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Tennis : Erfolgreich gegen den Trend gestemmt

  • -Aktualisiert am

Unglaublich gut: Roger Federer Bild: dpa/dpaweb

Nachdem Rainer Schüttler als letzter deutscher Tennisprofi ausgeschieden war bei den BMW Open, den Internationalen Meisterschaften von Bayern, ging es abwärts bei dem mit 380000 Euro dotierten Turnier.

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          Nachdem Rainer Schüttler am Freitag als letzter deutscher Tennisprofi ausgeschieden war bei den BMW Open, den Internationalen Meisterschaften von Bayern, ging es abwärts bei dem mit 380000 Euro dotierten Turnier. Über Nacht sanken die Temperaturen um zehn Grad und die Zuschauerzahlen um fünfzehn Prozent. Es war aber nur ein Zwischentief, beim Finale zwischen dem Schweizer Roger Federer und dem Finnen Jarkko Nieminen am Sonntag war es wieder warm und der Centre Court ausreichend voll, um die Gesamtzuschauerzahl des Vorjahres deutlich zu übertreffen. Insgesamt 35000 Zuschauer schauten sich das Geschehen auf der Anlage an, angeblich gleich 5000 mehr als 2002. Die Organisatoren strahlten.

          Roger Federer tat das auch. "Das war ein unglaubliches Turnier für mich", sagte der 21 Jahre alte Schweizer nach seinem 6:1, 6:4-Finalsieg, für den er weniger als eine Stunde benötigte: "Ich habe keinen Satz abgegeben", und das bei seinem ersten Auftritt auf Sand in dieser Saison. Der überraschend ins Finale vorgedrungene Nieminen führte im zweiten Satz zwar 4:1, konnte das allerdings nicht nutzen. Federer feierte bereits seinen dritten Turniersieg in dieser Saison, so viele wie im gesamten Vorjahr. Nächstes Ziel ist nun das Masters-Turnier in Hamburg (12. bis 18. Mai): "Da muß ich meinen Titel verteidigen." Das Münchner ATP-Turnier, mit dem traditionell die Freiluftsaison hierzulande beginnt, entwickelt sich derweil recht positiv, entgegen dem landläufigen Trend im Deutschen Tennis Bund. Dessen Prestigeturniere der Herren in Hamburg und der Damen in Berlin kämpfen um Fernsehpräsenz, folglich um Sponsoren und damit letztlich ums Überleben. Die Münchner indes blühen auf. Der Bayerische Rundfunk war schon im zweiten Jahr Fernsehpartner und sendete im dritten Programm durchschnittlich drei Stunden täglich live. "Wir haben sogar eine leichte Steigerung bei den Sponsoringeinnahmen", meldete Klaus Cyron von der Münchner Marketingagentur S&K, die das Turnier in diesem Jahr erstmals komplett organisierte.

          Natürlich haben sie in München auch Glück gehabt mit den wichtigsten Dingen, die sie brauchen: einen deutschen Helden, der weit kommt, und schönes Wetter, weil sonst trotzdem keiner kommt. "Ich kann mich nicht erinnern, daß wir einmal eine so schöne Periode ohne Regen hier hatten", sagte der Münchner Klub-Präsident Arno Hartung, "und ich bin seit 1964 im Verein." Den deutschen Helden hatten sie zumindest bis zu seiner Viertelfinalniederlage gegen den Österreicher Stefan Koubek in Rainer Schüttler. "Wenn kein Deutscher mehr im Turnier ist, verkaufen wir deutlich weniger Karten", sagte Turnierdirektor Rudi Berger. Aber die ersten Auftritte des Korbachers in der Heimat nach seiner Finalteilnahme beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne Anfang des Jahres hatten gereicht, um die erhoffte Gesamtzuschauerzahl schon bis zum Samstag zu erreichen.

          Um die nahe Zukunft machen sie sich in München offenbar keine großen Sorgen: Die Verträge mit den beiden Hauptsponsoren, BMW und Credit Suisse, gelten noch für nächstes Jahr. Nur ob der Bayerische Rundfunk sein Engagement verlängert, ist offen. Bis 30. Juni muß er seine Option ziehen, und Sportchef Werner Rabe sagt: "Die Quoten waren im Vergleich zum Vorjahr besser, aber noch nicht ganz überzeugend." Daß die Münchner Veranstaltung im nächsten Jahr vom Termin her mit dem deutlich besser dotierten Turnier in Barcelona (Preisgeld: eine Million Euro) konkurrieren muß, sieht Turnierchef Berger indes als nicht so gravierend an. Schüttler sowie die rekonvaleszenten Tommy Haas und Nicolas Kiefer haben ihre Teilnahme für 2004 grundsätzlich zugesagt. "Die deutschen Spieler wissen inzwischen, daß ihr Markt nicht in Spanien ist, sondern in Deutschland", sagt Berger.

          Ausländische Spieler lockt er offenbar erfolgreich mit dem Ambiente eines kleineren Turniers. Bei Roger Federer zog das jedenfalls: "Hier herrscht eine ganz herzige Atmosphäre", sagte er vor dem Finale, "und bei kleineren Turnieren ist man auch gleich besser gesetzt." In München war er die Nummer eins, "erst zum drittenmal in meiner Karriere", wie er feststellte. Und immer, wenn er als Nummer eins anfing, hörte er auch als Sieger auf.

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