https://www.faz.net/-gtl-t5e0

T-Mobile geht auf Ullrich zu : „Wir veranstalten keine Hexenjagd“

  • Aktualisiert am

Fährt er jemals wieder als Profi? Jan Ullrich Bild: AP

Im „Fall Jan Ullrich“ baut T-Mobile-Manager Olaf Ludwig seinem einstigen Superstar nach der Kündigung eine Brücke. Er ist nach wie vor zur Kooperation bereit, nur die bisherigen Stellungnahmen Ullrichs reichen dem Thüringer nicht.

          Im „Fall Jan Ullrich“ baut T-Mobile-Manager Olaf Ludwig seinem einstigen Superstar auch nach der Kündigung weiterhin eine Brücke. Ludwig ist nach wie vor zur Kooperation bereit, die bisherige Stellungnahmen Ullrichs reichen dem Thüringer indes nicht. Ludwig fordert hinsichtlich des Dopingverdachts endlich Klartext.

          „Weder von Oscar Sevilla noch von Jan Ullrich ist eine Erklärung gekommen, die ihre Unschuld bewiesen hätte. Ich habe lediglich Jans Stellungnahme erhalten, deren Inhalt belanglos ist“, sagte Ludwig am Rande der Tour dem Sport-Informations-Dienst (Siehe auch: LiveTicker Tour de France), räumte aber ein: „Es gibt noch einen Gesprächtermin. Eine Vermittlung zwischen uns und Jan ist nicht ausgeschlossen. Es sei denn, Jan und Oscar können keine Beweis erbringen, daß es keine Verwicklungen ihrerseits mit dem spanischen Arzt Fuentes gab.“

          „Viele offenen Fragen“

          Der Chef der Olaf Ludwig Cycling GmbH betonte, daß die Kündigung in Übereinstimmung mit dem Sponsor erfolgt sei. Vorwürfe einer „T-Mobile-Hexenjagd“ gegen Ullrich weist Ludwig zurück. „Wir veranstalten keine Hexenjagd. Ich bin mir schon im Klaren, daß Ullrich viele Fans hat. Er war der erste Deutsche, der die Tour gewonnen hat. Das wird er immer bleiben. Wir behaupten auch nicht, daß er positive Dopingproben abgegeben hat. Seine Unschuldsbekenntnisse sind aber keine.“

          Viele „offene Fragen“ sieht auch Dr. Dirk Clasing, der stellvertretende Vorsitzende der deutschen Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA). „Was bisher aufgedeckt wurde, ist ein sehr dubioses Dopingumfeld. Wenn Blutkonserven von Ullrich bei einem spanischen Arzt gefunden wurden, dann muß es auch einen Kontakt oder einen weiteren Mitwisser, einen Boten oder sogar ein ganzes Netzwerk gegeben haben“, sagte der Dopingexperte in einem Interview.

          Kein Zugriff auf Emigranten

          Der NADA seien im Fall Ullrich die Hände gebunden. Dr. Clasing bedauert, daß Ullrich und andere deutsche Fahrer sich durch den Umzug in die Schweiz und mit der dort gültigen Fahrerlizenz dem Zugriff der NADA entzogen haben. „Früher gab es einen besonderen Vertrag mit der Telekom, der vorsah, daß die gesamte Mannschaft mehrfach im Jahr kontrolliert wurde. Diesen Vertrag gibt es nicht mehr. Und wenn Fahrer in die Schweiz umziehen und mit Schweizer Lizenz starten, haben wir, außer im Vorfeld von Olympischen Spielen, keine Zugriffmöglichkeit“, sagte Clasing. „Emigranten“ wie Jan Ullrich und Andreas Klöden seien zuletzt vor zwei Jahren im Vorfeld der Olympischen Spiele von Athen durch die NADA getestet worden. Obwohl die Kontrollen nicht optimal fassen, hält Clasing die Tests wegen ihrer abschreckenden Wirkung für wichtig. Bei der Bestrafung sollten aber geltende Gesetze konsequenter angewandt werden.

          Die Schwächen des Kontrollsystems räumt der 71 Jahre alte NADA-Vize ein: „Mit einer Wettkampfkontrolle werden heute keine Topsportler mehr erwischt, oder nur die dummen. Da weiß jeder, was er zu tun hat, um die Einnahmen der verbotenen Substanzen zu vertuschen. Die Chance, bei einer Trainingskontrolle erwischt zu werden, ist da weit größer. Wenn allerdings Mannschaften ein Trainingslager absolvieren, dann ahnen sie bereits, daß sie auch dort kontrolliert werden könnten.“

          Lob von Leblanc für T-Mobile

          Ähnlich wie Dr. Clasing sieht Jean-Marie Leblanc, der scheidende Chef der Tour de France, die Problematik. „Ich kann nicht behaupten, daß wir das Dopingproblem im Griff hätten. Es wäre geradezu lächerlich, wenn ich sagen würde, es gäbe kein Doping mehr. Natürlich gibt es weiter gedopte Fahrer, gewiß auch bei dieser Tour. Aber grundsätzlich hat sich die Situation verbessert“, sagte der Franzose in der „Frankfurter Rundschau“.

          Leblanc lobt die Konsequenz des T-Mobile-Teams, ihren Topstar Ullrich zu suspendieren. „Hätten die Sportdirektoren diese Entscheidung nicht getroffen, hätten wir es getan“, sagte der Tour-Direktor, der sich seit der Festina-Affäre 1998 von „Betrügern umgeben“ sieht: „Die Ärzte haben immer wieder Lücken gefunden, das System zu umgehen. Wir brauchen Polizei und Gesetze, um solche Gestalten wie Dr. Fuentes, aber auch die betroffenen Sportdirektoren Rudy Pevenage und Manolo Saiz für immer aus dem Verkehr zu ziehen.“

          Keine Anklage zu erwarten

          Die des Dopings verdächtigten Profis, unter ihnen auch Ullrich, haben von den spanischen Ermittlern keine Anklage zu erwarten. Das bestätigte Elisa Beni Uxabal, die Sprecherin des zuständigen Richters in Madrid, der in der Dopingaffäre gegen fünf Hauptangeklagte ermittelt.

          Anklagen wegen Verstoßes gegen die „öffentliche Gesundheit“ hätten die Mediziner Eufemiano Fuentes und José Merino Bartres sowie drei weitere Angeklagte zu erwarten. Den verdächtigten 58 Fahrern drohten zu diesem Straftatbestand keine juristischen Folgen. Uxabal: „Wenn nötig, werden sie als Zeugen gehört.“

          Weitere Themen

          Fortuna fit trotz Verletzungen Video-Seite öffnen

          Rheinderby gegen Gladbach : Fortuna fit trotz Verletzungen

          Im Rheinderby treffen die Düsseldorfer am Sonntag auf Borussia Mönchengladbach, die am Donnerstag in der Europa League eine 0:4-Heimniederlage verkraften mussten. Trotz Verletzungspech freut sich Trainer Funkel auf das Spiel.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.