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Tennis-Standort Deutschland : Wieviel Zukunft gibt es für wenig Geld?

  • Aktualisiert am

Das deutsche Tennis probt den Spagat Bild: dpa

Nach der Aufgabe des Damen-Turniers am Rothenbaum stehen nun auch die German Open in Berlin zur Disposition. Das deutsche Tennis probt den Spagat.

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          Unstimmigkeiten mit den Herren ist der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Georg von Waldenfels, ja mittlerweile gewohnt, doch seit dem angestrebten Verkauf des Damen-Turniers vom Rothenbaum, laufen nun auch die Damen Sturm gegen den Verband. Doch richtig etwas entgegen zu setzen haben sie nicht - auch die 0:5-Niederlage im Fedcup gegen Spanien war da nicht hilfreich. Die Zeiten haben sich einfach verschlechtert.

          Das Fedcup-Viertelfinale fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, keine Spiele mehr am Rothenbaum, die German Open in Berlin auf der Kippe: Mit Damen-Tennis ist seit dem Abgang von Steffi Graf und Anke Huber in Deutschland kein Staat mehr zu machen. Natürlich geht das nicht spurlos an den Beteiligten vorbei. Es sei das „falsche sportliche Signal“ kritisierte Damen-Bundestrainer Markus Schur den geplanten Verkauf des Hamburger Turniers.

          Anspruch und Realität

          „Ich könnte mir vorstellen, dass das Turnier mit etwas mehr Engagement zu retten gewesen wäre“, glaubt Barbara Rittner. Den Präsidenten des Deutschen Tennis Bundes (DTB) bringen derlei Aussagen auf die Palme. „Wer so redet, hat keine Ahnung von der Materie“, sagte Georg von Waldenfels am Rande des Fedcups auf Mallorca.

          DTB-Präsident Georg von Waldenfels in Finanznot
          DTB-Präsident Georg von Waldenfels in Finanznot : Bild: dpa

          Dass das Fernsehen nicht einmal eine Zusammenfassung vom Viertelfinal-Aus gegen Spanien zeigte, ärgerte auch ihn. Doch der Spitzenfunktionär arbeitet derzeit fieberhaft auf ganz anderen Baustellen. „Unser Hauptthema ist, die zwei Spitzenturniere in Deutschland zu halten.“ Für das Herrenturnier am Rothenbaum engagierte der DTB in Boris Beckers Firma BCI gerade den vermeintlichen Retter.

          Tennis unter dem Aspekt finanzieller Möglichkeiten

          Für die German Open der Damen in Berlin rennt Waldenfels quer durchs Land. „Wir setzen alles daran, dieses Turnier zu halten.“ In trockenen Tüchern ist allerdings noch gar nichts. „Die Turniere müssen sich selbst tragen, und das tun sie nicht“, spricht der DTB-Präsident bewusst im Plural. Durch den Konkurs des Tennis-Vermarkters ISL fehlen dem Verband rund 10 Millionen Dollar pro Jahr, zudem drückt den DTB die hauptsächlich aus dem 25 Millionen Euro teuren Ausbau des Rothenbaum-Stadions resultierende Schuldenlast.

          „Ich kann nur für etwas gerade stehen, für das auch die Finanzierung steht“, kündigt Waldenfels einen rigorosen Sparkurs an. Und der greift zuerst die sportlichen Belange an. Bundestrainer Schur bietet sich nun wieder eine Möglichkeit weniger, den Nachwuchs mit Wildcards an höhere Aufgaben heranzuführen. Ein Problem, was sich dann jedoch wieder zukunftsweisend auswirken wird.

          Währenddessen beklagt Barbara Rittner vor allem den Traditionsverlust durch den Verkauf des Turnieres am Rothenbaum:„Ich bin supertraurig, denn ich habe zehn Jahre dort gespielt. Hamburg ist nicht irgendein Turnier. Dort ist die Tennis-Basis in Deutschland. Und für uns Spielerinnen gibt es nichts Schöneres, als die Sandplatz-Saison in Hamburg und Berlin zu beginnen.“ Doch nun soll die Veranstaltung für rund 2,5 Millionen Dollar verkauft werden - vermutlich nach Doha, „wo das Geld sitzt“, bemerkt Barbara Rittner angesäuert.

          Zweckoptimismus ist angesagt

          Den Ärger versteht Waldenfels, er Ausweg sieht er dennoch nicht. „Uns ist es nicht leicht gefallen, das Turnier aufzugeben. Und das ist auch kein Ruhmesblatt für den Tennis-Standort Deutschland“, sagt Waldenfels. Das neue Motto von Waldenfels heißt: „Sparen ist immer auch eine Chance.“

          Bis Oktober soll das Finanzierungskonzept für die Zeiten fast leerer Kassen stehen. „Wir werden sehen, was sich der DTB dann noch leisten kann. Auf jeden Fall wird es total anders aussehen.“ Das Krisenmanagement hofft der Präsident so in den Griff zu kriegen, dass er sich beim Verbandstag im November in Berlin der Wiederwahl stellen kann. „Noch bin ich bereit dazu“, kündigt Waldenfels an.

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