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Tennis : Wer redet noch von Anna Kurnikowa?

  • -Aktualisiert am

Schön und gut: Maria Scharapowa Bild: dpa/dpaweb

Was das Starappeal angeht, ist Maria Scharapowa die legitime Nachfolgerin der schönen, aber erfolglosen Anna Kurnikowa. Das neue Glamourgirl des Tennis präsentierte sich in dieser Woche beim Turnier in Berlin.

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          Glaubt man den überschwenglichen Kommentaren auf ihren zahlreichen Internet-Fanseiten, dann sieht Maria Scharapowa besser aus als Anna Kurnikowa. Das ist natürlich, wie vieles im Leben, Geschmackssache. Aber unbestritten ist, daß die gertenschlanke 17jährige Russin mit ihrem hübschen Gesicht, dem Gardemaß von 1,83 Meter, den langen blonden Haaren und ihren endlos langen Beinen als Glamourgirl des Tennis eine hervorragende Figur macht.

          Bei den Ladies German Open in Berlin wurden die Matches des Starlets immer so angesetzt, daß der Fernsehsender Eurosport ihre ständige wachsenden Fangemeinde mit schönen Bildern und lauten Tönen bedienen konnte. Denn Maria Scharapowa ist nicht nur was das Starappeal angeht die legitime Nachfolgern von Anna Kurnikowa, sondern sie übertrifft mit ihrem lauten Stöhnen, Quieken und Kreischen bei jedem Schlag auch Monica Seles, eine weitere im sportlichen Ruhestand befindliche Kollegin, die in dieser Hinsicht lange als unumstrittene Spitzenreiterin galt.

          Alles-oder-Nichts-Hauruck-Taktik

          Doch leider meinen es die Tennisgötter es in diesem Jahr nicht sonderlich gut mit dem ums Überleben kämpfenden Damenturnier in Berlin. Am Mittwoch schied Maria Scharapowa bei der 25. Auflage der Veranstaltung im Grunewald mit 7:5, 4:6 und 1:6 im Achtelfinale gegen Jennifer Capriati aus; gegen eine Kollegin, die ihrer Arbeit relativ ruhig, dafür aber mit deutlichem Übergewicht nachgeht. Die Erfahrung der 28jährigen Amerikanerin, die seit vergangener Woche vom Schweizer Heinz Günthardt, dem ehemaligen Trainer von Steffi Graf, betreut wird, setzte sich - ganz wie es die Weltrangliste, die Jennifer Capriati auf Rang 8 und ihre junge Gegnerin auf 22 führt - gegen die Alles-oder-Nichts-Hauruck-Taktik des ungestümen Teenagers durch.

          „Ich bin in erster Linie Tennisspielerin”, sagt sie. So selbstverständlich ist das nicht

          Aber daß die Russin ihren Weg machen wird, ist für ihre Agentur International Management Group (IMG) eine ausgemachte Sache - und das nicht nur auf dem Tennisplatz. Maria Scharapowa ist nicht nur als Tennisprofi an die Vermarkter gebunden, sondern seit November letzten Jahres auch an die IMG Modellagentur. Noch betrachtet sie die Posen vor Kamera als Nebenjob. "Ich bin in erster Linie Tennisspielerin", betont Maria Scharapowa. Deshalb weist sie auch vehement alle Vergleiche mit ihrer Landsfrau Anna Kurnikowa weit von sich: "Ich habe schon zwei Turniere gewonnen."

          Seit frühester Jugend geschickt vermarktet

          Das waren zwar nur kleinere Veranstaltungen in Quebec City und Tokio, aber den Makel, wie ihre Vorgängerin nur schön, aber bei WTA-Turnieren erfolglos zu sein, ist sie damit los. Den Vergleichen mit der ehemaligen Top-Ten-Spielerin, die sich jetzt als Schauspielerin versucht, wird sie wohl nie entrinnen, zu groß sind die Parallelen. Auch sie wurde als Kind von ihren Eltern in die Tennis-Akademie von Nick Bollettieri in Bradenton gesteckt, auch sie wird seit frühester Jugend von IMG betreut und geschickt vermarktet. Und nun füllt sie die Lücke, die Anna Kurnikowa hinterlassen hat, perfekt aus.

          Bis dahin war es für Maria Scharapowa ein langer Weg, den zwei berühmte Tennisnamen ebneten. Ihre Eltern zogen nach der Tschernobyl-Katastrophe von Weißrußland nach Niagan in Sibirien, wo Maria am 19. April 1987 geboren wurde. Zwei Jahre später verlegte die Familie den Wohnsitz nach Sotschi am Schwarzen Meer, der Heimatstadt des russischen Profis Jewgeni Kafelnikow. Der Vater Kafelnikows schenkte der vierjährigen Maria das erste Racket. Sie bewies im Umgang damit so viel Talent, daß Martina Navratilova, die die damals Sechsjährige in Moskau auf den Ball prügeln sah, Vater Juri riet, mit der Tochter nach Amerika zu gehen.

          Mit tausend Dollar in der Tasche und ohne ein Wort Englisch zu beherrschen, machte er sich mit seinem siebenjährigen Sprößling auf den Weg in die Vereinigten Staaten, fand in IMG einen Gönner, der die 35.000 Dollar Jahresgebühr für die Tennisakademie übernahm. Der Vater schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. "Ich bin meinen Eltern dankbar für die Entscheidung, die sie für mich getroffen haben", sagte sie in Berlin. Und Vater Juri, der offiziell zusammen mit Richard Lansdorp immer noch als Trainer fungiert und seine Tochter überall hin begleitet, muß sich längst nicht mehr um sein Auskommen sorgen.

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