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Weltrekord von Duplantis : Der Mann, der über Giraffen springt

Höher, höher, höher: Duplantis Bild: EPA

6,20 Meter – Armand Duplantis gelingt bei der Hallen-WM in Belgrad ein noch höherer Sprung, nur dreizehn Tage nach seinem Weltrekord. Und er will noch mehr.

          2 Min.

          Zwei Jahre lang versuchte sich Armand Duplantis vergeblich am Weltrekord. Dann kam er nach Belgrad und hob ab wie nie zuvor. Das war vor zwei Wochen beim Hallenmeeting. Olympiasieger Duplantis, in der weiten Welt der Leichtathletik und in der kleinen Welt Schwedens als Mondo bekannt, überflog in seinem 55. Versuch 6,19 Meter und erzielte damit zum dritten Mal die stärkste Leistung der Welt. Lediglich dreizehn Tage und drei Sprünge später ließ er am Sonntag den nächsten Rekord folgen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die letzte Aktion der Hallen-Weltmeisterschaft, die wiederum in Belgrad stattfand, waren der ungeheuer schnelle Anlauf von Duplantis, das Einstechen und kraftvolle Biegen des harten Stabes, der elegante Aufschwung mit den Füßen voran Richtung Hallendach, kopfüber am sich streckenden Stab, der schwerelos wirkende Abstoß aus den Armen heraus und dann, am Kipppunkt, das knappe Überwinden der Latte in 6,20 Meter Höhe, deren Zittern wegen einer leichten Berührung er beim Flug in die Tiefe bis zum Versinken in der Matte skeptisch beobachtete.

          Über den Kopf eines Girarrenbullens

          Kurz: ein Stabhochsprung, wie es ihn noch nie gab. Das muss man sich mal vorstellen: Der schlaksige Athlet, der wirkt, als hätte er die Schultern hochgezogen, könnte einem Giraffenbullen von anderthalb Tonnen Gewicht über den Kopf hinwegspringen, und es blieben dabei mindestens zwanzig Zentimeter Platz.

          Mit seiner Leistung stahl der 22 Jahre alte Amerikaner, der dank der Herkunft seiner Mutter für den schwedischen Verband startet, den beiden anderen Weltrekordlern der Hallen-WM die Schau, der venezolanischen Dreispringerin Yulimar Rojas (15,74 Meter) und dem amerikanischen Hürdensprinter Grant Holloway (7,29 Sekunden). Auch das Publikum, das den Sieg der serbischen Weitspringerin Ivana Vuleta (früher Spanovic) mit dem einzigen Sieben-Meter-Sprung dieses Winters (7,06) umjubelte, gewann Duplantis. Zunächst hatte er verraten, dass er den Weltrekord zwei Wochen zuvor mit einem Schluck Sliwowitz gefeiert hatte, dann versuchte er sich an einem traditionellen serbischen Tanz, dem Kolo. „Ich glaube, Belgrad wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben“, sagte er über das Hallenmikrofon. Seine olympische Goldmedaille gewann er im vergangenen Jahr in einem leeren Stadion.

          So offenkundig die Freude von Duplantis an Publikum und Gesellschaft war, muss dies nicht bedeuten, dass er ein Romantiker ist im Gegensatz zum berechnenden Sergej Bubka. Dieser steigerte in seiner Ära vor drei Jahrzehnten die damals noch unterschiedlich gewerteten Weltrekorde in der Halle und im Stadion Zentimeter um Zentimeter insgesamt 35-mal – und wurde jedes Mal vom Veranstalter mit einer Prämie belohnt.

          Duplantis hat, will er so lange aktiv bleiben wie Bubka, noch vierzehn Jahre Zeit; der Ukrainer beendete seine Karriere erst mit 36. Zudem verbessern sich die Konditionen des Vertrages, der Duplantis mit dem deutschen Sportartikelhersteller Puma verbindet, mit jedem Titel und mit jedem Rekord des Athleten. In diesem Jahr hat Duplantis die Chance, sowohl bei der Weltmeisterschaft von Eugene als auch bei der Europameisterschaft von München für eine Erhöhung seiner Bezüge zu sorgen. Höher springen will er ohnehin.

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