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Tennis - French Open : Hungrig oder sportlich vorbelastet?

Erleichtert: Maria Scharapowa hat es in Paris geschafft. Bild: REUTERS

Die Plazierungen der russischen Spielerinnen in der Weltrangliste entwickeln sich fast ausnahmslos in eine Richtung: nach oben. Auch die French Open bestätigen diesen Trend: Neben drei Amerikanerinnen sind auch drei Russinnen im Viertelfinale an diesem Dienstag vertreten.

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          pep. PARIS. Früher oder später wird eine von ihnen ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Das ist keine gewagte Prognose, auch wenn noch nie eine russische Tennisspielerin eines der vier größten Turniere der Welt gewonnen, geschweige denn ein Finale erreicht hat. Aber daß es bald soweit ist, wird immer wahrscheinlicher. Die Plazierungen der russischen Spielerinnen in der Weltrangliste entwickeln sich fast ausnahmslos in eine Richtung: nach oben. Auch die French Open bestätigen diesen Trend: Neben drei Amerikanerinnen sind auch drei Russinnen im Viertelfinale an diesem Dienstag vertreten.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          "Es gibt viele Spielerinnen bei uns, und jede will besser sein als die andere", hatte Shamil Tarpichew, der Präsident des russischen Tennisverbandes, vor einem Jahr gesagt, als Vera Zwonarewa und Nadia Petrowa das Viertelfinale in Roland Garros erreichten. Das durfte der Rest der Welt schon als Drohung verstanden wissen, und mittlerweile weiß jeder, daß Tarpichew recht behalten hat. Zwonarewa und Petrowa scheiterten in Paris in der ersten Woche, und die Kolleginnen Maria Scharapowa, Elena Dementiewa und Anastasia Miskina füllten die vermeintliche Lücke mehr als aus. Ohnehin haben die schon lange als kommende Macht im Damentennis eingeschätzten Russinnen seit dem Vorjahr die größten Sprünge in der Weltrangliste gemacht: Miskina verbesserte sich um sechs Plätze auf Rang 5, gefolgt von Petrowa (+ 86 Plätze auf Rang 8), Dementiewa (+ 3 Plätze auf Rang 10), Swetlana Kuznetsowa (+ 25 Plätze auf Rang 11), Zwonarewa (+ 9 Plätze auf Rang 13) und Scharapowa (+ 118 Plätze auf Rang 20). Insgesamt stehen zehn Russinnen unter den besten 50 besten Spielerinnen der Welt - mehr als aus jeder anderen Nation.

          Nach Gründen für diesen Aufschwung mußte nicht lange gesucht werden, nach gängiger Meinung liegt er auf der Hand. "Sie haben ja nicht viel in ihrem Land, und deshalb sind sie hungrig. Sie wollen mit aller Macht etwas erreichen", sagt Marlene Weingärtner, die sich als letzte Deutsche beim 3:6 und 1:6 gegen Maria Scharapowa in der vierten Runde aus dem Einzelwettbewerb verabschiedete. Ihre 17 Jahre alte Gegnerin gilt als der kommende Superstar der Szene. Fast schon selbstverständlich, daß dazu nicht nur ein sehenswertes Tennisspiel vonnöten ist. Ähnlich wie die Vorreiterin Anna Kurnikowa hat sie schon einen Modevertrag in der Tasche, aber der 1,83 Meter große Teenager hat anderes im Sinn: "Ich will eines Tages die Nummer eins der Welt sein, und ich will Grand-Slam-Turniere gewinnen." Anna Kurnikowa schaffte es trotz allen Talents nicht, einmal ein kleines WTA-Turnier zu gewinnen.

          Hungrig nach Erfolg, der Wunsch, reich und berühmt zu werden - diese moderne Version von Aschenputtel verträgt sich aber nicht mit den Biographien der russischen Spielerinnen. Natürlich ist der finanzielle Anreiz enorm, aber viele russische Spielerinnen kommen entweder aus vergleichsweise gehobenen Verhältnissen in ihrer Heimat. Die Eltern sind Ingenieure, Ärzte und ähnliches oder aber sportlich vorbelastet. Es wimmelt von ehemaligen Weltklasseathleten in anderen Sportarten in den Familien der heutigen russischen Tennisgeneration. Die ist vor allem bereit, sehr viel für den Traum vom erfolgreichen Tennisprofi auf sich zu nehmen. Maria Scharapowa wurde mit sechs Jahren mehr oder weniger von Martina Navratilowa entdeckt, die von ihrem Talent während eines Turniers in Moskau so beeindruckt war, daß sie den Eltern riet, die kleine Maria bald in die Vereinigten Staaten zu schicken. Als Neunjährige wechselte sie zur Tennisakademie von Nick Bollettieri nach Florida und war zwei Jahre von ihrer Mutter getrennt, weil dafür weder das Geld reichte noch das nötige Visum bewilligt wurde.

          Das klingt nicht nur hart, und trotzdem hätte Tarpichew seine Prophezeiung wiederholen können: Die 17 Jahre alte Maria Kirililenko, in den letzten 18 Monaten um 148 Ränge auf Platz 100 verbessert, machte mit ihrer Dreisatzniederlage gegen Serena Williams von sich reden. "Es ist ja auch ein großes Land", erklärt Marlene Weingärtner die große Zahl an russischen Talenten. Das kann ja noch heiter werden: Als erste Chinesin der Tennisgeschichte erreichte Jie Zheng in Roland Garros immerhin das Achtelfinale.

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