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Interview : Sven Hannawald: "Alles hat optimal gepasst"

  • Aktualisiert am

Sieger der Vierschanzentournee: Sven Hannawald Bild: AP

"Wenn das noch einen Tag länger gedauert hätte, wäre ich gestorben", sagte Tourneesieger Sven Hannawald nach seinem vierten Erfolg im vierten Springen.

          Sven Hannawald hat mit einem beispiellosen Vierfach-Triumph die Vierschanzentournee gewonnen und damit Sport-Geschichte geschrieben. Dennoch bleibt der 27-Jährige Skispringer bescheiden.

          Herzlichen Glückwunsch zum ersten Grand-Slam-Sieg der Skisprung- Geschichte. Wie geht's?

          Unglaublich. Mir ist so heiß in der Kälte - der Grand-Slam, der Gesamtsieg, die Prämien, das Auto. Das ist der schönste Tag meiner Karriere.

          Sie gehören mit dieser Leistung schon zu den Sportlegenden?

          Das haben jetzt schon viele gesagt, aber das klingt noch zu groß. Mich als Legende zu bezeichnen, ist noch zu früh. Da gibt es andere, die mehr geleistet haben.

          Wie haben Sie die vier Tournee-Stationen erlebt?

          Vor Oberstdorf war noch Adam Malysz Favorit. In Garmisch-Partenkirchen war ich schon extrem fertig, in Innsbruck komplett platt und in Bischofshofen ist mir das Dach weggerissen. Eine fünfte Station hätte ich nicht durchgehalten.

          War die Nervenanspannung so groß?

          Sie war gigantisch. Wenn das noch einen Tag länger gedauert hätte, wäre ich gestorben oder hätte eine Glatze gehabt. Jetzt fällt alles runter und ich brauche erstmal eine Pause. Ruhe und Ausschlafen.

          Haben Sie vor der Tournee von einem Durchmarsch geträumt?

          Ich habe vielleicht mal vom Gesamtsieg geträumt, doch dass ich als Erster alle vier Springen gewinnen könnte, war so weit weg. Bei der Tournee hat dann alles optimal gepasst. Die Bedingungen waren bei allen Springen ziemlich gleich und in Innsbruck kam die neue, moderne Schanze dazu, denn die alte habe ich nicht sonderlich geliebt.

          Was haben Sie sich vorgenommen?

          Ich habe mir immer vorgenommen, dass ich einfach mein Zeug mache, und wenn ich fertig war, kam zum Glück immer ein Fußballspiel. Ich hatte auch immer gute Sprünge, so dass ich nie zu zweifeln angefangen habe. Perfekt waren sie allerdings nicht. Wenn ich nicht zufrieden wäre, würden mich jetzt wahrscheinlich alle steinigen.

          Wie war Ihr Gefühl, als Sie die Schanzenrekorde in Bischofshofen und Innsbruck auf sich zukommen sahen?

          Es war ein schönes Gefühl. Das habe ich genossen. Ich liebe ja große Schanzen und habe einen solchen Flugstil, dass ich auch so extrem weite Sprünge stehen kann. Ich habe mich regelrecht auf die Landungen gefreut.

          Keine Angst vor einem Sturz?

          Vor den Sprüngen habe ich gezittert, und bin dann doch wie ein Flugzeug gelandet.

          Haben Sie heute noch am Gesamtsieg gezweifelt?

          Gezweifelt eigentlich nicht, weil ich um meine gute Form wusste. Im Verlauf der Tournee bekommt man schon mit, dass sein Name mit dem angeblichen Wunder der vier Siege verbunden wird. Das bekommt man dann nicht mehr aus dem Kopf heraus, egal was man macht. Die Nervosität hat irgendwie alles weggespült. Ich habe aber ständig in meinen Körper reingehört, und es war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.

          Was haben Sie vor dem letzten Sprung gegen die Aufregung gemacht?

          Wenn man sieht, wie viele Fans unten stehen und einen anfeuern, kommt automatisch wieder die Motivation fürs Springen.

          Haben Sie der Tournee mit dem Vierer nun den Reiz genommen?

          Die Tournee wird immer ihren Reiz behalten. Sie ist und bleibt ein Saison-Höhepunkt, egal ob ich nun einen Mythos geknackt habe. Man ist stolz, wenn man bei der Tournee springen kann. Die Anteilnahme der Fans ist hier so groß wie sonst nirgendwo.

          Vor welchem Gegner hatten Sie den größten Respekt?

          Wenn ich ehrlich bin, hatte ich den meisten Respekt vor mir. Ich bin selbst mein größter Gegner und mache mich immer selbst verrückt. Irgendwie bin ich in dem ganzen Trubel doch locker geblieben.

          Wie wichtig waren die Niederlagen in Ihrem Leben für den Triumph?

          Sie haben mich abgehärtet. Niederlagen schulen, durch sie kann man die Erfolge besser genießen. Ich muss aber auch sagen, dass ich die Tiefs nicht absichtlich mache. Nach dem letzten Tief habe ich aber nicht gedacht, dass ich jemals wieder rauskomme. Es hat acht Wochen gedauert, ehe ich wieder eine schnelle Bewegung vom Sofa machen konnte.

          Wie haben Sie es geschafft, dieses Jahr so gut zu sein?

          Ich habe nicht mehr so viel gegrübelt. Es war ein Riesenrad, dass sich anfing, zu bewegen. Ich hoffe, dass es so weiter geht.

          Wer hat Ihnen am meisten geholfen?

          Meine Eltern und meine Trainer. Ich bin stolz, dass ich allen irgendwie etwas zurückgeben konnte. Sie haben viele Nerven wegen mir gelassen - sicher auch heute. Ich denke aber, dass ich mich revanchiert habe.

          Was machen Sie mit dem schönen Batzen Preisgeld?

          Das ist vielleicht die Garage meiner Villa, die ich mir später Mal bauen und dort das Leben mit meiner Frau und Kindern genießen will. Doch zählt nicht vordergründig das Geld. Viel wichtiger ist der sportliche Erfolg und der Spaß, den mir das Springen macht.

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