https://www.faz.net/-gtl-9bzm6

Wimbledon : Struff hat sich Duell mit dem „Größten aller Zeiten“ verdient

  • -Aktualisiert am

Zu oft aber geht der Hüne auch einfach unter, scheint sich lethargisch in eine Niederlage zu fügen, donnert die Bälle immer weiter ins Aus, in einer besonderen Form von Duldungsstarre. Immerhin hat Struff diese Schwäche erkannt und begonnen, daran zu arbeiten. Bei großen Anlässen wie dem Davis Cup und in Wimbledon gelingt es ihm am besten, sein natürliches Phlegma zu überwinden, wenn wieder einmal eine Niederlage droht. Beim Relegations-Match gegen Portugal im September 2017 landete Struff im Einzel und im Doppel mit Tim Pütz zwei nervenzerfetzende Fünfsatzsiege, so dass das deutsche Team in der Weltgruppe blieb.

In Wimbledon drehte er in diesem Jahr sowohl in der ersten Runde gegen den Argentinier Leonardo Mayer, als auch in der zweiten Runde gegen Karlovic einen 0:2-Satzrückstand. „In den ersten beiden Sätzen war ich wieder ein bisschen zu ruhig. Dann habe ich mich ein bisschen aufgeregt, und das war gut so“, analysierte Struff seinen Gemütszustand im Spiel gegen das kroatische Aufschlagwunder. 61 Asse schlug ihm Karlovic um die Ohren. Sich davon verrückt machen zu lassen, wäre ein genauso großer Fehler gewesen, wie sie als Naturereignis einfach nur hinzunehmen. „Es kommt eben auf die Balance an“, sagt Struff. Gegen Karlovic fand er sie. Er pushte sich, zeigte seinem Gegner immer wieder mal die Faust, ohne allerdings dabei die Contenance zu verlieren. Und er überraschte, dass er bei den wenigen Gelegenheiten, die dieses Aufschlagduell (Struff schlug 31 Asse) bot, verhältnismäßig viele Ballwechsel auf die feine Art für sich entschied – mit gefühlvollen und präzise plazierten Lobs und Passierschlägen. Am Ende nahm er selbstbewusst die erste kleine Schwäche Karlovics wahr und verwandelte den ersten Breakball zum Matchgewinn. „Ich merke, wie ich dazulerne, ich fühle mich immer besser auf dem Platz“, sagte Struff vor Wimbledon, obwohl bis dahin das Tennisjahr 2018 nicht nur positiv verlaufen war. „Nur die Ergebnisse hielten nicht immer mit den Leistungen mit“, meinte er.

Seine Dickfelligkeit und Unbeirrbarkeit sind Fluch und Segen zugleich. Die Eigenschaften führten ihn auf manchen Irrweg, dafür hat ihn noch kein Rückschlag dazu bewogen, weniger hart an sich und seiner Karriere zu arbeiten. Auch von einem Gerichtsurteil Ende Juni ließ er sich offensichtlich nicht ablenken. Er verlor einen Rechtsstreit mit einer früheren Trainerin und muss ihr nun Prämien in Höhe von fast 300000 Euro nachzahlen und bis Mitte 2022 weiter einen Teil seiner Einnahmen an sie abführen.

Für Struff gilt: Weiter, immer weiter! Und er hat noch viel vor. Er nehme sich an Victor Estrella Burgos aus der Dominikanischen Republik ein Beispiel. Burgos habe es noch später als er auf das höchste Profilevel, die ATP-Tour, geschafft. „Und jetzt hat er zwei Turniere gewonnen – mit 37! Also da ist auch für mich in den nächsten Jahren noch einiges möglich.“

Weitere Themen

Au revoir!

Tennis-Star Serena Williams : Au revoir!

Serena Williams verabschiedet sich in Paris von den French Open. Ihre Schmerzen sind zu groß. Für die Zukunft der 39 Jahre alten Mutter stellen sich nun wichtige Fragen.

Topmeldungen

Schläger für Trump : Wie gefährlich sind die „Proud Boys“?

Sie verbreiten nicht nur rechte Parolen, sie schlagen auch öfter mal Gegner zusammen. Durch Donald Trumps Auftritt bei der TV-Debatte gegen Joe Biden sind die „Proud Boys“ nun in den Schlagzeilen.
90 Prozent haben eine Einwanderungsgeschichte: Kunstunterricht an der Grillo-Schule

Duisburg-Marxloh : Schule in herausfordernder Lage

Die Anforderungen für Brennpunktschulen sind in den vergangenen Jahren dramatisch gewachsen. Waren es früher zwei bis drei Kinder eines Jahrgangs, die kaum oder schlecht Deutsch sprachen, sind es heute nahezu alle.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.