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Stabhochsprung : Meistertitel statt Schneeballschlacht

  • -Aktualisiert am

Der Favorit im Stabhochsprung setzte sich bei den deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund durch. Michael Stolle gewann souverän mit 5,80 m.

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          Der Favorit im Stabhochsprung setzte sich bei den deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund durch. Michael Stolle gewann souverän mit 5,80 m vor seinem Leverkusener Vereinskameraden Richard Spiegelburg, dem Mainzer Andrej Tiwontschik und Tim Lobinger vom LAC Quelle Fürth/München, die alle 5,60 m übersprangen.

          Der derzeit überragende Deutsche in dieser Disziplin, Danny Ecker, der den Hallenrekord vor zwei Wochen an gleicher Stelle auf sechs Meter gesteigert hatte, hatte sich zwei Tage vor den Titelkämpfen am Fuß operieren lassen und verzichtet auf die weitere Hallensaison.

          Titelverteidiger Lobinger ist zur Zeit außer Form. Der Lautsprecher der Zunft hat etwa zehn Kilo abgenommen. Das liegt jedoch weniger an seiner Ernährungsumstellung, sondern an dem Stress nach dem positiven Doping-Test. Lobinger war bei einer Wettkampfkontrolle beim Grand Prix-Finale in Doha (Katar) in der A-Probe auf Nandrolon getestet worden. Der Fall blieb aber ohne Konsequenzen für ihn, weil die B-Probe negativ war. Danach wurde seine Suspendierung wieder aufgehoben.

          So war der Weg frei für Stolle. Dabei war sein Start in den Tag alles andere als vielversprechend. Für die knapp 100 km von Leverkusen nach Dortmund benötigte er mit seinen Mannschaftskameraden fast vier Stunden. Da ein Großteil der Wettkampfteilnehmer im Stau auf der Autobahn liegen geblieben war, wurde der Stabhochsprung von elf auf zwölf Uhr verlegt. „Die Straße war am Anfang noch frei, eine Stunde später lagen schon zehn Zentimeter Schnee", erzählte Stolle. „Da hätte man locker eine Schneeballschlacht machen können.“

          Aber auch sein Start in den Wettkampf lief nicht wie erhofft. Die Anfangshöhe von 5,50 m überquerte er erst im dritten Versuch. „Beim zweiten habe ich mir einen Wirbel blockiert. Aber unser Masseur hat das schnell wieder hinbekommen", sagte Stollet. Und die Siegeshöhe von 5,80 übersprang er im zweiten Versuch. Beim ersten Mal fiel der neue Titelträger auf die Latte.

          Anschließend scheiterte der Leverkusener zum zweiten Mal in dieser Saison an der neuen deutschen Rekordhöhe von 6,01 m. Schon beim Indoor-Meeting in Potsdam, wo er 5,85 m übersprungen hatte, hatte er sich vergeblich an dieser Höhe versucht. Das nächste Ziel ist nun die Hallen-Weltmeisterschaft in Lissabon (9. - 11. März). „Da will ich besser in den Wettkampf kommen und um die Medaillen mit springen." Aber noch fehlen ihm vier Wochen Techniktraining.

          Der Sportsoldat, dessen zwölfjährige Dienstzeit nach den Olympischen Spielen in Athen 2004 abläuft, musste vier Wochen zu einem Bundeswehr-Lehrgang nach Sonthofen. „Da gab es keine Stabhochsprunganlage und die zwei Mal, die ich zu Hause war, hatte ich auch nicht gerade Lust, Technik zu trainieren. Kraft und Ausdauer kann man kompensieren, Technik nicht", beschreibt Michael Stolle sein Manko. Und sein Trauma von Olympia in Sydney hat er noch nicht ganz überwunden. Da war er höhengleich mit dem Sieger Vierter geworden. „Das ist ein gedankliches Auf und Ab. Einmal sagt man sich, Vierter bei den olympischen Spielen muss man auch erst werden. Aber dann denkt man drüber nach, das man die gleiche Höhe wie der Sieger übersprungen hat." Bei der Hallen-WM will er jetzt endlich eine Medaille gewinnen.

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