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Tennis : "Vielleicht ist Belgien zu klein für beide"

  • -Aktualisiert am

Gegenspielerinnen: Henin (l.) und Clijsters Bild: dpa/dpaweb

Zum Wohle des heimischen Tennis: Die Belgierinnen Kim Clijsters und Justine Hénin-Hardenne versichern in Leipzig, daß sie künftig nicht mehr streiten wollen.

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          Es ist ein bißchen wie in einem Arztroman, wo es um die ganz großen Gefühle geht und wo sich Freundschaft und Feindschaft kapitelweise abwechseln. Im Moment durchleben die beiden belgischen Tennisspielerinnen Kim Clijsters und Justine Hénin-Hardenne ein harmonisches Beziehungskapitel. Sagen sie zumindest. "Ich schätze Kim sehr", berichtete Justine Hénin-Hardenne beim Grand-Prix-Turnier in Leipzig. "Sie ist eine würdige Nummer eins, sie steht verdient oben." Und Kim Clijsters gab im verwinkelten Presseraum unterm Hallendach höflich zurück: "Wir sind gute Freundinnen."

          Überraschende Worte sind das nach dem heftigen Streit, der bei den US Open vor rund zwei Wochen entbrannt war. Leo Clijsters, Vater der Weltranglisten-Ersten Kim Clijsters, hatte nach der Finalniederlage seiner Tochter gegen Justine Hénin-Hardenne der belgischen Zeitung "Het Laatse Nieuws" gesagt: "Soll ich Ihnen verraten, warum Justine Kim öfters besiegt? Weil sie ihre Muskelmasse verdoppelt hat und jetzt einen Arm besitzt wie Serena Williams. Das ist der große Unterschied - und nicht was im Kopf von Justine oder im Kopf von Kim passiert."

          "Mein Körper ist sauber. Ich habe nie gedopt"

          Leo Clijsters vermied einen expliziten Dopingvorwurf gegen Justine Hénin-Hardenne, machte aber dennoch eine eindeutige Anspielung: "Eigenartig, wie schnell sie ihre Muskeln aufgebaut hat." Unterstützung bekam Leo Clijsters von Filip de Wulf, einem ehemaligen Tennisprofi aus Belgien. De Wulf, einst French-Open-Halbfinalist und heute Journalist, sagte: "Ich kann natürlich nichts beweisen. In meiner aktiven Zeit habe ich auch Gewichte gestemmt, aber ich hatte niemals einen solchen Zuwachs." Öffentliche Zweifel äußerte auch Wim Vandeven, Konditionstrainer der Belgierin Els Callens. Er verglich Justine Hénin-Hardennes zierlichen Körperbau mit dem der Ex-Spielerin Dominique van Roost: "In einem Jahr hat Justine Fortschritte gemacht, für die van Roost zu ihrer Zeit drei bis fünf Jahre gebraucht hat. Justine muß eine sehr gute medizinische Betreuung haben."

          Konfrontiert mit den Vorwürfen, reagierte Justine Hénin-Hardenne mit einem klaren Dementi: "Mein Körper ist sauber. Ich habe nie gedopt." Damit stand Aussage gegen Aussage - doch diese Pattsituation konnte nicht verhindern, daß der Konflikt zwischen der Nummer eins der Welt, Kim Clijsters, und der Nummer zwei, Justine Hénin-Hardenne, tagelang die Medien in Belgien beschäftigte. Selbst bis nach Leipzig war der Zoff der zwei Landsfauen gedrungen. Eine Boulevard-Zeitung empfing die beiden mit der Schlagzeile: "Hénin gegen Clijsters: Zickenduell". Offenbar haben jetzt sowohl die Flämin Kim Clijsters als auch die Wallonin Justine Hénin-Hardenne Handlungsbedarf erkannt. Ohne den Disput in der Sache zu lösen, verkündeten beide in Leipzig einen Friedensschluß. "Ich habe keine Probleme mehr mit Kim. Wir sind erwachsen genug", sagte Justine Hénin-Hardenne. Kim Clijsters spendierte ein Kompliment: "Justine war zuletzt besser als ich." Für eine gemeinsame Pressekonferenz war die neue Harmonie wohl noch zu jung; Clijsters und Hénin-Hardenne gaben ihre Statements getrennt voneinander.

          Die Sorge um den Ruf Belgiens eint beide Lager

          Die Entzerrung des von Eifersüchteleien geprägten Verhältnisses ist auch im Sinne von Leo Clijsters. Er, der die Doping-Debatte entfachte, versucht sie schnell wieder zu ersticken. Leo Clijsters telefonierte mit Hénin-Hardennes Trainer Carlos Rodriguez und vermeldete hernach ein positives Gesprächsergebnis: "Wir haben uns im guten getrennt. Die Geschichte muß ein Ende haben zum Wohle des belgischen Tennis." Die Sorge um den Ruf des Tennissports im eigenen Land eint die beiden Lager. Kim Clijsters ist bemüht, den Streit nur noch als Medienphänomen deuten. "Da wurde viel aufgebauscht", sagt sie. "Vielleicht ist Belgien zu klein für uns beide."

          In Leipzig jedenfalls trennt die beiden weltbesten Tennisspielerinnen ein komfortabler Sicherheitsabstand. Frühestens im Finale am Sonntag sieht man sich; dafür sorgt das Tableau. Sowohl Clijsters als auch Hénin wurden für die erste Runde mit einem Freilos bedacht. Ihre Zweirundenspiele gewannen sie dann beide souverän. Kim Clijsters schlug Jelena Dokic aus Serbien und Montenegro mit 6:3 und 6:4, und Justine Hénin-Hardenne machte bei ihrem Zweisatzsieg (6:1, 6:2) gegen die Tschechin Denisa Chladkova noch kürzeren Prozeß. Im Viertelfinale besiegte Kim Clijsters am Freitag dann die Schweizerin Patty Schnyder 6:1, 6:3. Justine Hénin-Hardenne gewann danach 6:2, 6:4 gegen Els Callens, eine weitere Belgierin.

          Sollten beide das Endspiel erreichen, wird es am Sonntag abermals zu einem Schlagabtausch der beiden Rivalinnen Kim Clijsters und Justine Hénin-Hardenne kommen. Allerdings nur mit dem Tennis-Racket - das haben sich die neuen Freundinnen versprochen.

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