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Surfen : Gleiten in vier Tagen

  • -Aktualisiert am

Anfänger ab in die Wellen: Gleiten leichtgemacht Bild: ronny kiaulehn

Leichter lernen, schneller gleiten - und schon wird Windsurfen wieder zum Volkssport. Nur ein Wunschtraum? Svein Rasmussen und Jim Drake entwickelten den START, ein Brett, mit dem aus jedem Einsteiger nach vier Tagen ein echter Windsurfer werden soll.

          Am Gardasee wurde ein Schulungs-Test veranstaltet, um das neue Anfänger-Board START der Probe aufs Exempel zu unterziehen. Verglichen werden sollen das bisher kippstabilste Windsurfing-Schulungsbrett, der Rookie und das neue START-Board. Es ist 55 Zentimeter kürzer, aber 22 Zentimeter breiter und sieben Kilo leichter - ein Sandwichbrett eben und kein unverwüstliches Thermoplast-Brett wie der Rookie.

          Mit diesem Konzept wollen Jim Drake, Erfinder des Windsurfens, und Svein Rasmussen von Starboard mehr Anfänger an den Sport binden. Ihre These: Wenn Interesse für Windsurfen existiert - und das bestätigt auch der VDWS mit steigenden Grundscheinabsolventen - dann muss man dieses Basis-Potenzial besser ausschöpfen. Und das funktioniert nur, wenn der Einsteiger noch während des Kurses den speziellen Kick des Windsurfens erlebt: Gleiten. Auf schweren, langen und behäbigen „Plastik-Badeinseln“ könne der Einsteiger nie diesen Kick erleben.

          Zwölf Versuchskaninchen im Test: Gleiten leichtgemacht?

          Der START könnte die Antwort sein: Ein Brett, mit dem jeder Anfänger schneller lerne und schon in der Anfangsphase gleiten könne. Ein Brett, das schwergewichtige Fortgeschrittene sogar zum Freeriden einsetzen könnten. Die Frage ist, ob das Konzept des Volksbrettes wirklich funktioniert. Alles hätte so einfach sein können, denn der Auftrag war klar: Stelle in einer renommierten Surfschule sechs Anfänger auf ein konventionelles Anfängerbrett (Rookie) und sechs auf einen START und beobachte, welche Fortschritte die Schüler nach einem Vier-Tages-Kurs gemacht haben. Ein Test mit zwei erfahrenen Surflehrern, einem Beobachter und zwölf ahnungslosen Versuchskaninchen.

          Aller Anfang ist schwer: Balance für Surf-Einsteiger

          Die Ausganglage war jedoch wesentlich schwieriger, als erwartet: „Ich will gar nicht surfen“, erzählt Micha schon vor dem Kurs. Micha kommt aus Ravensburg und ist eine der Vesuchspersonen. Ein Freund hatte ihm eingeredet, einen Surfkurs zu belegen - das sei Vorraussetzung fürs Kitesurfen. Neben ihm steht seine Freundin, drei weitere Schülerinnen und sechs Freunde aus Lüneburg: Jihad, Jörg, Ibo, Ali, sein Bruder Mohamed, Swen und Stefan.

          In zwei Tagen schnelle Erfolgserlebnisse mit dem neuen Material

          Die zwölf werden in Rookie- und Start-Gruppe eingeteilt. Paula Klemt ist VDWS-Lehrerin und ist für die STARTer zuständig. Die Rookies werden betreut von Tanja Emig, die Vierte der Freestyle-Weltrangliste und Windsurflehrerin aus Österreich. Sie schickt ihre Truppe in die Umkleiden und danach zu den Simulatoren. Die Bedingungen auf dem spiegelglatten Wasser sind für den ersten Tag ideal. Der erste Tag war für beide Gruppen aus der Sicht der Trainer dennoch erfolgreich: Starten, fahren und drehen konnte fast jeder - Rookie- wie START-Pilot.

          Am zweiten Tag stehen Micha und Ursel auf dem START in der vorderen Fußschlaufe. Bei leichtem, auflandigem Wind wird das Wasser etwas unruhiger. „Ich hab' mich in der Schlaufe sicher gefüllt, und es war nicht so anstrengend“, meint Ursel. Micha, der anfangs nur dem Kiten zuliebe surfen wollte, rutscht am Ende sogar in beide Schlaufen und findet jetzt plötzlich grossen Gefallen am Surfen.

          Am dritten Tag verlieren die ersten das Interesse

          Dritter Tag: Drei aus der Rookie- und einer aus der START-Gruppe fehlen. Micha hängt dagegen schon lässig im Trapez, in beiden Fußschlaufen und gleitet fast. Tanjas Schüler auf den Rookies schaffen es nicht aus der Strandzone heraus. Erst beim Wechsel auf den START funktioniert das Rauskreuzen problemlos. Die START-Schüler Micha und Silke wechseln zur Probe auf den Rookie: „Im ersten Moment schnittiger“, lautet ihr Fazit. Der Rookie misst auch 22 Zentimeter weniger in der Hüfte. Beide wollen dennoch unbedingt wieder auf den START wechseln. „Nicht so rutschig“, begründet Silke ihre Entscheidug.

          Tanja Emig, die Lehrerin der Rookie-Gruppe, ist nach dem Brett-Tausch ihrer Schüler begeistert: „Sobald Wind ist, haben meine Leute auf dem Rookie nicht nur Balance-Probleme, sie können nicht richtig abfallen, da das Segel viel Druck und das Brett zu viel Widerstand aufbauen. Der START dreht sofort und fällt ab.“ Stationsbesitzer Vasco Renner sieht das START-Konzept dagegen kritisch: „Toll für den Einstieg, aber die STARTs halten nicht so lange wie die Plastik-Boards.“

          „Ich fand´s richtig klasse, Surfen mach ich sicher weiter.“

          Der VDWS dagegen zögert noch in seiner Einschätzung über den START als Schulungsbrett: „Es fehlt das Anschlussbrett“, kritisiert Ausbilder Hans-Peter Lange. Svein Rasmussen, Entwickler des START, kann diese Argumentation dagegen nicht nachvollziehen: „Offensichtlich kann man auch ohne Frust sehr schnell Surfen lernen. Wer den altmodischen Weg geht, benötigt mindestens zwei Monate, bis er ins Gleiten kommt.“ Micha aus Ravensburg wartet keine zwei Monate auf sein Glück. Der Wind bläst, und auf dem START hat er am vierten Tag sein erstes, richtiges Gleiterlebnis. „Ich fand's richtig klasse“, meint der Schwabe nach der Schulung. Kiten möchte er noch unbedingt ausprobieren, „aber Surfen mach' ich sicher weiter“.

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