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Telemark : Renaissance der Knickebeintechnik

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Alter Stil mit neuem Outfit: Telemark Bild: srt

Uralt, aber alles andere als angestaubt: Telemarken, die Schwungtechnik mit dem eleganten Kniefall. Ihr verfallen immer mehr Wintersportler.

          Elegant, nahezu schwerelos scheinen sie über die Hänge zu schweben. Nicht nur bei Neuschnee, wenn der Pulver unter ihnen aufstiebt, sondern auch beim ganz normalen "Kniefall" auf der Piste: Die Telemarker sorgen mit der Renaissance einer alten Skitechnik für nostalgisches Flair zwischen all den modernen Race- und Fun-Geräten.

          Zunächst waren es ein paar wenige versprengte Nostalgiker, die im rentierverzierten Norwegerpulli und mit der traditionellen Querstange als Stock-Ersatz sporadisch in den Alpen aufkreuzten. Selbst als Telemarken in den 70-er Jahren auf den weiten Hängen Colorados ein Revival erlebte, interessierten sich die Europäer noch lange nicht für die Technik ihrer Großväter. Sie bestaunten allenfalls die seltsamen alten Bretter, die in einer Ecke im Keller verstaubten.

          Sondre Norheim aus Telemark machte den Anfang

          Erst Ende der 90-er griff die Mode auch auf die Alpen über; zunächst nur vereinzelt im Allgäu, am Arlberg und in dem ein oder anderen französischen und Schweizer Skiort. Doch dann kam ein kleiner Boom. Immer mehr Skifahrer hatten genug vom üblichen Pisten-Flitzen. Sie suchten nach Abwechslung im Schnee. Die Alternative Snowboarden war nicht jedermanns Sache. Der elegante Schwung dagegen reizte die Neugierigen. Seit drei, vier Jahren sind Telemarker ein gewohntes Bild in den Bergen.

          Die Wurzeln der Skitechnik reichen zurück bis ins Jahr 1860, als der norwegische Bauernsohn Sondre Norheim aus Morgeda in der Provinz Telemark mit seiner neuen Skitechnik ohne fixierte Ferse einen Siegeszug antrat. Sieht man heute seinen Nachfolgern zu, wie sie im weiten Ausfallschritt ihre Kurven ziehen, fühlt man sich ein wenig in diese Zeit zurückversetzt. Das wird verstärkt durch die schwarzen Wollhosen und Norwegerpullover, auf die Puristen schwören.

          Geschnittene Schwünge mit Carving-Skiern

          Doch mag der optische Eindruck auch antiquiert sein, technisch sind Telemarker auf dem neuesten Stand der Ski- und Zubehörentwicklung. Sicher spielt auch das verbesserte Material eine wesentliche Rolle für den Siegeszug der alten Technik, die damit viel komfortabler und bequemer zu erlernen ist. Wie in allen anderen Bereichen heißt auch hier das Zauberwort Carving. So erweitert der Carvingski auch beim Telemark die ohnehin vielseitige Technik um weitere Varianten. Geschnittene und gedriftete Schwünge sind mit dem neuen Material kein Problem.

          Grundsätzlich unterscheiden sich Telemarkski von herkömmlichen Alpin-Brettern durch ihre Breite und einen anderen Härtegrad. Man unterscheidet nach den Verwendungsbereichen Piste, Off-Pist, Tiefschnee und Extrem. Wenn es ums richtige Schuhwerk geht, schlüpfen selbst Nostalgiker inzwischen gern in Modelle aus Kunststoff. Sie sind leicht, warm und wasserdicht, verfügen über herausnehmbare Innenschuhe und Schnallen, bieten gute Beweglichkeit nach vorne und festen Halt zur Seite. Nur noch Puristen greifen zum geschnürten Lederstiefel.

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