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"Tatort Stadion" : Liga und Profis distanzieren sich von Rassismus-Austellung

  • Aktualisiert am

„Tatort Stadion”: Umstrittene Ausstellung Bild: dpa

Hertha-Profi Michael Preetz ist als Schirmherr der Wanderausstellung „Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball“ zurückgetreten.

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          Begleitet von scharfer Kritik des Liga-Präsidenten Werner Hackmann ist die umstrittene Wanderausstellung über Rassismus im Fußball am Donnerstag in Hamburg eröffnet worden. „Das hat nichts mit Vergangenheitsbewältigung zu tun, es ist der Versuch, den DFB- Präsidenten in die rechte Ecke zu stellen“, sagte Hackmann.

          Auch die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) distanzierte sich nun von dem Projekt. Vizepräsident Michael Preetz
          trat als Schirmherr der Ausstellung zurück.

          In der Ausstellung „Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball“, die von Berlin in die Hansestadt umzog, sind problematische Aussagen von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder veröffentlicht.

          Das verantwortliche Bündnis Aktiver Fußball-Fans (BAFF) bekräftigte noch einmal, Schautafeln mit entsprechenden Zitaten von Mayer-Vorfelder nicht entfernen zu wollen. Der DFB-Sportförderverein hatte deswegen eine in Aussicht gestellte Unterstützung in Höhe von 5000 Euro (9780 Mark) zurückgezogen.

          Preetz distanziert sich

          Auch der Hamburger SV hat seine Unterstützung kurzfristig abgesagt. „Alle Bundesliga-Vereine wollten die Ausstellung unterstützen, doch nach eingehenden Gesprächen hat das DFB-Präsidium beschlossen, sich aus dem Projekt zurückzuziehen“, begründete HSV-Präsident Hackmann.

          Die VdV wies darauf hin, dass die Organisatoren die Ausstellung nachträglich verändert hätten. „Ich distanziere mich insbesondere davon, den DFB-Präsidenten mit rechtem Gedankengut zu verbinden“, sagte der Berliner Profi Preetz.

          "Verunglimpfung des Präsidenten"

          Stein des Anstoßes sind Aussagen von Mayer-Vorfelder. Ältere MV- Zitate wie „Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und stattdessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?“ werden dem Besucher der bereits im November eröffneten Ausstellung genauso dargebracht wie Aussagen jüngeren Datums - „Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in der Anfangsformation stehen, kann irgendetwas nicht stimmen“ - oder sein Kommentar zum WM-Sieg der französischen Fußball- Nationalmannschaft 1998: „Hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest.“

          Die Authentizität der Zitate bestreitet der DFB nicht. Die Aussagen sind nach Ansicht von DFB-Pressechef Gerhard Meier-Röhn aber aus dem Zusammenhang gerissen. Er sprach von einer „Verunglimpfung des Präsidenten“.

          Scharfe Kritik von Pauli-Sponsor

          Der FC St. Pauli blieb bei seiner Unterstützung. Geschäftsführerin Tatjana Groeteke unterstrich die Bedeutung der Dokumentation: „Die Diskussion um die Ausstellung bietet Chancen, aber auch Gefahren. Aber die Auseinandersetzung im Fußball über Ausländerfeindlichkeit ist notwendig.“

          Klaus Thomforde, ehemaliger St.-Pauli-Torhüter, fügte hinzu: „Der Kampf gegen Gewalt im Fußball, gegen Rassismus und Diskriminierung kann nur dann gewonnen werden, wenn er im Alltag geführt wird. Deshalb ist diese Ausstellung so wichtig.“ Sie könne dazu beitragen, Gewalteskalationen wie bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich zu verhindern.

          Vor dem Hintergrund der öffentlichen Kritik bekräftigte die Versicherung Securvita, Hauptsponsor von St. Pauli, ihre Unterstützung. „Es ist ein etwas altertümliches Demokratieverständnis, wenn Herr Mayer- Vorfelder meint, mit Zensurmaßnahmen der öffentlichen Kritik über seine Äußerungen zu entgehen. Wir empfinden es als kleingeistigen Horizont, wenn auf dieser Grundlage finanzielle Mittel entzogen werden“, sagte Pressesprecher Norbert Schnorbach.

          Auch Pilz zieht Schirmherrschaft zurück

          Wie Profi Preetz hat auch der Gewaltforscher Gunter A. Pilz aus Hannover seine Schirmherrschaft für die Ausstellung nach zahlreichen Vermittlungsversuchen inzwischen niedergelegt hat. „Ich war und bin von der Idee und Notwendigkeit dieser Ausstellung felsenfest überzeugt, aber ich lasse mich nicht zum Spielball ideologischer Grabenkämpfe machen“, erklärte Pilz.

          Es gehe den Organisatoren weniger darum, junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren, als vielmehr das Feindbild DFB zu bekämpfen. Mayer- Vorfelders Äußerungen seien höchst problematisch. „Aber daraus ist nicht zu schließen, dass er rechtsradikal ist“, sagte Pilz, „natürlich erwarte ich von jemandem in so einer verantwortlichen Position, dass er seine Worte genau abwägt.“

          Einen Monat macht die umfangreiche Dokumentation Station an der Elbe, als nächste Stationen sind Hannover, Bochum, Düsseldorf und Frankfurt/Main geplant. Laut Pilz stehen die weiteren Stationen in Bochum und Hannover auf der Kippe. „In Hannover wird die Ausstellung definitiv nur gezeigt, wenn die betreffenden Schautafeln abgenommen werden.“

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