https://www.faz.net/-gtl-2hjz

Stars, Stripes and Stories : College-Basketball: „March Madness“ macht die Massen mobil

  • -Aktualisiert am

Einen Monat nicht im Mittelpunkt: NBA-Star Dirk Nowitzki Bild: dpa

Uni-Sport in Deutschland interessiert nicht mal am Rande - in den USA zieht er Millionen von Fans in seinen Bann. Besonders im März, wenn der College-Basketball regiert.

          3 Min.

          Die Karnevalszeit ist vorbei. Dass die Amerikaner aber immer noch verrückt spielen, liegt an einem ganz besonderen sportlichen Großereignis. Für vier Wochen sind einmal keine Profis, sondern die besten College-Basketballer des Landes in aller Munde. „March Madness“ nennt der US-Amerikaner den heißen Kampf um den Uni-Titel.

          Ein Virus hat eine ganze Nation befallen. Seine Bezeichnung: NCAA. Sogar die Medien sind von ihm angesteckt. Noch vor den weltpolitischen Nachrichten heißt es im amerikanischen Fernsehen: „Vorhang auf für die NCAA". Es werden die Highlights des Tages gesendet, und die Moderatoren kriegen sich hinterher kaum mehr ein. Im Radio werden die NCAA-News wie brandheiße Staumeldungen verkauft. Und Tageszeitungen und Magazine versuchen Auflage zu machen, indem sie der NCAA einen Platz auf der Titelseite einräumen.

          NCAA ist die Vereinigung der Universitäten und Colleges (National College Athletic Association), die alljährlich im März mit einem spektakulären Basketball-Turnier Millionen sportbegeisterter Menschen verzaubert. March Madness ist eine ungewöhnliche Krankheit, für die es vier Wochen lang keine Heilung gibt.

          Sogar Bill Clinton vom Virus infiziert

          Sogar der einst mächtigste Mann der Welt wurde vom Basketball-Virus infiziert, so dass die Staatsgeschäfte kurzzeitig nur zweitrangig waren. Als Bill Clinton noch Präsident war, stolzierte er einmal in einer dunkelroten Trainingsjacke mit der Aufschrift „Arkansas Basketball" durch das Weiße Haus und brach Pressekonferenzen ab, „weil doch jeder das Spiel sehen will." Das Team seiner Uni, die „Wildschweine" aus Arkansas, wurde Meister und bereitete Clinton einen seiner schönsten Amtstage.

          Wenn die besten 64 Basketballmannschaften der Hochschulen ihre Meisterschaft austragen, gibt es in den USA kein Halten mehr. Altehrwürdige Semester öffnen ihre Kleiderschränke und zwängen sich in knallgelbe oder blutrote Sweatshirts aus ihren Studententagen. Stolz präsentieren sie Aufschriften wie „Sumpfschildkröte", „Teer-Ferse" oder „Trojaner" und „Bären", die als Spitznamen ihrer Unis gelten.

          Die Hallen sind bei den aufregenden Spielen stets ausverkauft, die Stimmung ist bombastisch. Blaskapellen spielen schmissige Rhythmen, und Cheerleader sorgen für den Augenschmaus. Das K.o.-System der Endrunde sorgt regelmäßig für strauchelnde Favoriten und triumphierende Außenseiter. Und diese jugendlichen Emotionen stellen alles in den Schatten, was der Profisport zu bieten hat. March Madness ist in den USA Kult - der College-Titelkampf steht daher auf einer Stufe mit der Super Bowl im Football und der World Series im Baseball.

          Auch „Air“ Jordan und „Det the Threat“ mischten mit

          Los Angeles mag mit den Lakers den Meister der NBA stellen. Doch dieser Tage sind weder Shaq (O'Neal) noch Kobe (Bryant) ein Thema, sondern die Teams der UCLA und USC. Zum ersten Mal in der 65-jährigen Geschichte des Turniers stehen nämlich zwei Uni-Mannschaften aus der Filmmetropole in der Runde der letzten 16, die den reizvollen Titel „Sweet 16" trägt. Die seriöse Los Angeles Times titelte im Überschwang der Gefühle in der Sonntagsausgabe „Two Sweet" und startete den Basketball-Leckerbissen mit einer dicken Sonderbeilage.

