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: Talent verschwendet, Liebe enttäuscht

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oni. Montreal. Es war schon fast eine künstlerische Einlage: Jacques Villeneuve, der mit einer Balletteuse verlobt ist, drehte eine Pirouette, erst in die eine Richtung und dann wieder zurück. Die Sache hätte allerdings weniger elegant ...

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          oni. Montreal. Es war schon fast eine künstlerische Einlage: Jacques Villeneuve, der mit einer Balletteuse verlobt ist, drehte eine Pirouette, erst in die eine Richtung und dann wieder zurück. Die Sache hätte allerdings weniger elegant enden können, denn der Kanadier verfehlte mit seinem Rennwagen nur knapp eine Mauer, die als "Wall of Champions" in die Geschichte eingegangen ist. Es ist die Stelle auf dem Rennkurs in Montreal, an der schon viele Formel-1-Piloten vorzeitig und manchmal auch schmerzhaft gescheitert sind. Doch zum Glück gab er vor seinem Heimpublikum nur Schwanensee - beim ersten Einzelzeitfahren vor dem Großen Preis von Montreal (das Qualifikationstraining war bei Redaktionsschluß noch nicht beendet) war die Piste nämlich vom strömenden Regen überflutet. "Ich schätze, ich habe das Limit herausgefunden", scherzte Villeneuve.
          So richtig komisch dürfte ihm in diesen Tagen allerdings nicht zumute sein. Im fünften Jahr nach seinem Weltmeistertitel haben seine franko-kanadischen Landsleute nämlich die Geduld mit ihm verloren, und die Fragen der Reporter werden immer schneidender, während die Menschen bei seinen PR-Terminen ihm nichts Freundliches mehr zurufen wollen. Es ist eine enttäuschte Liebe. Die schmerzliche Erkenntnis: Jacques Villeneuve, der Sohn des bewunderten Gilles Villeneuve, hat sein Talent verschwendet. Und selbst wenn er jetzt noch aus seinen Erfahrungen lernen würde, wäre es wahrscheinlich zu spät.
          Villeneuve läßt aber auch keine Gelegenheit aus, seine Landsleute zu verärgern. Auf die Frage, wieviel es ihm bedeute, daß vor 25 Jahren sein Vater Gilles der erste gewesen sei, der den Großen Preis von Kanada gewonnen habe, gab er sich mehr als zugeknöpft. "Oh", sagte er erstaunt, "das wußte ich gar nicht. Das ist nichts, was für mich von besonderer Bedeutung ist. Ich denke, ich werde meine Mutter anrufen und ein nettes Gespräch führen." Das hat gerade noch gefehlt: Seit seinem zweiten Platz bei seinem Debüt 1996 hat Villeneuve keine ordentliche Vorstellung mehr in Montreal abgeliefert. Er hat in der Zeit, während Michael Schumacher drei Weltmeistertitel geholt hat, kein einziges Rennen gewonnen. Diesmal kommt er als 13. der WM-Wertung mit lediglich drei Punkten nach Kanada. Er hat in dieser Saison in sieben Rennen nur dreimal das Ziel erreicht. Er kann das zwar mit technischen Defekten erklären. Aber mittlerweile fragen sich seine Fans, warum er immer noch für das Team BAR unterwegs ist, das ihm nie weltmeisterliche Bedingungen hat bieten können.
          Als Titelträger von 1997 (mit Williams) hat er sich aus Freundschaft zu seinem Manager und ehemaligen Skilehrer Craig Pollock in das von ihm mitgegründete BAR-Team locken lassen. Aus Loyalität ist er dabeigeblieben, hat viele Millionen Dollar verdient, in diesem Jahr angeblich 20, und dabei seine vielversprechende Zukunft verkauft. Selbst der Schotte Pollock gibt heute zu: "Sein Talent verlangt, daß er viel Geld verdient, sein Kopf verlangt nach Siegen." Jetzt, da er bereits viel Geld habe, suche er nach einem Team, mit dem er siegen könne. Zumal sein Vertrag mit BAR mit dieser Saison endet. Doch nun ist Villeneuve 32 Jahre alt, und es ist nicht anzunehmen, daß die drei Spitzenrennställe einen Platz für ihn freimachen. Zumal er zu allem Überfluß mit häßlichen Mobbing-Manövern gegen seinen 23 Jahre alten Teamkollegen Jenson Button aufgefallen ist. "Ich bin sicher, daß er im nächsten Jahr noch in der Formel1 fährt", sagt Pollock. Für wen? Womöglich für BAR, nur mit geringeren Bezügen.


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