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Tennis in Wimbledon : Kerber schlägt Scharapowa

  • -Aktualisiert am

Die Überraschung ist geschafft: Angelique Kerber bezwingt Maria Scharapowa. Bild: AP

Am Ende war es reine Nervensache: Mit einem Drei-Satz-Sieg gegen die Russin zieht Angelique Kerber ins Viertelfinale ein. Sabine Lisicki setzt sich gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa durch.

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          Monatelang stand Angelique Kerber im Schatten ihrer lieben Kolleginnen, wochenlang schien es so, als geriete die beste deutsche Tennisspielerin allmählich ins Hintertreffen. Ihre Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic überraschte bei den French Open, wo sie Anfang dieses Monats im Halbfinale stand; ihre Landsfrau Sabine Lisicki zog in den ersten Tagen von Wimbledon alle Blicke auf sich, weil sie nach einer einjährigen Durststrecke zu ihrer alten Stärke auf dem Londoner Rasen zurückfand.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer sich angesichts dieser Entwicklung gefragt hatte, was macht eigentlich Angelique Kerber, der bekam am Dienstag eine Antwort, wie sie nachdrücklicher, besser und überzeugender nicht hätte ausfallen können: In einem hochklassigen Achtelfinalmatch besiegte die Kielerin die Russin Maria Scharapowa 7:6 (7:4), 4:6 und 6:4, überstand erstmals seit zwei Jahren wieder die vierte Runde bei einem Grand-Slam-Turnier und beendete zugleich die Hoffnungen der Russin, nach dem jüngsten Titel bei den French Open auch in Wimbledon zum zweiten Mal zu triumphieren.  „Es ist unglaublich“, sagte die Weltranglistenneunte nach ihrem Coup, der ihr ein Viertelfinalduell mit der aufstrebenden Kanadierin Eugenie Bouchard an diesem Mittwoch bescherte: „Ich habe gekämpft und nur auf mich konzentriert.“

          Dass Angelique Kerber der Rasen ähnlich gut liegt wie Sabine Lisicki, die nach ihrem 6:3, 3:6 und 6:4-Erfolg gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa zum fünften Mal nacheinander in ein Wimbledon-Viertelfinale einzog, hat sie schon mehrmals bewiesen. Vor zwei Jahren stand sie an der Church Road im Halbfinale, vor zwei Wochen erreichte sie beim Rasenturnier in Eastbourne das Finale und setzte damit ein Ausrufezeichen, das weithin unbemerkt blieb. „Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren, jetzt kann ich nur noch gewinnen“, sagte die Sechsundzwanzigjährige, nachdem ihr nach 2:37 Stunden Spielzeit beim siebten Matchball zugute gekommen war, dass Maria Scharapowa eine Rückhand verschlug. „Angie hat das Spiel ihres Lebens gemacht“, lautete das Lob von Bundestrainerin Barbara Rittner, die es eigentlich gewohnt ist, dass ihre deutschen Damen stets aufs Neue auftrumpfen.

          Durchgebissen: Sabine Lisicki schafft den Sprung unter die letzten Acht.

          Das Tableau der Damenkonkurrenz gibt es sogar her, dass wie im
          vergangenen Jahr eine Deutsche am Samstag im Wimbledon Endspiel steht. Für ein rein deutsches Halbfinalduell müssten Angelique Kerber und Sabine Lisicki allerdings ihre Matches an diesem Mittwoch gewinnen. Die Kielerin hat an die Kanadierin Eugenie Bouchard keine guten Erinnerungen, sie ging jüngst in Paris sang- und klanglos 1:6 und 2:6 unter. „Es ist ein gutes Gefühl, dass man so schnell die Chance auf Revanche hat“, sagte die Fed-Cup-Spitzenkraft, die sich nun gefestigter sieht als beim letzten Duell vor einem Monat: „Mal schauen, wie lange die Reise hier noch geht.“

          Während Angelique Kerber eine stark aufspielende Gegnerin mit noch größerem Willen und noch größerer Widerstandskraft übertrumpfte, sicherte sich Sabine Lisicki ihr Viertelfinale mit einer  vergleichsweise enttäuschenden Leistung. Nach sage und schreibe zwanzig Doppelfehlern gegen Jaroslawa Schwedowa führt die Berlinerin mit nunmehr 33 Doppelfehlern in vier Spielen eine der unrühmlichsten Tabellen dieser All England Championships an. Dass Sabine Lisicki trotz ihrer Aufschlagschwäche ihr Achtelfinalmatch gewann, sagt ein wenig über Nervenstärke und Kampfeswillen der Deutschen aus und viel über die Verwertungsschwäche der Weltranglisten-65. aus Kasachstan. „Heute hatte ich etwas Glück, dass mir die Gegnerin ein paar Geschenke gegeben hat bei meinen Aufschlagspielen“, sagte  Lisicki. Ihre  nächste Gegnerin, die rumänische Weltranglistendritte Simona Halep, ist nicht dafür bekannt, eine Aufschlagschwäche  zu verzeihen.

          Lisicki kämpft sich durch - trotz Behandlungspause

          Sabine Lisicki sorgte allerdings auch noch in anderer Hinsicht für
          Diskussionsstoff. Beim Stand von 1:1 und Breakball für Schwedowa verließ die Berlinerin im dritten Satz ihre Aufschlagposition ließ sich von einer Physiotherapeutin an der Schulter behandeln. Nach einer kurzen Massage schien die Blockade im Rücken gelöst - alles wieder gut; sie gewann prompt das Spiel und nach 1:59 Minuten auch das ganze Match.  „Es war ein unglücklicher Zeitpunkt“, gab Sabine Lisicki zu. Angeblich hatte sie bereits Minuten vorher nach medizinischer Hilfe gerufen. Am Ende biss sie sich erfolgreich durch - wie die kämpferische Kollegin Angelique Kerber bei ihrem Coup.

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