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Wimbledon : Struff hat sich Duell mit dem „Größten aller Zeiten“ verdient

  • -Aktualisiert am

Ein Traum wird wahr: Jan-Lennard Struff darf Roger Federer herausfordern Bild: dpa

Als Jan-Lennard Struff die Wimbledon-Auslosung sah, hat er genau auf diese Chance gehofft: Ein Drittrunden-Duell gegen Roger Federer. Sein Weg dahin führte den Tennisprofi aus dem Sauerland über zwei furiose Fünf-Satz-Matches.

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          Es muss schon viel geschehen, um ein Leuchten in Jan-Lennard Struffs Augen zu zaubern oder ihn zu einer spontanen Antwort zu bewegen. „Nein, Court Nummer eins wäre nicht ok, es soll schon der Centre Court sein“, platzte es geradezu aus dem 28 Jahre alten Tennisprofi heraus, dem es ansonsten zu eigen ist, Fragen länger auf sich wirken zu lassen und dann eine Antwort zu formulieren, für die kaum ein anderer eine Bedenkzeit benötigt. Aber es war auch ein besonderer Moment. Sein aufwühlender Fünfsatzsieg über den Kroaten Ivo Karlovic, der ihm eine Audienz beim König von Wimbledon einbrachte, lag erst eine Stunde zurück. Und so langsam glitten die Gedanken von der gerade überstandenen Herausforderung zur nächsten hinüber. An diesem Freitag steht ihm der größte Auftritt seiner Tenniskarriere bevor, an diesem Freitag trifft Struff auf den achtmaligen Triumphator von Wimbledon, Roger Federer. Und dafür möchte er auch die größtmögliche Bühne.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Es ist noch gar nicht so lange her, dass der 1,96 große Siegfried aus dem Sauerland schon einmal die Ehre hatte, dem Schweizer Tennisidol seine Aufwartung zu machen. Im Januar unterlag er ihm in der zweiten Runde der Australian Open 4:6, 4:6, 6:7. Aber in Wimbledon sich mit Federer zu messen, ist noch einmal etwas ganz anderes. Der Schweizer ist das Synonym für Rasentennis, Legende, Mythos, Lichtgestalt in einer Person.

          Mächtiger Aufschlag

          Auch Struff verehrt und bewundert seinen nächsten Gegner, aber er vermag das nicht so richtig in Worte zu fassen. Immerhin freue er sich „mega“ auf das Match. Dass er bei dem Aufeinandertreffen in Ehrfurcht erstarren wird, steht nicht zu befürchten. Nicht nur, weil er sagt: „Ich gehe raus, um zu gewinnen. Federer hat auch gegen Stachowski verloren“, womit sich der Deutsche auf die Zweitrundenniederlage Federers aus dem Jahr 2013 bezieht. Struff ist einfach der Typ, den so etwas wie Papierform, äußere Bedingungen oder andere Begleiterscheinungen nicht berühren. Der Stoiker zieht sein Spiel so durch, wie er meint, dass es richtig ist. Seine Meinung teilt jedoch nicht immer die Mehrheit.

          Struff hat schon so manchen, der ihm gewogen ist, während eines Matches zur Verzweiflung getrieben. Gesegnet mit einem mächtigen Aufschlag und einer gewaltigen Vorhand, liegt bei ihm das Problem im Risikomanagement. Wenn Struff durchlädt, enden die Ballwechsel – mit einem Gewinnschlag oder einem unerzwungenen Fehler. Dieses Alles oder Nichts hat ihm schon viele Spiele gewonnen und schon viele Siege gekostet.

          Fokus auf den Ball: Struff in Aktion

          In der Summe führte das dazu, dass er in den vergangenen vier Jahren zwischen den Positionen 44 und 65 in der Weltrangliste pendelte. Viele trauen ihm zu, mit 28 Jahren noch den Schritt in höhere Regionen zu vollziehen, er sich selbst auch. Das Potential dazu besitzt er. Sogar Federer nötigte Struffs Schlaghärte Respekt ab. In Melbourne fragte er sich vor der Auseinandersetzung mit dem Deutschen öffentlich, ob er selbst genug Wucht besäße, um die Ballwechsel mit ihm zu bestehen. Und nach seinem durchaus umkämpften Dreisatzsieg gegen den Slowaken Lacko sagte er auf der Pressekonferenz, dass er es schade finde, dass ihn niemand nach Struff frage, dessen Leistung habe es verdient, sich mit ihm auseinanderzusetzen.

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