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Südafrika : Fußball-Tragödie schwächt WM-Bewerbung

  • -Aktualisiert am

Die Opfer der Stadion-Katastrophe Bild: AP

Über 40 Menschen sind bei der Stadion-Katastrophe in Südafrika gestorben. Das Land gilt als Top-Favorit für die Fußball-WM 2010.

          Bei einer Massenpanik in einem Stadion in Johannesburg sind mindestens 43 Menschen getötet und 85 verletzt worden. Es war die bisher schwerste Sportkatastrophe des Landes. Die Kritiker der WM-Bewerbung Südafrikas haben damit auf schreckliche Weise eine Bestätigung erhalten.

          Die aufstrebende Kap-Rebublik hatte im vergangen Sommer unter umstrittenen Umständen das Ringen um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gegen Deutschland verloren. Schon damals waren es vor allem Sicherheitsbedenken, die gegen die von Fifa-Chef Joseph Blatter massiv unterstützte Bewerbung angeführt wurden. Für die WM 2010 gilt Südafrika nun als gesetzt. Doch die Katastrophe im Ellis-Park-Stadion stellt die Pläne der Fifa in Frage. Auch wenn Blatter die sofort aufgekommene Debatte als zynisch bezeichnete.

          „Fähig, daraus zu lernen“

          „Keine 24 Stunden nach einer solchen Katastrophe ist es geschmacklos, über ein WM-Turnier nachzudenken, das noch nicht einmal vergeben ist“, sagte Blatter in einer ersten Reaktion. Später schrieb der Fifa-Chef in einem Kondolenz-Brief an den Südafrikanischen Fußball-Verband: „Wir müssen so Anständig sein, zunächst die Toten zu begraben. Danach muss es Priorität haben, vollständige und erschöpfende Ergebnisse zu den Ursachen diese Tragödie in unserem Sport zu erhalten, damit wir daraus Lektionen für die Zukunft ziehen können.“

          Die Fifa-Exekutive wird im nächsten Jahr darüber entscheiden, ob die Titelkämpfe 2010 auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen werden sollen. Fällt die Entscheidung für Afrika, führt kaum ein Weg an Südafrika vorbei.

          Danny Jordaan, der Präsident des südafrikanischen Fußball- Verbandes, glaubt nicht, dass die WM-Chancen seines Landes durch das Unglück beeinträchtigt worden sind. „Das war ein tragischer Unfall, der nicht gut ist für das Ansehen unseres Fußballs. Aber wir sind fähig, daraus zu lernen und wir werden sicherstellen, dass sich so etwas nie mehr wiederholt“, sagte Jordaan in Johannesburg.

          Präsident Mbeki fordert Untersuchung

          Ursache der Tragödie war offenbar, dass einige tausend Menschen in das bereits überfüllte Stadion drängten, um das Spiel in der ersten Liga zwischen den Kaizer Chiefs und den Orlando Pirates zu sehen. Nach ersten Untersuchungen sind für das Stadion mit 62.000 Sitzplätzen über 75.000 Karten verkauft worden.

          Das Spiel wurde in der 30. Minute abgebrochen. Danach wurden Verletzte und Tote aufs Spielfeld gebracht. Augenzeugen erhoben Vorwürfe gegen den Rettungsdienst, der erst viel zu spät reagiert habe. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hatte unter dem Eindruck des Geschehens eine sofortige Untersuchung gefordert, „damit sich sowas nie wieder ereignet“.

          Bereits 1991 gab es 40 Tote

          „Wenn man so etwas sieht, wird Fußball sehr unwichtig. Nichts was in dieser Saison noch passiert, wird diese schlimmen Bilder verdrängen können. Es war eine wirkliche Katastrophe, und ich hoffe dass sich so etwas nicht wiederholen wird“, sagte Pirates-Trainer Gordon Igesund. Es ist bereits das zweite Mal, dass es am Rande eines Spiels der beiden Klubs zu folgenschweren Zwischenfällen gekommen ist: Am 13. Januar 1991 hatte es nach Ausschreitungen in Orkney 40 Tote und rund 50 Verletzte gegeben. Danach wurden offenbar nicht die nötigen Konsequenzten gezogen.

          Südafrika will erste Konsequenzen aus der tödlichen Massenpanik ziehen. Sportminister Ngconde Balfour kündigte am frühen Donnerstagmorgen an, auf einer Dringlichkeitssitzung sollten die Ereignisse ausführlich analysiert werden. Die meisten Verletzten wiesen gebrochene Rippen, Schädelverletzungen oder gebrochene Beine und Arme auf. Vor den Krankenhäusern der Stadt versuchten Angehörige verzweifelt, Nachricht über das Schicksal ihrer Verwandten zu bekommen.

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