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Tennis : Ganz Belgien freut sich für Justine Henin

Erster Grand-Slam-Sieg für Justine Henin-Hardenne Bild: dpa/dpaweb

Einen Tag nach dem 6:0- und 6:4-Erfolg von Justine Henin-Hardenne im Endspiel der French Open gegen ihre Landsfrau Kim Clijsters zeigte sich, wie wichtig den Belgiern dieser Erfolg war. Rund 10 000 Fans waren auf die Grande Place in Brüssel gekommen, um der ersten belgischen Grand-Slam-Siegerin zuzujubeln.

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          Jacques Rogge sollte recht behalten. "Dieser Erfolg gibt Belgien etwas vom sportlichen Ruhm der Tage von Eddy Merckx zurück", sagte der belgische Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Das war nach dem Einzug von Justine Henin-Hardenne und Kim Clijsters in das Finale der French Open, die damit erstmals für ein rein belgisches Endspiel bei einem Grand-Slam-Turnier gesorgt hatten. Im Jubel darüber spielten sogar die bis zur Absurdität gepflegten Gegensätze zwischen Wallonen und Flamen keine Rolle. Am Sonntag, einen Tag nach dem 6:0- und 6:4-Erfolg von Justine Henin-Hardenne, zeigte sich, wie wichtig den Belgiern dieser Erfolg war. Rund 10 000 Fans waren auf die Grande Place in Brüssel gekommen, um der ersten belgischen Grand-Slam-Siegerin zuzujubeln. Ähnlich sind in Belgien bislang tatsächlich nur Eddy Merckx und die Fußball-Nationalmannschaft nach ihrem überraschenden vierten Platz bei der Weltmeisterschaft 1986 empfangen worden.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ein weiterer großer emotionaler Moment für die kleine Belgierin, die Großes erreicht hat. Wie schwer der Weg dahin für sie tatsächlich war, weiß nur Justine Henin-Hardenne. Das Wenige, was sie darüber erzählt, läßt nur erahnen, welche Hindernisse sie alle überwinden mußte, ehe sie ganz oben stand. Doch ihren bislang größten Triumph hatte sie noch in Paris sofort relativiert. "Tennis ist meine Leidenschaft, meine Passion, mein Beruf. Aber es gibt im Leben Wichtigeres als ein Tennisspiel. Und der schönste Tag in meinem Leben war ganz sicher mein Hochzeitstag."

          Möglicherweise würden da viele Eheleute zustimmen. Aber Justine Henin-Hardenne ist während der French Open erst 21 Jahre alt geworden, und daß sie so außergewöhnlich früh im vergangenen Jahr ihren langjährigen Freund Pierre-Yves Hardenne geheiratet hat, sagt einiges über ihr Leben. "Meine Familie und meine Freunde sind mir wichtig", sagt sie, und zu den besten Freunden zählt vor allem ihr Trainer Carlos Rodriguez. Er trainiert sie, seitdem sie 14 Jahre alt ist, und Justine Henin-Hardenne sagt über ihn: "Er ist ein Trainer, ein Freund, er ist wie ein Vater, wie ein Bruder. Er ist alles für uns, auch für Pierre-Yves."

          Mit ihrem leiblichen Vater hat Justine Henin-Hardenne seit mehr als zwei Jahren keinen Kontakt mehr. "Manchmal muß man Entscheidungen in seinem Leben treffen, auch wenn sie hart sind. Und meine Entscheidungen waren richtig", sagt sie und wirkt dabei so viel älter als ihre Altergenossen. Aber sie klingt nicht mehr so verbittert wie noch vor zwei Jahren, als sie in Wimbledon erstmals ein Grand-Slam-Finale erreicht hatte. "Sie wirkt viel glücklicher als früher", sagt die ein Jahr jüngere Kim Clijsters, die sich nach ihrer Endspielniederlage sogar für ihre Kollegin zu freuen schien.

          Den Sieg widmete Justine Henin-Hardenne ihrer 1994 verstorbenen Mutter Françoise. Zwei Jahre vor deren Tod hatten sie gemeinsam die French Open und das Finale zwischen Steffi Graf und Monica Seles besucht, und die Elfjährige hatte der Mutter prophezeit, daß sie eines Tages selber da unten stehen und vielleicht gewinnen würde. Das gelang ihr 1997 schon bei den Juniorinnen, am Samstag aber erfüllte sich ihr Traum richtig. "Als ich heute aufgestanden bin, habe ich gedacht: Du muß gewinnen, du mußt es für deine Mami tun."

          Daß sie es unter diesen Voraussetzungen tatsächlich schaffte, spricht vor allem für ihre mentale Stärke. Aber Justine Henin-Hardenne hat in Zeiten des vor Kraft nur so strotzenden Spiels ihrer Gegnerinnen auch bewiesen, daß eine körperlich unterlegene Spielerin trotzdem gewinnen kann. Ihre Rückhand wurde seit Jahren als die beste Rückhand im Tennis gerühmt - selbst die meisten männlichen Kollegen beneiden sie um diesen Schlag wegen seiner technischen Perfektion. Aber mit ungeheurem Einsatz hat die nur 57 Kilogramm schwere Belgierin in den vergangenen Monaten daran gearbeitet, ihre Schwächen aufzuarbeiten. Daß es ihr gelang, mußte sogar Serena Williams im Halbfinale anerkennen - ihre einen Kopf kleinere Gegnerin schlug genauso hart auf. "Ich bin nicht so groß und im Grund nicht so stark, aber ich kann gewinnen. Das macht mich stolz", sagt Justine Henin-Hardenne. Tennisspiele aber werden auch im Kopf entschieden - und da scheint derzeit keine stärker als die French-Open-Siegerin.

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