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Sven Hannawald im Porträt : Millionen, Muffins und Magersucht-Gerüchte

  • Aktualisiert am

Im Mittelpunkt: Sven Hannawald Bild: dpa

Mit dem souveränen Tourneesieg ist Sven Hannawald der Schritt aus dem Schatten von Martin Schmitt gelungen.

          Die Skisprung-Welt spielt verrückt, aber Sven Hannawald möchte nur eines: „Ruhe und Ausschlafen.“ Kann er nach dem historischen Triumph bei der 50. Vierschanzentournee auch, denn der Eintrag in die Geschichtsbücher ist dem 27-Jährigen sicher.

          Und Millionär wird der begeisterte Kuchenbäcker (Spezialität Birnen-Schmandkuchen und Muffins) auch fast im Schlaf. „Vielleicht wird er ja der erste neue Euro-Millionär des Jahres 2002. Im Merchandising haben wir jedenfalls seit seinen Siegen bald das 1.000-fache an Bestellungen. In Sachen Image ist sein Erfolg unbezahlbar“, sagte Manager Werner Heinz.

          Aufpäppeln auf der Couch der Eltern

          Die Mützen sind schon alle weg, „Hannis“ Konto ist nicht nur deshalb dicker als je zuvor. Über 330.000 Euro an Prämien und Sachpreisen in acht Tagen. Bei einer reinen Flugzeit von etwa 32 Sekunden für die acht Wettkampfsprünge entspräche das einem Sekundenlohn von gut 10.000 Euro.

          Nicht schlecht für den gelernten Kommunikationselektroniker, der 1997 und 1999 von Magersucht-Gerüchten verfolgt wurde und sich nach der unbefriedigenden letzten Saison zwei Monate auf der Couch seiner Eltern aufpäppeln lassen musste.

          Endlich aus dem Schatten von Schmitt

          Finanziell ist aber noch weitaus mehr drin. Für die vakante Position des Skisponsors und weitere Werbeauftritte liegen Hannawalds Manager mehrere Anfragen vor. Erfolgsprämien bekommt der wie Jens Weißflog in Erlabrunn geborene Flieger schon jetzt von seinem für zwei Jahre gebundenen Kopfsponsor und seiner Skimarke. Für die machte zuletzt immer Vierfach-Weltmeister Martin Schmitt Werbung, den Hannawald in Sachen Gesamteinnahmen zumindest eingeholt haben soll.

          Aber Geld ist für Sven Hannawald längst nicht alles. Der eitle Flieger, der edle Designeranzüge und topmodisch gefärbte Haare mag, stand trotz großer Erfolge wie zwei Team-Weltmeisterschaften oder dem Weltmeistertitel im Skifliegen 2000 immer im Schatten von Schmitt.

          Hausmann mit Hip-Hop-Faible

          Seinen großen Durchbruch bei der Tournee feierte er in den prall besetzten Stadien mit minutenlangen Jubelarien und vor den TV-Kameras mit Kultsätzen wie „Ich mache einfach mein Zeug“ oder „Das wird eine beschissene Nacht“.

          Der Liebe seiner zahllosen Fans darf sich der Pop- und Hip-Hop-Liebhaber sicher sein. Doch an Partnerschaft denkt der meisterhafte Hausmann - Kochen, Abwaschen und Bügeln sind keine Probleme - momentan nicht. Sein Geld will er irgendwann in ein Haus mit viel Umland investieren „und wenn die Richtige irgendwann aus Bayern oder Schottland kommt, ziehe ich eben da hin“.

          Drei Kilo mehr vor der Saison

          Vom Typ her sollte es nicht die Zahnspange sein sondern „eher Richtung Nina Ruge gehen“. Noch sind allerdings Vater Andreas, der an allen vier Tourneeschanzen mit einer selbstgebastelten Rassel für Aufwind sorgte, und Mutter Regine Hannawalds wichtigste Bezugspersonen. Mama hilft ihrem berühmten Sohn in Sachen Geldverwaltung und päppelt ihn immer wieder auf.

          Vor der Saison nahm der bei 1,84 m Größe etwa 64 Kilo leichte Springer mindestens drei Kilo zu, gab seine Bundeswehrstelle auf und machte gleich zweimal einen gezielten Kraftaufbau.

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