https://www.faz.net/-gtl-3h4n

Stanley-Cup : Spiel noch einmal, Uwe!

  • -Aktualisiert am

Gravour auf dem Stanley Cup: Uwe Krupp Bild: AP

Der deutsche Eishockey-Profi Uwe Krupp hat berechtigte Hoffnungen, heute nacht zum zweitenmal in seiner Karriere den Stanley- Cup hochzuhalten.

          Hart arbeiten und eisern schweigen war die Devise von Uwe Krupp in den vergangenen Tagen. Mit verbissenem Trainingseifer versuchte sich der Deutsche seinem Trainer anzubieten. Denn Scotty Bowman hat vor dem fünften Stanley- Cup Finale in der kommenden Nacht zwischen seinen Detroit Red Wings und den Carolina Hurricanes ein personelles Problem zu lösen: Wer soll den für dieses Spiel gesperrten Verteidiger Jiri Fischer ersetzen.

          Uwe Krupp, der von der körperlichen Statur (1 Meter 95, 95 Kilo) dem 21jährigen ähnelt und physisch genau so hart, wenn nicht noch härter spielt oder Jiri Slegr. Slegr ist wie Fischer Tscheche, läuferisch gut, routiniert und wurde kur vor Ende der Transferperiode im April extra für solche Notfälle verprflichtet.

          Schwacher Eindruck zum Play- Off Auftakt

          Gespielt hat von den beiden in den Play- Offs bisher nur einer: Uwe Krupp. Und genau darin liegt das Problem. Krupp war in den beiden Auftaktspielen gegen Vancouver mit von der Partie, die mit zwei enttäuschenden Niederlagen endeten. Dabei war der 36jährige gleich bei fünf Gegentreffern, zum Teil nicht ganz unschuldig, auf dem Eis.

          Zu langsam, zu unbeweglich waren die Kritikpunkte. Trainer Bowman nahm einige Änderungen in seinem Team vor, brachte den Schweden Frederik Olausson, und setzte Krupp auf die Tribüne. Detroit gewann die nächsten vier Spiele und kam mit identischer Abwehrbesetzung nun bis auf einen Erfolg in Reichweite des Stanley- Cup Sieges.

          Name kommt nur bei Einsatz auf den Cup

          Vieles spricht dafür, dass Uwe Krupp den vierten und entscheidenden Erfolg gegen den wackeren aber zuletzt überforderten Aussenseiter Carolina also doch wieder von der Tribüne der Joe Louis Arena ansehen muss. Sein Name würde dann nicht ein zweitesmal auf dem Stanley- Cup eingraviert werden: 40 Vorrundeneinsätze oder einer in der Finalserie sind für den Schriftzug für die Ewigkeit notwendig.

          Im Training jedenfalls nahm Slegr den Platz von Fischer an der Seite von des 40jährigen Veteranen Chris Chelios ein. „Die Trainer sagten mir, ich solle mich für einen Einsatz bereithalten. Die Entscheidung werde aber erst kurz vor dem Spiel fallen" gab der 31jährige Tscheche zu Protokoll. Gleichzeitig verließ Uwe Krupp sichtbar verärgert die Kabine ohne den Fragen der Presse zu antworten.

          Nur ein taktischer Schachzug?

          Normalerweise ein sicher Indiz dafür, dass die Würfel bereits gefallen sind. Normalerweise, würde Detroits Trainer nicht Scotty Bowman heißen. Der 68jährige Fuchs ist bekannt dafür, dass er gerne unerwartete Entscheidungen trifft. Es wäre nicht das erstemal, dass er einen Spieler durch Nichtberücksichtigung bis aufs Blut reizt, um die letzten paar Prozent aus ihm herauszukitzeln, und ihn dann doch zu bringen.

          Falsch machen kann der Coach also nichts: Während Slegr über seinen ersten Finaleinsatz überhaupt sagt, „es wäre das größte Spiel meines Lebens", würde sich auch Krupp zerreißen, um einen letzten guten Eindruck in Detroit zu hinterlassen. Und hat der Mann nicht schon einmal ein letztes Finalspiel entschieden? Die guten Geister vom 10. Juni 1996 dem Siegtreffer für Colorado, übrigens Krupp letztes Play-Off-Tor überhaupt, spielen sicher eine Rolle.

          Ehe Krupp/ Detroit am Ende

          Einsatz oder nicht - nach Ende der Finalserie wird die Unglücksehe Krupp-Detroit geschieden. Man wird sich erneut vor dem Arbeitsgericht sehen, wo die Red Wings die 4,1 Millionen Gehalt des Kölners anfechten werden. Von vier Vertragsjahren Jahren stand der Verteidiger gerade mal anderthalb auf dem Eis, den Rest der Zeit laborierte er an einer Rückenverletzung.

          Aus Sicht des Klubs habe er sich die fahrlässig bei einem Schlittenhunderennen zugezogen. Krupp verneint dies. Man wird sich wohl gütlich einigen und der 36jährige vielleicht noch bei einem anderen, mit weniger Stars durchsetzen Klub unterkommen, wo seine (Führungs-)qualitäten vonnöten sind.

          Red Wings Kader wird verjüngt

          Die Red Wings werden Kader nach der Saison auf alle Fälle verjüngen. Zum Teil sogar notgedrungen, wenn zum Beispiel Torwart-Ikone Dominik Hasek (37) und 600-Tore Stürmer Luc Robitaille (36) mit dem Gewinn ihres ersten Stanley- Cups die große Karriere krönen und gleichzeitig beenden.

          Oder wenn Igor Larionov (41) sich doch zum Aufhören entscheidet. Auch der Verbleib von Trainer- Legende Scott Bowman ist offen. Der 68jährige will sich im Sommer entscheiden, ob er weiter auf Trophäenjagd geht. Zuvor muss er eine Personalentscheidung treffen, die Spiel fünf und damit die ganze Finalserie entscheiden kann. Krupp oder Slegr. Auf zum letzten Gefecht.

          Weitere Themen

          Auf der Welle zum Rekord Video-Seite öffnen

          „Big Wave“-Surfer in Portugal : Auf der Welle zum Rekord

          Sebastian Steudtner surft in seiner Wahlheimat, dem portugisischen Nazaré, auf gigantische Wellen. Zwischen „Bergen aus Wasser“ surft der 33-jährige Deutsche, der schon zweimal den begehrten XXL Global Big Wave Award gewann, allerdings relativ gelassen.

          Topmeldungen

          Der Regelfall: Deutsche Polizisten als Freunde und Helfer beim DfB-Pokalspiel am 18. August in Ulm

          „NSU 2.0“ in Frankfurt : Die Polizei – dein Feind und Henker?

          Rechtsextreme drohen einer Frankfurter Anwältin, ihre zwei Jahre alte Tochter zu ermorden. Spuren führen zu einem rechtsextremen Netzwerk inmitten der Frankfurter Polizei. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen zeigen sich alarmiert.

          Reisewarnung wegen Brexit : Warnt May die Briten vor Europareisen?

          Der Brexit steht vor der Tür und ob es einen Deal gibt, ist immer noch unklar. Angeblich plant die britische Regierung darum eine Reisewarnung für Europa. Die Regierung dementiert. Doch die Unruhe wächst.

          Schwangerschaftsabbrüche : Die alten Gräben

          In der Debatte über das Werbeverbot für Abtreibungen wird viel Falsches behauptet. Auf beiden Seiten des ideologischen Grabens. Dabei darf man auch den größten Missstand nicht aus dem Auge verlieren. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.