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Tennis : Wie, bitte, geht es eigentlich zur Weltspitze?

  • -Aktualisiert am

Noch'n Versuch: Boris Becker und sein Juniorteam Bild: dpa

Was ist ein Tennistalent? Eine gute Frage, die sogar Fachleute zunächst einmal so beantworten: mit einem langen Zögern.

          3 Min.

          Was ist ein Tennistalent? Eine gute Frage, die sogar Fachleute zunächst einmal so beantworten: mit einem langen Zögern. Und dann vielleicht mit dem Hinweis auf ein Turnier wie den "GEW Jüngsten Cup" in Köln, wo noch bis Sonntag die 230 mutmaßlich Weltbesten unter dem bis zu 14 Jahre alten Nachwuchs aus 56 Nationen um einen Silberpokal des einstigen Profiweltmeisters Hanne Nüsslein spielen. In den 26 Jahren des Turniers, das in Brühl bei Köln begann, sind darauf leuchtende Namen verewigt. Auch Boris Becker und Thomas Haas, Steffi Graf und Anke Huber. Frischer graviert glänzen eher Namen wie Magnus Norman, David Nalbandian, Guillermo Coria oder Lleyton Hewitt. Insofern beantwortet der Blick nach Köln die Frage nicht zufriedenstellend. Denn wo bleiben die deutschen Talente?

          Das fragt sich Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen auch. Ihm fällt derzeit meist nur ein Name ein: Maximilian Abel, der mit 20 Jahren in der Jahresweltrangliste ein Sprung über 500 Positionen bis Rang 156 schaffte. Öffentlichkeitswirksame Großtaten sind dem Jüngling noch nicht gelungen, aber immerhin hat der Teamchef hier das Gefühl, da habe einer verstanden, "was es heißt, Profi zu werden". Nämlich bereit zu sein, von einem gewissen Punkt an wirklich das Beste aus seiner Begabung machen zu wollen. Sich durchzubeißen. Das Verlieren zu hassen und danach noch entschlossener weiterzutrainieren. Was wohl auch für die Siebzehnjährigen Mischa Zwerew und Aljoscha Thron gilt, die gerade versuchen, den Durchbruch zu schaffen. Ist das die gültige Beschreibung eines Talents? Zumindest sind es die wichtigsten Kriterien, wenn sich die Athleten dazu entschlossen haben, ihr Spiel probehalber zum Beruf zu machen. Dem würde auch Peter Eickelmann zustimmen, verantwortlicher Trainer des Tennisverbandes Mittelrhein (TVM), des Veranstalters des Kölner Jüngstenturnieres. Ihn allerdings beschäftigt eher die Frage, wie der Nachwuchs überhaupt auf diese Stufe gelangen kann. Denn der Sprung, sagt Eickelmann, sei viel früher nötig. "Wir machen ganz gutes Training - bis sie 16 sind", sagt er. Danach, wenn sie sich international bewähren sollen, komme zu oft der Knick. Eickelmann käme nicht über die Lippen, über Widersprüche zwischen Vereins- und Verbandsarbeit zu jammern, über die Zwänge des Föderalismus oder das Fehlen schulischer Programme für Kaderspieler.

          Das warnende Beispiel

          Ralf Luckner dagegen, im Landesverband für Jugendarbeit zuständig, beklagt ganz offen das Beispiel des Björn Phau aus Weilerswist, der einst bei Eickelmann trainierte, als Spätentwickler mit 18 deutscher Meister wurde und zu den schönsten Hoffnungen Anlaß gab. Dann wurde das Mercedes-Team von Boris Becker aufmerksam, doch trotz intensiver Verabredungen funktionierte die Zusammenarbeit nie. Im neuen Team sollte Phau plötzlich die Technik umstellen - und versucht seitdem vergebens, die Höhen der Weltrangliste zu erklimmen.

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