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Tennis-Kommentar : Lächerliches Preisgeld

  • -Aktualisiert am

Habe die Ehre: Andre Agassi zieht den Hut Bild: REUTERS

300.000 Dollar Antrittsgeld für Andre Agassi, 150.000 für Andy Roddick - im Vergleich zu den insgesamt 600.000 Dollar Antrittsgelder, die beim ATP-Turnier in San Jose gezahlt werden, nehmen sich 380.000 Dollar Preisgeld und 52.000 Dollar für den Sieger geradezu lächerlich aus.

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          Wahrscheinlich hätte von dem Tennisturnier in San Jose in Nordkalifornien hierzulande kaum jemand groß Notiz genommen, wenn dort nicht Thomas Haas in der Nacht zum Mittwoch sein Comeback nach 15 Monaten Verletzungspause gestartet hätte. Dabei hat das Turnier viel Aufmerksamkeit verdient - allerdings nicht nur aus sportlichen Gründen. Das ATP-Turnier im Silicon Valley in einer nach einem Computerhersteller benannten Arena ist mit 380000 Dollar Preisgeld eines der kleinsten der insgesamt 64 Männerturniere. Und doch weist die Veranstaltung ein Feld auf, das Turniere, die viel mehr Preisgeld ausloben, neidisch werden läßt. Die zehn besten Amerikaner mit dem Weltranglistendritten Andy Roddick und dem auf Platz fünf geführten Titelverteidiger Andre Agassi an der Spitze, gefolgt von den Jungstars James Blake, Robby Ginepri, Mardy Fish und Taylor Dent, stehen alle im 32 Spieler umfassenden Hauptfeld.

          Tom Ross, als Vizepräsident bei Octagon unter anderem für die Vermarktung von Lleyton Hewitt und Ginepri zuständig, machte gegenüber dem Lokalblatt San Jose Mercury News kein Geheimnis daraus, wie man ein solch großes Feld mit so kleinem Preisgeld lockt: "Es sind die Prinzipien des freien Marktes. Nicht das Preisgeld bestimmt, wer mitspielt, sondern das Antrittsgeld." Auch Turnierdirektor Jim Rapp spricht ganz offen über die Prinzipien des Spielermarktes: "Es ist wie an der Börse. Alles ist verhandelbar." Rapp erinnert sich, wie er im Sommer 2002 den damals in einer tiefen Krise befindlichen Pete Sampras für ein Schnäppchen von Antrittsgeld verpflichtete. Doch kaum hatte Sampras überraschend die US Open gewonnen, kam schon der Anruf von Sampras' Agenten: "Wir müssen den Vertrag neu verhandeln." Rapp blieb hart, Sampras zog seine Meldung eine Woche vor Turnierbeginn zurück.

          Über die Summen, die Rapp diesmal ausschüttete, schwieg er, aber er dementierte die üblichen, in der Branche bestens bekannten Zahlen für das sogenannte "appearance money" oder die "guarantees" auch nicht: 300000 Dollar für Andre Agassi, 150000 Dollar für Andy Roddick - und jeder Kenner kann sich leicht ausrechnen, daß Rapps Etat für diese Handgelder in diesem Jahr bei mindestens 600000 Dollar liegt. Man muß sich dieses Mißverhältnis einmal vor Augen führen: 380000 Dollar Preisgeld, 600000 Dollar Antrittsgeld.

          Heute hat man sich längst mit der Realität abgefunden. In den Regularien der ATP Tour gibt es zwar ein Verbot von Handgeldern bei der Masters Serie und Turnieren der International Series Gold, zu denen das Stuttgarter Weissenhof-Turnier zählt, doch Strafen wurden nur einmal vor vielen, vielen Jahren gegen den Argentinier Guillermo Vilas verhängt. Da San Jose ganz offiziell unter der Hand zahlen darf, steht dort der große Gewinner schon jetzt fest: Andre Agassi kann mit 300.000 Dollar in der Tasche über das erste Preisgeld von 52.000 Dollar vermutlich nur müde schmunzeln.

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