über die Umstände, weil für mich Fair Play sehr wichtig ist.“

          Was hat es Ullrich 2003 gebracht zu warten?

          Das Stimmungsbarometer war allerdings eindeutig. Während bei Contador nur leises Klatschen ertönte, wurde Schleck mit großem Jubel am Start empfangen. Selbst im Peloton waren die Reaktionen unterschiedlich. Jens Voigt schlug sich auf die Seite seines Teamkollegen Schleck. „Die Bilder sind eindeutig. Er muss ihn gesehen haben, er wäre ihm ja fast hinten rein gefahren“, sagte der Berliner. „Da kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Wir müssen sehen, dass wir die Wut von Andy in einen vernünftigen Angriff kanalisieren.“

          Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag verteidigte Contador hingegen. „Irgendwann müssen wir auch mal Rennen fahren“, sagte der Ex-Profi dem SID. „Was hat es Ullrich denn 2003 gebracht zu warten? Anschließend ist ihm Armstrong noch davon gefahren.“ Jan Ullrich hatte vor sieben Jahren gewartet, als Lance Armstrong auf dem Weg nach Luz-Ardiden stürzte. Der Texaner gewann die Etappe am Ende.

          Nach den ersten drei Pyrenäen-Etappen können die Fahrer am Mittwoch in Pau erst einmal verschnaufen, bevor es am Donnerstag zum erwarteten Schlagabtausch auf dem Tourmalet kommt. Auf der 174 km langen Etappe liegt das Ziel auf dem 2115 m hohen Pyrenäen-Riesen.

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