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Totilas : Freizeitpferd für Millionen

  • -Aktualisiert am

Aufgalopp: Reiter Matthias Rath mit Totilas 2011 in Kronberg Bild: dapd

Totilas galt einst als Wunderhengst im Dressursport. Dann verletzte er sich und taugte nur noch als Deckhengst. Nun riskieren seine Besitzer Ann-Kathrin Linsenhoff und Paul Schockemöhle alles für den Erfolg.

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          Es staubt. Von Totilas’ einst lackschwarz glänzendem Fell steigen Staubwolken in der von der Sonne beschienenen Stallgasse auf dem Kronberger Schafhof auf, als die Pflegerin dem entspannt auf der Stallgasse stehenden Rappen auf die Schulter klopft. Die getätschelte Schulter war einst bekannt für ihre außergewöhnliche Fähigkeit, raumgreifend und erhaben durch die Dressurvierecke dieser Welt zu traben.

          Die Grazie, mit der das frühere Wunderpferd seine Vorderbeine hoch nach oben ziehen konnte, ließ selbst hart gesottenen Pferdeleuten vor Bewunderung die Münder offen stehen. Totilas war das beste Dressurpferd der Welt. Seit eineinhalb Jahren hat ihn niemand mehr auf einem Turnierplatz gesehen. Er galt als verletzt; der Genesungsprozess als langwierig. Nun kündigt sein Trainer Klaus-Martin Rath das Comeback für das Frühjahr 2014 an.

          Jetzt soll es weitergehen. Die Erfolgsgeschichte des Ausnahmepferdes soll fortgeschrieben werden - mit dem im Sommer 2012 hinzugenommenen niederländischen Trainer Sjef Janssen, dessen Ausbildungsmethoden umstritten sind. Einige Fachleute halten sie für quälend für die Tiere. Mit seinem früheren Reiter, dem Niederländer Edward Gal, tanzte der vierbeinige Athlet Totilas von Erfolg zu Erfolg. Nach drei WM-Titeln kam 2010 das Aus für das Traumpaar. Der deutsche Pferdehändler Paul Schockemöhle hatte den Coup gelandet und das Spitzenpferd für vermutlich 10 Millionen Euro gekauft. Matthias Alexander Rath, Stiefsohn der Kronberger VDO-Erbin Ann Kathrin Linsenhoff, wurde in den Sattel gehoben, seine Stiefmutter beteiligte sich auch finanziell am Zauberhengst, ihr Ehemann wurde zum Trainer.

          Dressurpferde sind Kraftsportler

          Der Schafhof schien ideale Trainingsbedingungen zu bieten; Pferdeverstand und viel Erfahrung scharten sich nun um Totilas. Doch Pferde können sensibel auf veränderte Bedingungen und vor allem auf Reiterwechsel reagieren. Es gelang dem Team Linsenhoff/Schockemöhle nicht, den Wunderhengst in gleicher Form wie unter Edward Gal zu präsentieren. Die sicher geglaubten Medaillen blieben entweder aus, oder das Ergebnis blieb schmerzhaft hinter den Erwartungen zurück. Zuletzt hielt eine Reihe von Verletzungen das Pferd in der Box.

          Skeptischer Blick auf das Wunderpferd: Paul Schockemöhle (l) und Ann Kathrin Linsenhoff
          Skeptischer Blick auf das Wunderpferd: Paul Schockemöhle (l) und Ann Kathrin Linsenhoff : Bild: dpa

          Die Genesung gehe auch immer mit einigen Rückschritten einher, aber sie schreite voran, sagt Klaus-Martin Rath. Dressurpferde sind Kraftsportler. Die Grazie und Eleganz, die viele Zuschauer am Viereck so beeindruckt, sind hart erarbeiteten Muskelpaketen zu verdanken. Lange Galoppstrecken im tiefen Boden, Laufband, Longe, Schrittgehen und die eigentliche Dressurarbeit, in der vor allem Lektionen immer wieder geübt werden, gehören zum Training. Da die Genesung so langsam voranschreite, habe man mit dem Training noch nicht so richtig begonnen, erklärt der Totilas-Trainer Rath.

          Ein trainiertes Dressurpferd ist wegen seiner vielen Muskeln und der dadurch entstehenden Körperspannung normalerweise selbst auf der Stallgasse eine imposante Erscheinung. Doch der Rappe wirkt derzeit eher wie ein vergnügtes Freizeitpferd. Dabei gehörten imposante Muskeln zum Markenzeichen des Hengstes. Der beeindruckende Hals ist geschmolzen auf Normalniveau, die Hinterhand, die für den Schub und die Dynamik nach vorne zuständig ist, kann allenfalls als gut gepflegt gelten. Ein Athlet sieht anders aus. Fachgerechter Muskelaufbau, das wissen alle Pferdeleute, dauert viele Monate. Sehr viele. Im Sommer sind Weltmeisterschaften, davor liegen zahlreiche Qualifikationsturniere.

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