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Suche nach DFB-Präsident : „Grüß-Gott-August – das darf nicht sein“

  • Aktualisiert am

Die starke Position des DFB-Präsidenten dürfe nicht geschwächt werden, sagt Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. Bild: dpa

Seit Monaten läuft beim DFB die Suche nach einem neuen Präsidenten. Nun hat der DFB eine Shortlist mit Kandidatennamen erstellt. Gleichzeitig reagiert Interimspräsident Rainer Koch auf Rummenigges Warnung.

          Auf seiner mühsamen und aufwendigen Präsidentensuche hat der DFB inzwischen eine Shortlist mit Kandidaten-Namen erstellt. Dies teilte Interimspräsident Rainer Koch nach einer Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes am Freitag in Frankfurt/Main mit – ohne Namen zu nennen. Die Rolle des Verbandsbosses werde sich künftig anders darstellen, „aber nicht dahingehend, dass es sich um eine schwache Präsidentin oder einen schwachen Präsidenten handelt“. Damit reagierte Koch auf die Bedenken von Bayern Münchens Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge.

          Der 63-Jährige fordert einen starken Mann an der Spitze des weltgrößten Fußball-Verbandes. „Ich habe ein bisschen die Sorge, dass der Präsident des DFB – überspitzt gesagt – reduziert werden soll auf einen Grüß-Gott-August. Das darf nicht der Fall sein“, sagte Rummenigge der Deutschen Presse-Agentur.

          „Das ist ein ganz wichtiges Amt“, mahnte Rummenigge: „Der Mann ist der höchste Repräsentant im deutschen Fußball und vertritt Deutschland auch in den internationalen Gremien. Deswegen muss das eine Persönlichkeit sein, die wirklich für sich steht.“

          Uli Hoeneß als neuer DFB-Präsident?

          Im Zuge seiner geplanten Strukturreform mit der Trennung in DFB GmbH und e.V. ist aber längst klar, dass der neue Verbandsboss nicht mehr einer wie Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach oder Reinhard Grindel sein soll, die alle vorzeitig gingen. Der Neue könnte auch Aufsichtsratsvorsitzender der künftigen DFB GmbH werden, in der das gesamte operative Geschäft angesiedelt ist.

          „Ich bin sehr optimistisch, dass wir unser Ziel erreichen, am 21. August eine Kandidatin oder einen Kandidaten für die Wahl des DFB-Präsidenten vorschlagen zu können. Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Koch. Konkrete Kandidaten nannte Koch wie angekündigt nicht, auch nicht, ob eine Frau auf der noch offenen Liste stehe und die Zahl der Personen. „23 sind es nicht“, meinte der 60 Jahre alte Jurist nur mit Blick auf die Größe eines WM-Kaders.

          Auf die Frage, ob er sich Uli Hoeneß als Verbandsboss vorstellen könne, wollte Koch nicht eingehen. Hoeneß wird sich laut eines „Bild“-Berichts im November nicht zur Wiederwahl als Präsident des FC Bayern München stellen. Er selbst sagte dem „Kicker“, werde die Entscheidung über seine Zukunft Ende August mitteilen.

          Aufgaben werden neu zugeschnitten

          Der Nachfolger von Grindel, der im April nach einer Reihe von Verfehlungen zurückgetreten war, soll beim DFB-Bundestag am 27. September in Frankfurt gewählt werden. Der Kandidat oder die Kandidatin soll am 21. August in Berlin im Rahmen einer Konferenz der Regional- und Landesverbandspräsidenten sowie der Generalversammlung der 36 Proficlubs vorgestellt und danach bekanntgegeben werden. Seit Grindels Rücktritt führen Koch und der scheidende DFL-Präsident Reinhard Rauball den Verband interimistisch.

          Rummenigge war beim Casting des Verbandes durch die Personalberatung Egon Zehnder auch zu seinen Vorstellungen zum künftigen Profil des Präsidenten befragt worden. „Es muss eine Persönlichkeit sein, die in der Lage ist, den deutschen Fußball, insbesondere den DFB, wieder in ein ruhiges Fahrwasser zu führen“, sagte der Bayern-Boss. Er habe aber keine Person vorgeschlagen.

          In Paragraf 34 der DFB-Satzung ist der Präsident bislang „oberster Repräsentant“. Das heißt: „Ihm obliegt die Gesamtverantwortung und die Richtlinienkompetenz.“ „Wir sind zur Erkenntnis gekommen, dass bisherige Aufgaben-Zuschnitt es nahezu unmöglich macht, langfristig erfolgreich zu arbeiten“, sagte Koch. Der langjährige Vizepräsident ist ebenso Mitglied der sechsköpfigen Präsidenten-Findungskommission wie Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

          DFB vertagt Entscheidung zu Gelbsperren für Trainer

          Die Bundesliga-Trainer müssen sich bei den nun möglichen Roten Karten auf mindestens ein Spiel Sperre einstellen. Zwangspausen bei einer bestimmten Anzahl von Gelben Karten werden allerdings noch nicht zum Saisonstart wirksam. Wie DFB-Interimschef Rainer Koch am Freitag nach der Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes mitteilte, werde die neue Regelung bei Verwarnungen erst von der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga am 21. August in Berlin diskutiert. Für Ligen unterhalb von Bundesliga und 2. Bundesliga will der DFB bei seinem Bundestag am 27. September eine Regelung verabschieden.

          Gelbe und Rote Karten für Trainer sind mit Saisonbeginn möglich. Dies beschloss das für Fußball-Regeln zuständige International Football Association Board (IFAB) bei seiner Sitzung im März. Der Weltverband FIFA machte daraufhin eine Mindestsperre von einem Spiel wie auch für Spieler bei einer Roten Karte verpflichtend. „Die FIFA macht keine zwingende Vorgaben auf Sperren bei Gelben Karten. Ich halte sie auch für sachgerecht und sinnvoll, es hat einen gewissen disziplinierenden Charakter“, sagte Koch.

          Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung plant die DFL eine Sperre nach drei Gelben Karten für einen Trainer. Dies war in ersten Reaktionen von Trainern und Klub-Verantwortlichen kritisiert worden. (dpa)

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