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Stars, Stripes and Stories : David Sterns gute Miene zu „Bad Boy´s“ Spiel

  • -Aktualisiert am

Superstar: Allen Iverson Bild: ap

Vom „Bad Boy“ zum Sympathie- und Werbeträger der besten Basketballliga der Welt: Allen Iverson wurde beim All-Star-Game der NBA als wertvollster Spieler ausgezeichnet.

          3 Min.

          Vom bösen Buben zum Sympathie- und Werbeträger der besten Basketballliga der Welt: Allen Iverson könnte durch seine Auszeichnung als MVP beim NBA-All-Star-Game in Washington den ultimativen Karrieresprung geschafft haben. Wenn er sich in Zukunft ein paar Manieren angewöhnt.

          Es war ein Bild für die Götter. Plötzlich standen David Stern und Allen Iverson in der Mitte des Basketball-Courts. Umringt von Fotografen und Kamerateams. Verkehrte Basketball-Welt: Der eine spielt als Commissioner den Saubermann der NBA, der andere als Guard der Philadelphia 76ers den Rebellen der Liga. Doch nach dem 50. All-Star-Game kam Stern nicht umhin, den unbequemen Iverson mit einem strahlenden Lächeln als besten Akteur (MVP) des Starauflaufs zu ehren. Dabei packte der Liga-Boss die Trophäenübergabe in die hübschen Worte, dass „großer Basketball manchmal eben in kleinen Paketen“ komme.

          Und bei diesem Iverson geht bei einer Körpergröße von gerade einmal 1,80 Metern nun wirklich die Post ab. Der Wirbelwind führte die Auswahl der Eastern Conference in einem dramatischen All-Star-Vergleich zum 111:110 über die favorisierte Western Conference. Allein im letzten Viertel erzielte Iverson 15 seiner insgesamt 25 Punkte. „Diesen unbeschreiblichen Triumph", sagte der treffsichere Guard, „widme ich meiner Familie und meinen Freunden, die mich auch in schweren Zeiten begleitet haben."

          All-Star game und die NBA steht Kopf?

          Iverson hatte die Antwort parat

          Das MCI-Center in Washington war fürwahr die geeignete Bühne, um die moderne Version eines strauchelnden Helden aufzuführen, der sich am Ende in höchste Höhen erhebt. Iverson wuchs unweit des Schauplatzes in Hampton (Virginia) auf und ging in Georgetown aufs College. Er nennt sich selbst „The Answer", wenngleich die US-Medien ihn bislang lieber als „bad boy" titulierten. Unzählige Tattoos sowie ein loses Mundwerk sind nämlich die Markenzeichen des Spielmachers.

          Der hatte sich vor dem Saisonstart als Rapper versucht und Comissioner Stern durch allzu profane Texte in Rage gebracht. Die beiden trafen sich mehrmals zu Aussprachen in Sterns NBA-Hauptquartier in New York, doch erst jetzt in Washington bewies der 25-Jährige, daß er neben Kobe Bryant (Los Angeles Lakers) und Vince Carter (Toronto Raptors) zu einem Sympathie- und Werbeträger der besten Basketball-Liga der Welt aufsteigen kann.

          „Wo ist Coach Brown", rief Iverson im Triumphgefühl immer wieder nach seinem Trainer und Mentor. Mit Larry Brown hatte der Guard in der Vergangenheit etliche Konflikte ausgetragen, um am Ende doch in Einklang mit dessen Methoden zu kommen. Brown ist Trainer von Philadelphia und betreute beim All-Star-Game die Eastern Conference. Über die Arbeit mit seinem Ziehsohn urteilte Brown: „Aus dem Fall Iverson sind einige Lehren zu ziehen.“

          Jetzt winkt der MVP für die ganze Saison

          Vorurteile, Missverständnisse, Fehlverhalten - der Star stand im Kreuzfeuer der Kritik, um jetzt in imponierender Manier den größten Erfolg seiner Laufbahn zu feiern. Und viele Experten trauen dem Genie sogar zu, auch den MVP-Titel als bester Spieler der Saison abzuräumen. Schließlich führte Allen Iverson die verletzungsgeschwächten 76ers nahezu im Alleingang in die Poleposition als punktbestes Team der Liga.

          Außerdem liegt er mit einem Punktdurchschnitt von 29,7 nur um 0,2 Zähler hinter Topscorer Kobe Bryant. Straucheln die Lakers auch nach der All-Star-Pause weiter, prophezeien viele Experten bereits ein Finale Portland kontra Philadelphia - das wäre die große Chance für Allen Iverson.

          „Wenn soviel großartige Spieler auf dem Platz stehen", sagte Iverson, „ist es nicht einfach, den Krieg zu gewinnen.“ Denn es ging beim Duell der All-Stars um mehr als nur die reine Show. Das zeigte die mit frenetischem Applaus gefeierte Aufholjagd des Ostens. Die körperlich kleinere Mannschaft der Eastern Conference lag zu Beginn des Schlussviertels bereits mit 21 Punkten im Rückstand, um in der besten All-Star Begegnung der vergangenen Jahre doch noch den Spieß umzudrehen.

          Die Stars aus dem Osten haben das größere Herz

          „Uns hatte niemand den Sieg zugetraut", sagte Iverson, „aber es kommt nicht auf die Größe des Körpers, sondern die des Herzens an." Neben dem überragenden Guard aus Philadelphia gefielen auch Vince Carter (16 Punkte) und Kobe Bryant (19) mit spektakulären Zuspielen und Dunks. Da sich die neue Star-Generation in bester Manier präsentierte, war die Basketball-Party ganz nach dem Geschmack der NBA. Die war zuletzt auf Grund stark sinkender TV-Quoten, steigender Ticketpreise sowie schwächelnder Leistungen arg unter Beschuss geraten.

          „Unter diesen Umständen war es ein großartiges Spiel und beste Werbung für die Liga", meinte Larry Brown. Und wer hätte vorher gedacht, daß sein „Problemkind“ Allen Iverson (Washington Post) am Ende der viertägigen Basketball-Feierlichkeiten sogar noch das beste Bild für das NBA-Fotoalbum liefert. Nämlich mit MVP-Pokal in der Hand neben seiner überglücklich strahlenden Mutter.

          Vielleicht bringt Mom ihrem Allen ja sogar noch ein paar Manieren bei. Damit sich auch David Stern freuen darf.

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