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Tennis : Primadonna aus der Kurnikowa-Fabrik

  • -Aktualisiert am

Tennis-Model: Maria Scharapowa Bild: dpa/dpaweb

Die Garde der russischen Tennis-Glamourgirls geht ihren Weg, allen voran Maria Scharapowa. Hinter der Fassade des Starlets steckt jedoch eine ernsthafte Sportlerin, die selbstbewußt sagt: "Ich glaube, daß Platz eins für mich kein Traum ist."

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          Der Name für das Phänomen ist schon gefunden: "die Kurnikowa-Fabrik". Denn das russische Tennis gleicht einer nimmer versiegenden Quelle, der immer wieder junge Mädchen entsteigen, die nicht nur auf dem Court eine gute Figur machen, sondern die auch auf jeden Laufsteg passen würden. Und man fragt sich: Sind das professionelle Tennisspielerinnen, die wie Models aussehen oder sind es vielleicht Models, die nebenher Tennis spielen?

          Für Anna Kurnikowa, das Vorbild aller russischen Tennis-Glamourgirls, scheint die Frage beantwortet. Nach vielen Verletzungen taucht die 22jährige Russin kaum mehr auf Tennisplätzen, dafür umso mehr in bunten Blättern und Hochglanzmagazinen auf. Dafür sorgen ihre Nachfolgerinnen in Wimbledon für Furore. Gleich sechs stehen in der dritten Runden - eine stolze Bilanz, wenn man bedenkt, daß vom größten Tennisverband der Welt, dem Deutschen Tennis Bund, keine einzige Spielerin unter die letzten 32 des Rasenturniers im Südwesten von London vordrang.

          Maria Scharapowa, 1,75 Meter groß, 50 Kilo, blondes Haar

          Doch der sportliche Erfolg von Anastasia Myskina (10. der Weltrangliste), Elena Dementjewa (16.), Vera Zwonorewa (17.), Nadja Petrowa (27.), Swetlana Kuznetsowa (34.) und Maria Scharapowa (91.) interessierte kaum jemanden groß, trüge diese schlagstarke Damenriege nicht auch noch eine interne Schönheitskonkurrenz aus. Die Siegerin haben Fans und Medien schon gefunden: Maria Scharapowa, 1,75 Meter groß, 50 Kilo, blondes Haar. Die Sechzehnjährige, die aufgrund ihres Star-Appeals eine Wildcard erhielt, hat Wimbledon nicht nur zur neuen Schönheitskönigin, sondern auch zur "Queen of Scream" gekürt. Denn die gertenschlanke junge Frau hat das im Damentennis übliche Stöhnen auf eine neue Lautstärke und eine bisher nicht gekannte Tonhöhe getrieben. Jeden ihrer flachen, also ohne viel Topspin geschlagenen Grundschläge begleitet sie mit Geräuschen, die man freundlich mit einem schrillen Quieken beschreiben könnte.

          Maria Scharapowa ist eben nicht nur schwer zu übersehen, sondern sie macht auch laut und deutlich von sich reden - und das nicht nur mit Nebengeräuschen. In der ersten Runde deklassierte sie die 18jährige Ashley Harkleroad, die als "Britney Spears" des Tennis, mithin als amerikanische Antwort auf die russischen Schönheitsköniginnen aufgebaut wird, in zwei Sätzen. In der zweiten Runden machte sie mit ihrer Landsfrau Elena Bowina, der 22. der Weltrangliste, in 59 Minuten 6:3 und 6:1 ebenso kurzen Prozeß.

          „Ich bleibe am Boden“

          Die beiden Landsfrauen, die sich am Donnerstag auf dem überfüllten und von Heerscharen von Fotografen umlagerten Court 18 bekämpften, sind den im russischen Damentennis mittlerweile üblichen, von Anna Kurnikowa vorgezeichneten Weg gegangen. Als Kind haben sie ihre Heimat verlassen und in der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri in Florida das Einmaleins ihres Sports gelernt. Maria Scharapowa, die im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern nach Sotschi am Schwarzen Meer umzog, wagte den Schritt gar schon im zarten Alter von sechs Jahren. Mittlerweile pendelt sie zwischen Kalifornien, wo sie bei Richard Lansdorp, dem ehemaligen Coach von Tracy Austin, trainiert, und Rußland hin und her. "Ich habe mein halbes Leben in Amerika verbracht", sagt sie in ihrem akzentfreien amerikanischen Englisch, "das hat großen Einfluß auf mich. Aber ich bleibe am Boden und ich weiß, daß ich in meinem Innersten Russin bin."

          Aber die Mechanismen des Showgeschäfts ihrer zweiten Heimat hat der Teenager schon begriffen. Auf dem Platz bevorzugt sie ein knappes, sexy Outfit, das ihre körperlichen Vorzüge ins rechte Licht setzt. Bei ihren Ausflügen außerhalb des Tennisgeländes an der Church Road verkleidet sie sich mit Sonnenbrille und Hut. Aber hinter der Fassade des Starlets steckt auch eine ernsthafte Sportlerin, die mit amerikanischem Selbstbewußtsein sagt: "Ich glaube, daß der Platz eins in der Weltrangliste für mich kein Traum ist." Maria Scharapowa als Primadonna der Branche - das wäre ein Traum für die Marketing-Fachleute des Damentennis.

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