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Tour de France : Abschiedstour der Zugmaschine Udo Bölts

  • -Aktualisiert am

Auf Abschiedstour: Udo Bölts Bild:

„Quäl dich, du Sau!“ hat ihn berühmt gemacht. Udo Bölts, die Zugmaschine von Jan Ullrich, stand sonst immer im Schatten von Ullrich. Die Tour de France 2001ist seine Abschiedstournee.

          3 Min.

          „Ich gehe davon aus, dass diese Tour de France meine letzte ist.“ Wenn Udo Bölts diesen Satz ausspricht, dann verschwindet plötzlich das schelmische Grinsen im Gesicht. Mit jedem Tag sich seine zehnte Frankreich-Rundfahrt ihrem Ende nähert, weiß der 34-Jährige, was naht: der endgültige Abschied von diesem „Gigant“ (Bölts über das Ereignis Tour de France).

          Nein, ein Gnadenbrot lehnt der Pfälzer, der in Rodalben geboren wurde, ab. „Ich werde nicht besser“, sagt er lapidar, „und es gibt jüngere Fahrer, die nachrücken. Ich dagegen werde schließlich 35 Jahre alt.“ Nur nominiert zu werden, weil er sich mit den Teamkollegen gut verstehe, die Telekom ist schließlich seit 1992 sein Arbeitgeber, kommt für ich nicht in Frage. „Ich mache zwar als Profi nicht Schluss, doch die Tour fahre ich wohl nicht mehr.“

          Der Begleiter im Gebirge

          Wer ihn dieses Jahr auf dem Rad beobachtet, der registriert, dass er die Helferrolle nicht mehr so dominierend zu spielen vermag wie früher. 1997 hat er mit dem schon legendären Ausspruch „Quäl dich, du Sau“ Jan Ullrich in den Vogesen zum Toursieg getrieben. Unverzichtbarer Begleiter in den Bergen. Eine 180 Zentimeter große und 70 Kilo leichte Zugmaschine im Gebirge.

          Vorne vor: Udo Bölts

          Doch als es aktuell galt, Ullrich über die Alpen zu schleppen, haben Neuzugang Kevin Livingston oder Debütant Andreas Klöden diesen Part übernommen. Bölts ist froh, dass er dabei ist, denn er weiß, dass sich die sportliche Leitung mit Walter Godefroot und Rudy Pevenage lange den Kopf zermartert hat, ob er denn überhaupt nominiert werde. Godefroot sagt über ihn: „Der Udo Bölts ist so stark, der geht nie kaputt.“ Noch nie hat er eine Rundfahrt vorzeitig abgebrochen.

          „Ironman“ Bölts

          Zäher Wille, großer Ehrgeiz, erstklassige Kondition: All diese Eigenschaften haben ihm geholfen, auch einmal einen Ironman-Triathlon in Hawaii zu überstehen. Im Vorjahr durchstand er 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und 42 Kilometer Laufen in zehn Stunden. „Die Jungs vom Triathlon trainieren noch mehr als wir Radfahrer“, sagte er später voller Anerkennung. Sein 168. Rang nötigte allen Respekt ab. Und brachten ihm den Beinamen „Ironman“ ein.

          Was im Peloton für ihn spricht, sagt Bölts, sei die Tatsache, „dass ich ganz gut den Berg hochfahren kann.“ Deshalb wird er in den Pyrenäen noch einmal eine Schlüsselfunktion einnehmen. Der Platz unter ferner liefen im Gesamtklassement - unbedeutend für ihn.

          Nie eine Rundfahrt abgebrochen

          Sein persönliches Ziel formuliert Bölts wie immer: „Paris erreichen, den Sponsor zufriedenstellen und die Mannschaft zu erfolgen führen.“ Mehr ist für Bölts nicht, mehr will er auch gar nicht. Er sei halt Helfer von Beruf, die Berufung für die ganz großen Erfolge überlässt er anderen. „Eventuell kann ich ein gutes Rennen gewinnen, aber die Tour war immer eine Nummer zu groß.“

          Seine beste Platzierung war 1994 Rang neun. Dass er auch gewinnen kann, hat er anderswo bewiesen. Deutscher Meister wurde er 1992 und 2000, die Königsetappe beim Giro d'Italia hat er ebenfalls 1992 gewonnen. Erinnerungen an seine Anfänge?

          Belastung fast unverändert

          „Mein erstes Rad war zehn Kilo schwer, wir waren noch nicht mit der Teamleitung über Funk verbunden, Puls und Trittfrequenz wurden nicht gemessen.“ An der sportlichen Herausforderung hat sich jedoch wenig geändert. „Ob Ernährung oder Belastung - da ist gar nicht so viel anders geworden“, sagt der zweifache Familienvater. „Du hast noch immer Lampenfieber, bist die Tage vorher angespannt.“

          Die Veränderungen macht einer der Frühaufsteher Bölts (Klöden: „Er ist immer der erste beim Frühstück.“) eher am Umfeld fest. „Die Tour wird viel besser vermarktet. Und das Medieninteresse wird immer größer.“ Bölts beschreibt das so: „Früher haben wir uns unter der offenen Heckklappe im Kofferraum des Mannschaftswagens umgezogen und keiner hat uns beobachtet. Heute ist überall großer Auflauf und nichts entgeht den Leuten.“

          „Wir haben viel von Frankreich gesehen“

          Es wird deutlich, dass er die Vorteile der Anonymität geschätzt hat („Da konnte man mit Journalisten reden, ohne dass gleich alles geschrieben wurde.“), die Entwicklung aber auch nicht für so schädlich hält. „Ich habe ja auch von dem Boom um Jan Ullrich profitiert.“ Sein Trainingsfleiß, seine Besessenheit haben sich somit auch ein bisschen ausgezahlt.

          Was er nächstes Jahr im Juli macht? „Weiß ich noch nicht. Ich habe immerhin auch schon zweimal Urlaub in Frankreich gemacht.“ Hat er von den Schönheiten der Landschaft auf seinen zehn Frankreich-Schleifen denn auch etwas mitbekommen? „Ja, man sieht sehr viel. Und man registriert das als Fahrer sehr wohl. Wir fahren ja nicht völlig blind durch die Gegend.“

          „Tour de France war für mich ein Stück Lebensinhalt“

          Im August wird Udo Bölts 35 Jahre alt, er wird sich von der Tour erholen, sich in Heltersberg um seine Frau und seine zwei Kinder kümmern können. Und er wird sich Gedanken machen müssen, über ein Gefühl, das er nicht wahrhaben will. „Im Juli daheim bei der Tour vor dem Fernseher sitzen - das werde ich noch verarbeiten müssen. Die Tour de France war für mich ein Stück Lebensinhalt.“

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