          Selbst der legendäre Basketball-Star Michael Jordan wirbelte einst beim NCAA-Turnier unter den Körben. Mit den traditionsreichen „Tar Heels", so lautet der Spitzname der Universität von North Carolina, holte „Air“ Jordan 1984 einen College-Titel. Auch deutsche Spieler mischten kräftig beim College-Budenzauber mit. Detlef Schrempf und Christian Welp gingen zum Beispiel für die Universität Washington auf Korbjagd, und Hendrik Rödl gelang 1993 sogar das Kunststück, den Titel mit der Uni North Carolina zu gewinnen.

          Über 50 Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirmen

          Die March Madness gipfelt in der Finalrunde der letzten vier Mannschaften, die diesmal vom 31. März bis 2. April im Metrodome von Minneapolis ausgetragen wird. Wie in jedem Jahr ist das Final Four längst ausverkauft, und Tickets werden auf dem Schwarzmarkt bis zu 3.000 Dollar gehandelt.
          Duke und Kentucky zählen diesmal zu den großen Favoriten - allein in Las Vegas werden wieder zig Millionen Dollar an Außenseiter-Wetten umgesetzt werden.

          Die grenzenlose Euphorie der Amerikaner für die Basketball spielenden Twens kommt nicht von ungefähr, da fast jeder Zuneigung zu irgendeiner Universität verspürt. Entweder studierte man dort oder eine der Hochschulen liegt ganz in der Nähe. Und da die 300 Universitäten der ersten Division über das ganze Land verteilt sind, fällt die Fan-Rekrutierung nicht besonders schwer. Über 50 Millionen Zuschauer wohnen in diesem Monat dem Spektakel vor dem Fernseher bei.

          Außerdem ist die große Bühne ist ein glänzender Ort für die jungen Spieler, um sich für höhere Aufgaben in der Profiliga NBA zu empfehlen. Und wer in diesem Jahr leer ausgeht, der muss nicht traurig sein. Die nächste March Madness kommt bestimmt.

          Weitere Themen

          Für die Eintracht wird es ungemütlich

          Schalke besiegt Frankfurt : Für die Eintracht wird es ungemütlich

          Schalke gewinnt gegen Frankfurt, verliert dabei aber zwei Spieler. Torhüter Nübel sieht nach einem Extremfoul Rot, zuvor wird der verletzte McKennie vom Feld getragen. Auch Eintracht-Profi Gaćinović muss ins Krankenhaus.

          Topmeldungen

          Bewegung in Italien : Sardinen wollen es mit Salvini aufnehmen

          Eine Großkundgebung in Rom ist der vorläufige Höhepunkt der Sardinen-Bewegung. Die italienischen Linken wollen den öffentlichen Raum und politischen Diskurs zurück. Lega-Chef Salvini hat die Herausforderung angenommen.
          Die Ziele der EZB sind umstritten.

          Debatte um Inflationsziel : Was die EZB wirklich antreibt

          Ist die Inflationsbekämpfung das einzig wahre Ziel der EZB oder gibt es noch andere implizite Absichten, die in Entscheidungen einfließen? Eine neue Studie stellt ein interessantes Experiment an.
          Seat-Chef Luca de Meo

          Seat-Chef Luca de Meo : „Wir sind die Eroberer“

          Seat-Chef Luca de Meo spricht im Interview über Autos für junge Leute, Experimente mit E-Scootern – und wie andere Länder über SUV denken.
          Die Eröffnung der Vogelfluglinie: Der dänische König Frederik IX. (links) und Bundespräsident Heinrich Lübke gehen im Mai 1963 im dänischen Hafen Rodbyhavn an Bord der Fähre.

          Von Hamburg nach Kopenhagen : Abschied von der Vogelfluglinie

          Die Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen führte jahrzehntelang mit der Fähre über die Ostsee. Das war mal ein Verkehrsprojekt der Superlative. Nun ist die Verbindung über das Schiff Geschichte. Eine letzte Fahrt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.