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Thanou und Kenteris : Legendäres Fluchtverhalten

  • -Aktualisiert am

Konstantinos Kenteris, Olympiasieger von 2000 über 200 Meter Bild: REUTERS

Für die beiden Leichtathleten Ekaterini Thanou und Konstantinos Kenteris, die sich mit dilettantischen Inszenierungen vor Dopingkontrollen drückten, gab es nun die späte Quittung.

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          Alles Lüge. Dass Lügen nämlich kurze Beine hätten. Wie weit man mit erfundenen Geschichten kommen kann, erzählt in diesen Tagen die Affäre Ekaterini Thanou und Konstantinos Kenteris. Sie kennen das schnelle Duo und dessen Phantasien nicht? Kein Wunder, deren Sturz ist ja auch schon fast sieben Jahre her. Das belegt schon mal die Eingangsthese. Allerdings ist der Hinweis auf den abrupten Abstieg des Duos eine falsche Tatsachenbehauptung, wie ein Athener Gericht feststellte: Thanou und Kenteris sind nämlich trotz aller Beteuerungen gar nicht gestürzt, zumindest nicht mit dem Motorrad, angeblich auf dem Weg zu einer Dopingkontrolle ins Olympische Dorf der Athener Sommerspiele 2004.

          Rückgabe der Startberechtigungen

          Für Kenner dieses Märchens kommt das Urteil nicht ganz überraschend. Thanou und Kenteris taugten nicht als Unfallopfer eifriger Bemühungen, auf zwei Rädern ja nur pünktlich beim Dopingtest einzutreffen. Dafür waren die beiden Sprinter zu oft bei entsprechenden Gegenbewegungen beobachtet worden. Spötter behaupteten sogar, schneller als verbotene chemische Beschleunigungsmittel habe den Olympiasieger von 2000 über 200 Meter und die Olympiazweite über 100 Meter nur das Erscheinen eines unbestechlichen Dopingfahnders gemacht. Das Fluchtverhalten des Pärchens war zweifellos legendär. Nur in Athen, unter den Augen der Götterväter, gab es kein Entrinnen. Und also diese Crash-Variante: Statt beim Kontrolleur landeten die Goldhoffnungen der Griechen im Krankenhaus, in einer Art Quarantänestation, abgeschirmt von besorgt wirkenden Ärzten, die – zum Schutze der Patienten selbstredend – jeglichen Kontakt zur Außenwelt verhinderten. Dabei hatten Journalisten nur fragen wollen, wo der Unfall denn geschehen sei, ob ihn jemand beobachtet habe, welche Verletzungen die beiden davon getragen hätten. Als klare Antwort gab es nur einen Hinweis: Die Rückgabe der Startberechtigungen.

          Was dann folgte? Die Fortsetzung eines Possenspiels vor Gerichten, gespickt mit allerlei Falschmeldungen, Hinhaltestrategien und haltlosen Attacken. Genutzt hat das Theater, eine Beleidigung für alle Verehrer des antiken griechischen Dramas, nichts. Thanou und Kenteris wurden, weil sie dreimal Dopingkontrollen davon sprinteten, von Sportrichtern für zwei Jahre gesperrt. Jetzt kommt noch die Quittung des Staates für die dilettantische Inszenierung hinzu. Zwar ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, aber der Richter hat das Ensemble hart angepackt. Die Laiendarsteller Thanou und Kenteris wurden wegen Meineides zu 31 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, ihr Trainer zu 33 Monaten sowie sechs Ärzte und zwei „Unfallzeugen“ zu mindestens einem halben Jahr. Die Bilanz nach Doping vor sieben Jahren lautet also: Kein Gold am Halse, viel Geld sowie alles Ansehen verloren und nun den Stempel „Krimineller“ vor Augen. Es kommt also nicht darauf an, wie weit die Lüge trägt, sondern wohin.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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