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Stars, Stripes and Stories : Money. Money, Money...: Baseballer im Millionen-Dollar-Rausch

  • -Aktualisiert am

Neue Dollar-Dimensionen: US-Baseballer Alex Rodriguez. Bild: dpa

          2 Min.

          Die inflationäre Entwicklung der Gehälter in der Major League Baseball beschäftigt die amerikanischen Sportfans. Auch wenn in den Staaten schon traditionell Sport, Kommerz und Geschäft eng verstrickt sind, ohne den in Deutschland verbreiteten Neid-Faktor, die neuen Gehalt-Dimensionen sind auch in Übersee schwer zu begreifen.

          Es ist eine Dollar-Lawine ins Rollen geraten, deren Schneeballeffekt den Durchschnittsverdiener Marke "Uncle Joe" erdrückt. Derek Jeter unterschrieb bei den New York Yankees einen mit 189 Millionen Dollar dotierten Zehnjahresvertrag. Manny Ramirez erhält bei den Boston Red Sox für acht Jahre satte 160 Millionen Dollar und die Chicago Cubs würdigten die Leistungen ihres Stars Sammy Sosa mit einer vierjährigen Vertragsverlängerung, die sie 72 Millionen Dollar kostet. Von solchen Gagen können selbst Kollegen in den großen Profiligen NBA (National Basketball Association), NFL (National Football League) und NHL (National Hockey League) nur träumen.

          Die MLB, ein Schlaraffenland?

          "Man darf den Spielern an dieser Entwicklung eigentlich keine Schuld geben", sagt Seattles Manager Pat Gillick, "schließlich hält uns bei den Verhandlungen niemand eine Pistole an den Kopf." Der Fehler liegt vielmehr im System. Die einfache Regel: Teams mit dickem Geldbeutel erreichen in schöner Regelmäßigkeit die Playoffs, während die zum Sparen verdammten keinen Treffer landen. Krösus New York Yankees, in den vergangenen fünf Jahren viermal der World Series-Champion, zahlte in der letzten Saison mit 110 Millionen Dollar das höchste Mannschaftsgehalt im Profisport.

          Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer und in der MLB haben kleinere Märkte längst keine Chance mehr, wie zum Beispiel San Antonio 1999 in der NBA, einen Titel zu gewinnen. MLB-Commissioner Bud Selig sieht ein "augenscheinliches Ungleichgewicht" und fordert schnelles Handeln: "Das System muß und wird geändert werden. Sonst sehe ich schwarz."

          Spielergewerkschaft mit Stehvermögen

          Doch so einfach ist es nicht, wie in den anderen Profiligen ein salary cap (Gehaltsobergrenze) und eine Einnahmenteilung zur Stärkung des Wettbewerbs durchzusetzen. Denn im Baseball besticht die Spielergewerkschaft durch ein besonderes Stehvermögen. Der momentane Tarifvertrag läuft am 31. Oktober aus und immer mehr Experten prophezeien einen erneuten Arbeitskampf.

          Bereits 1994 setzten die Teambesitzer das Mittel der Aussperrung ein und stoppten damit alle Vertragsverhandlungen. Man opferte sogar eine World Series, um am Ende doch nur vor Gericht gegen die mächtige Spielergewerkschaft zu verlieren. Der Schaden für den Nationalsport war enorm und es dauerte Jahre um die Fans nach dem Streik zurückzugewinnen.

          "Hoffentlich müssen wir nicht wieder den Betrieb einstellen, das wäre fatal", sagt Atlanta Braves-Präsident Stan Kasten, "denn wir haben ohne Frage eine schlechte wirtschaftliche Situation." Immer mehr Teams verlieren Geld, während die Gehälter explodieren.

          Chicago Tribune: „Der Anfang vom Ende für Baseball?“

          Nach dem Irrsinn im Fall Rodriguez fragte die Chicago Tribune besorgt, ob dies "der Anfang vom Ende für Baseball" sei. Ende Oktober wird ein neuer World Series-Champion gekürt und die Spanung ist groß, ob die favorisierten New York Yankees ihre Siegesserie fortsetzen können. Aufregend dürfte zudem auch der Kampf hinter den Kulissen sein. Bis zum November haben die 30 Teambesitzer noch Zeit, die tickende Bombe zu entschärfen und neue Gehalts-Richtlinien aufzustellen. Und übrigens: Geld allein macht auch im Baseball noch lange keinen Champion. Die Texas Rangers verloren mit Großverdiener Alex Rodriguez zum Auftakt gegen die Toronto Blue Jays gleich mit 1:8.









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