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Stars, Stripes and Stories : NBA-Finale: Dramatisches Duell mit Dissonanzen

  • -Aktualisiert am

Riesen recken sich: O'Neal und Mutombo im Titelkampf Bild: AP

Hollywood gegen Arbeiterstadt: In der Serie zwischen den Los Angeles Lakers und den Philadelphia 76ers treffen Welten aufeinander.

          3 Min.

          Die Finalserie in der NBA zwischen den Los Angeles Lakers und Philadelphia 76ers versprach, ein Langweiler zu werden - zu überlegen agierte L.A. in den Playoff-Runden zuvor. Nach drei Endspielen sieht aber alles anders aus.

          Es ist ein Basketball-Spektakel für Genießer, ein Drama von höchster Qualität. Und das Schönste daran: Es wird am Mittwoch und Freitag mindestens noch zwei Vorstellungen geben - und der Ausgang ist wider Erwarten völlig offen.

          76ers: Stolz und Trotz

          Diese 76ers sind einfach nicht kleinzukriegen. Vor allem nicht ein Wirbelwind, der mit seinen 21 Tätowierungen wie ein Rapper oder Gang-Mitglied aussieht und nur 1,82 Meter misst. „Wir haben eine Schlacht verloren, aber noch nicht den Krieg", tönt Philadelphias Spielmacher Allen Iverson reichlich martialisch.

          Kampf unter dem Korb

          Stolz und Trotz zeichnen den Star aus: „In allen drei Spielen hielten wir bislang bis zum Schluss mit. Noch haben uns die Lakers nicht einmal weggefegt.“ Und dies macht die Finalserie zwischen den Underdogs aus Philadelphia und dem Titelverteidiger aus Los Angeles so ungemein reizvoll.

          Humor nicht verloren

          Nach den beiden Auftaktspielen in Los Angeles mit einem Sieg und einer Niederlage (107:101 und 89:98) gingen die Philadelphia 76ers voller Selbstbewusstein in Spiel drei der „Best-of-Seven“-Serie, um vor heimischem Publikum in einem hochklassigen Showdown mit 91:96 zu verlieren. Goodbye Meisterschaft, Niedergeschlagenheit pur?

          Denkste. Die Stehaufmännchen der National Basketball Association versprechen den Lakers „weitere heiße Tänze" und unterstreichen, „bis zur letzten Sekunde" fighten zu wollen. „Schließlich wissen wir nicht, ob wir diese Gelegenheit noch einmal bekommen werden", erklärt Allen Iverson. Womit der Superstar den Einzug ins Finale meint.

          Coach Larry Brown ist sogar so gut aufgelegt, dass er sein Statement mit den Worten beendet: „Wenn man mir gesagt hätte, ich würde einen Raja Bell, Todd MacCulloch und Jumaine Jones in einer World Championship-Serie einsetzen, dann hätte ich geantwortet: Sicher, aber frühestens 2008." Die überraschend starken Underdogs haben offenbar immer noch gut Lachen.

          „Das größte Herz der Liga“

          Es war eine lange Durststrecke für den Verein und die Fans, denn zuletzt kämpften die 76ers vor 18 Jahren um die NBA-Krone. Damals hieß der Held Moses Malone, und Philadelphia gewann die Championship-Serie gegen eben jene Lakers mit 4:0.

          Doch diesmal wollte kaum jemand auch nur einen Dollar auf das beste Team der Eastern Conference setzen. Schließlich war im Westen des Landes ein Monster erwacht, dass die Konkurrenz in Grund und Boden spielte. Die Los Angeles Lakers räumten die Portland TrailBlazers, Sacramento Kings und San Antonio Spurs in bester Godzilla-Manier aus dem Weg: elf Spiele, elf Siege.

          Gegen Philadelphia sollte die Serie weitergehen. Doch dann stellte sich ein kleiner Mann dem Ungetüm in den Weg. „Ich spiele nicht mit meiner Körpergröße", sagt Iverson. „Ich spiele mit meinem Herzen. Und ich denke, ich habe das größte Herz in dieser Liga."

          Verletzte beißen sich durch

          Ein Kämpferherz, dass derart laut klopft, dass es die Mitspieler inspiriert und mitreißt. Die gegnerischen Riesen befördern den quirligen Guard in schöner Regelmäßigkeit zu Boden, stoßen ihm die Ellenbogen ins Gesicht und attackieren ihn beinahe wie beim American Football. Doch dieser Iverson steht immer wieder auf und antwortet zumeist mit einem Drei-Punkte-Treffer. Trotz Schmerzen in den Knien, Prellungen an Hüfte und Rippen.

          Kein Wunder, dass da die Mitspieler ebenfalls auf die Zähne beißen. Guard Eric Snow spielt seit Wochen mit einem gebrochenen rechten Knöchel, George Lynch macht ein gebrochener Mittelfußknochen zu schaffen und Forward Aaron McKie plagt sich mit einem Knöchel-Splitterbruch und einem verstauchten Daumen herum. Gäbe es den Preis für das homogenste „OP-Team", die 76ers hätten ihn verdient.

          Doch auch so kommen die herzerfrischenden Außenseiter in dieser Saison bereits auf eine beachtliche Trophäensammlung. Allen Iverson wurde zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt, Larry Brown stieg zum „Coach des Jahres" auf, Aaron McKie sammelte den Preis als „bester sechster Mann" und Dikembe Mutombo wurde zum „besten Abwehrspieler" der Saison gekürt. Fehlt eigentlich nur noch der Meisterschaftspokal.

          Mutombo - ein Laienschauspieler?

          Den Cup jedoch wollen die Lakers unbedingt verteidigen. Und zwar mit allen Mitteln. Nach drei hart geführten Auseinandersetzungen eröffnet Center Shaquille O'Neal den verbalen Schlagabtausch, indem er seinen Gegenspieler Mutombo als Laienschauspieler beschimpft. „Jedes Mal wenn ich ihn überliste, lässt er sich einfach fallen und macht auf Heulsuse", stänkert der selbsternannte Supermann.

          Die Antwort hat nicht lange auf sich warten lassen. „Eine intelligente Person gibt so etwas nicht von sich", kontert Mutombo - „und im übrigen Pfeife ich auf Shaqs Aussagen."

          Alle hoffen auf sieben Spiele

          Damit ist der Krieg der Worte eröffnet. Und dies ausgerechnet auch noch in der Stadt, die das Etikett der „Brotherly Love" trägt. Am Mittwoch geht das Duell im First Union Center weiter, und auch Spiel fünf der Finalserie findet am Freitag in Philadelphia statt.

          Mit zwei weiteren Siegen wären die Lakers Meister, doch in Philadelphia will man davon nichts wissen. „Wir geben uns noch längst nicht geschlagen", sagt Dikembe Mutombo. „Mich würde es nicht überraschen, wenn es ein Spiel sieben geben würde."

          Dies wäre dann am 20. Juni in Los Angeles und der Traum aller Basketball-Fans. Die NBA-Funktionäre eingeschlossen. Denn die TV-Einschaltquoten steigen und steigen.

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